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11.03.2013

Biogas verändert das Leben der Menschen in Korak (Chitwan)

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Bereits mehrfach berichteten wir Ihnen von den Lebensumständen der Bewohner in den Dörfern Chitwans. Die Familien leben in einfachen Hütten und kochen ihre Mahlzeiten beinah ausschließlich mit offenen Holzfeuern, was aufgrund des dichten Qualms sowohl gesundheitliche Folgen für die Bewohner hat, als auch für die umliegenden Wälder,
sie werden stark dezimiert. In den bisherigen Projektgebieten haben wir daher schon spezielle Lehmöfen installiert (Newsletter September 2012), um die Rauchentwicklung in den Hütten einzudämmern und den benötigten Holzeinschlag zu verringern.



Kochen an traditionellen Feuerstellen

Für einige Haushalte im Dorf Korak haben wir uns in Abstimmung mit der Bevölkerung und den örtlichen Behörden für eine andere Variante entschieden. In den Haushalten, in denen ausreichend Vieh vorhanden ist, haben wir vor Kurzem mit Biogas betriebene Kochstellen gebaut, die das offene Holzfeuer als Kochstelle komplett ersetzen.

Vor allem Haushalte mit eigenem Vieh können von der Technologie profitieren

Die Technologie ist im Prinzip recht einfach. Die Exkremente der gehaltenen Rinder sowie die der Familienmitglieder werden zusammen mit Wasser in eine unterirdische luftdichte sechs Kubikmeter große Grube geleitet. In dieser Umgebung entstehen Methangase, diese werden durch das Öffnen eines Hauptventils über eine schmale Leitung zur Kochstelle geleitet und können dort je nach Bedarf zum Kochen verwendet werden.

 

Die Exkremente gelangen in eine Grube (li.), das entstehende Gas wird über ein Ventil abgeleitet und zum kochen genutzt (mi.), die Gülle kann entnommen und zum Düngen der Felder verwendet werden (re.) (Bildquelle: Wikipedia.org)

Die mit Biogas betriebenen Kochstellen werden zu einem großen Teil von Back to Life finanziert, aber auch die Regierung und die lokale Forstverwaltung geben etwas hinzu, da es auch in ihrem Interesse ist, gerade den Wald des ‚Chitwan National Parks’ zu schützen. „Back to Life e.V. trägt mit diesem Projekt nicht nur zur direkten Verbesserung der Lebensbedingungen der Dorfbewohner bei, sondern leistet damit auch einen Beitrag zum Schutz des Nationalparks und der dort lebenden Tiere. Dieser ist nicht nur ein einzigartiger Lebensraum für Elefanten, Tiger, Nashörner und viele weitere Tiere, sondern auch ein Touristenmagnet und damit Wirtschaftsfaktor und Arbeitgeber für Hunderte von Menschen“, so ein Mitglied der lokalen Forstverwaltung.

Natürlich liefern auch die Begünstigten selbst ihren Beitrag zu den neuen Biogasanlagen, indem sie diese unter Anleitung durch ihre eigene Arbeitskraft errichten.

Die mit Biogas betriebenen Kochstellen haben vielerlei positive Effekte für die Bewohner und die Umwelt. Der Wohnraum ist während des Kochens nicht mehr von dichtem Qualm vernebelt, das wird langfristig eine bessere gesundheitliche Verfassung der Bewohner bewirken. Damit auch die Exkremente der Familienmitglieder in die Grube gelangen, erhalten die Haushalte außerdem zum ersten Mal eigene Toiletten, was ebenfalls zu einer Verbesserung der hygienischen Situation beiträgt.

 Alle Familien erhielten ihre eigene Toilette von der aus die Exkremente in die Grube gelangen. Die Exkremente es Viehs werden manuell zugeführt und mit Wasser vermischt.

Außerdem sparen sich die Frauen und Kinder das tägliche Sammeln, Suchen, Schlagen und Tragen des Holzes, denn dies ist in der nepalesischen Gesellschaft seit jeher Frauenarbeit. Durchschnittlich verbraucht eine Familie 250 kg Holz im Monat. Die Wälder um die Siedlungen sind daher schon dramatisch abgeholzt, denn eine andere Energiequelle gab es in den Dörfern bisher nicht und Holz auf dem Markt zu kaufen ist sehr kostspielig.

 

Eine Familie verbraucht im Schnitt 250 Kg Holz im Monat. Die Beschaffung ist entweder teuer oder bedeutet Schwerstarbeit für die Frauen und Kinder der Familie.


Das durch das Biogas gesparte Geld steht für andere Dinge zur Verfügung, denn bei den niedrigen Einkommen der Menschen zählt jeder Cent. Die immense Zeitersparnis können die Kinder mit Hausaufgaben, Lernen und einem regelmäßigen Schulbesuch verbringen, denn nicht selten müssen gerade die Mädchen der Schule fernbleiben, um die Mütter zu unterstützen. Die Mütter haben mehr Zeit, sich um die Kinder zu kümmern sowie für andere Arbeit zu nutzen, um so das Einkommen der Familie zu erhöhen.

Die in der Grube entstehende Gülle kann an einer bestimmten Stelle entnommen werden und dient als Dünger für die umliegenden Feldern, so dass hier zukünftig in Verbindung mit weiteren Maßnahmen eine höhere Produktivität der landwirtschaftlichen Erträge zu erwarten ist.

Trotz vielfältiger Vorteile und obwohl dies nicht die ersten Biogasanlagen dieser Art in Nepal sind, mussten die Dorfbewohner zu Beginn zunächst von dieser Technologie überzeugt werden. Dabei war es nicht der Dung der auch in Nepal heiligen Rinder, sondern die Vorstellung, mit Hilfe menschlicher Exkremente sein Essen zuzubereiten, die die Bewohner zunächst ablehnend gegenüber der Idee erscheinen ließ. Wir haben daher sowohl in den Schulen als auch mit den Eltern Aufklärungsworkshops veranstaltet, um den Menschen zu erklären, dass nicht mit den Exkrementen, sondern mit den daraus entstehenden Gasen gekocht wird. Außerdem konnten wir ihnen die vielen oben genannten Vorteile näherbringen, die viele direkte positive Effekte auf die alltäglichen Lebensbedingungen haben werden.

 

Unser Projektmitarbeiter Anjan erläutert den Kindern des Dorfes die neue Technologie

So konnten zunächst die Kinder und durch sie schließlich vor allem die Mütter überzeugt werden. „Die Mitarbeiter von Back to Life haben uns von Biogas erzählt. Es war sehr interessant und sie haben uns erklärt, das nicht der Toilettenabfall zum Kochen verwendet wird, sondern nur das Gas. Alle waren fasziniert von den Möglichkeiten, die dies mit sich bringen würde. Kein Holz sammeln, keine verrauchten Hütten, mehr Zeit, Kochen wann immer man möchte. Das klang großartig und deswegen haben wir unseren Eltern immer wieder davon erzählt und sie letztlich überzeugen können, der neuen Technologie zuzustimmen“ sagte Akash, der zur Zeit die achte Klasse besucht.

Natürlich sind vor allem die Frauen des Dorfes begeistert von den neuen Kochstellen: „Das ist beinah wie ein Traum“, sagt Sita Moktan während sie an ihrem neuen Kocher das Frühstück zubereitet. „Es dauert nur noch wenige Minuten, das Essen zuzubereiten. Man dreht den Hahn auf und entzündet das Gas, das ist alles. Kein lästiges und andauerndes Holz schlagen und auch die Töpfe und unser Raum sind nicht so verrußt, wie zuvor. Ich habe soviel Zeit, mich um die Felder und die Kinder zu kümmern und ich kann meine Mädchen täglich in die Schule schicken. Sie haben Zeit, Hausaufgaben zu machen und müssen mir nicht beim Holz sammeln helfen. Ich kann mich bei Back to Life nur herzlich bedanken. Sie haben damit das Leben der Frauen und Mädchen in unserem Dorf sehr erleichtert.“

 Durch die neuen gasbetriebenen Kochstellen ersparen sich Frauen wie Sita die beschwerliche Holzbeschaffung im Wald und die Hütten sind nicht mehr vom gesundheitsschädlichen Rauch vernebelt.


Wir haben bisher in 33 Haushalten Biogas betriebene Kochstellen gebaut und werden weitere sieben in den nächsten Wochen folgen lassen. Wir freuen uns sehr, dass die neue Technologie von den Bewohnern derart positiv aufgenommen wurde und wir mit vergleichsweise wenig Aufwand viele positive und langfristige Veränderungen bewirken konnten.