Aktuelles

13.05.2015

Aktuelles nach dem zweiten Beben

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Liebe Freunde und Paten,

eigentlich plante die Regierung, alle unzerstörten Schulen des Landes am 15. Mai wieder zu eröffnen, doch nach den gestrigen Beben ist das nicht möglich. Viele weitere Gebäude, die bereits Risse durch das April-Beben hatten, sind zusammengestürzt, darunter natürlich auch wieder Schulen. Nicht auszudenken, wie viele weitere Opfer zu beklagen wären, wenn diese bereits geöffnet hätten und nun über den Köpfen der Kinder zusammengefallen wären.

Infolge dieser furchtbaren Ereignisse erhielten wir viele besorgte Anfragen von Paten, die sich nach dem Wohlbefinden ihrer Patenkinder in Chitwan erkundigten. Diese von Herzen kommende Anteilnahme freut mich sehr und mein Team vor Ort hat sein Möglichstes getan, schnell alle Kinder aufzusuchen. Direkt nach dem Beben sind die Projektmitarbeiter in die Projektdörfer und Siedlungen gelaufen und haben schließlich zurückgemeldet, dass alle Kinder, die durch eine Schulpatenschaft gefördert werden, überlebt haben. Ebenso haben sie sich mit eigenen Augen davon überzeugt, dass die 360 Mädchen, die durch direkte Patenschaften die Chance zur Schulbildung erhalten, am Leben sind.

Wir alle sind dankbar und erleichtert über diese Nachrichten und möchten sie schnell mit Ihnen teilen.

Leider müssen wir vermelden, dass die von uns errichtete Kindertagesstätte in Chitwan durch das zweite Beben derart stark beschädigt wurde, dass wir das Gebäude zügig abreißen und neu bauen werden. Es soll die Kinder nicht dauernd an das Beben erinnert, deshalb der schnelle Abriss, der Aufbau erfolgt, wenn das Wetter (Monsun) Bauarbeiten zulässt. Für den Übergang werden wir die Kindertagesstätte unter dem Schutz eines großen Zeltes provisorisch weiterführen. Unsere Projektmitarbeiter besuchen jetzt und in den kommenden Tagen alle Familien einzeln und versuchen, ihnen bei der Verarbeitung dieser schrecklichen Ereignisse beizustehen, den Erwachsenen wie den Kindern. Es ist jetzt wichtig, den Alltag neu zu organisieren, denn er sieht völlig anders aus als vor den Beben. Die Eltern sollten ihre Kinder nicht alleine lassen und sie vor allem nicht alleine zum Holz- oder Wasserholen in den Wald (Dschungel) oder zum Fluss schicken. Mit der Familie überlegen wir gemeinsam, wer welche Aufgabe in diesen besonderen Zeiten übernimmt, so dass sie zusammen überleben. Deshalb sprechen wir noch einmal über die Wichtigkeit der Hygiene mit ihnen, vom Trinkwasser, Nahrungszubereitung, Händewaschen bis hin zum Toilettengang, um den Ausbruch von Krankheiten aktiv zu verhindern.

Bis der Schulunterricht, zumindest provisorisch, wieder stattfinden kann, werden die von uns bezahlten Lehrkräfte, die mit unserem Team unterwegs sind, Lese- und Spielstunden mit den Kindern der Dörfer abhalten. Durch Vorlesen, Malen und Spielen können die Mädchen und Jungen vielleicht anfangen, etwas von der traumatisierenden Angst loszulassen. Wir möchten ihnen die Möglichkeit schenken, ihr Lachen wiederzufinden.

Ähnliches, nämlich regelrechte Zeltschulen, planen wir auch für weitere zerstörte Schulen in Chitwan und anderen Regionen. Hierzu werden wir in Kürze ausführlicher berichten, denn die Vorbereitungen laufen bereits seit Tagen auf Hochtouren, wurden allerdings tragisch unterbrochen durch das gestrige Beben.

Außerdem können wir Euch mitteilen, dass unsere Schützlinge Khushi und Anil (die wir seit Jahren wegen ihrer schwerwiegenden Verbrennungen medizinisch behandeln lassen und ihnen gleichzeitig eine Schulausbildung ermöglichen) auch dieses Beben überstanden haben und unverletzt geblieben sind.

Ebenso in unserer weit abgelegenen Projektregion Mugu, in der wir 21.000 Menschen mit unseren Projekten erreichen, sind bisher keine Menschenleben oder Beschädigungen zu beklagen. Ihr könnt Euch bestimmt vorstellen, welche Erleichterung eine solche Nachricht für mich ist.

Mit Dikendra und Achyut sind wir in ständigem Kontakt, das Internet funktioniert in Kathmandu, im Moment fühlt sich das an wie eine ‚lifeline’.

Bis bald, helfen Sie uns bei den Kindern, denn sie wachsen nun in diesen Neuaufbau Nepals hinein, es wird mühsam werden und ein langer Weg, doch vor allem müssen sie eins sein: gebildet. Zumindest eine Grundausbildung haben und das Lesen, Schreiben und Rechnen beherrschen.

Danke, dass Sie mithelfen und unseren Projekten, den Menschen und den Kindern Nepals tiefe Anteilnahme schenken, ich sehe es an Ihren posts, danke für Ihre guten Wünsche, Gedanken und Taten.

Bis bald, namaste, Stella