Aktuelles

04.06.2015

Damit es eine Ernte gibt - Back to Life verteilt Saatgut und Setzlinge nach den Beben

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Namaste liebe Freunde Nepals und unserer Back to Life-Projekte,

auch wenn unser Fokus nach den Beben ganz klar auf der langfristigen Hilfe für die Kinder liegt, ihnen durch Zeltschulen und Schulbau weiterhin Schulbildung zu ermöglichen, helfen wir ebenso in anderen Bereichen und lassen die Nöte der Erwachsenen auch nicht aus den Augen.

Ich habe bereits direkt nach dem Beben Ende April angesprochen, dass die nächste Ernte für viele Nepalis ausfallen wird, weil sie nicht nur ihre Häuser, sondern auch ihr Saatgut verloren haben, das unter den Trümmern begraben liegt. Kein Saatgut, keine Aussaat. Denn diese muss vor dem Monsun geschehen, um nach der Regenzeit eine gute Ernte einholen zu können. 70% der Nepalis leben von der Landwirtschaft, sie erwirtschaften aber nur 30% des Bruttosozialproduktes. Manche besitzen viel Land und viele wenig. Zu wenig, um ihre Familien zu ernähren, deshalb arbeiten sie auf den Feldern anderer oder als Tagelöhner, als Kuli auf Märkten oder beim Bau .

Direkt nach dem Beben haben wir Nothilfepakete ausgegeben, die neben Plastikplanen, Koch- und Essgeschirr auch Grundnahrungsmittel für einen Monat enthielten. Das sollte den Betroffenen die Chance geben, den ersten Monat zu überbrücken. So konnten manche bereits beginnen, wieder auf ihren Feldern zu arbeiten oder sich Arbeit als Tagelöhner zu suchen, damit das Leben weitergeht.

Doch nichts ist wie zuvor. Das Erdbeben, die Erdrutsche und unzählbaren Nachbeben haben die Landwirtschaft Nepals auf das Schwerste getroffen. Es gehen Zahlen um, die besagen, dass 13.450 Kühe und Büffel durch die Beben getötet wurden - wertvolle Lebensgrundlage der Bergbauern. Auch die Milchproduktion des gesamten Landes ist stark eingeschränkt, da eine zu große Anzahl von Wasserbüffeln und Kühen zu Opfer fiel. In manchen Gebieten kann deswegen gar keine Milch produziert werden, außerdem haben die Bauern in den Epizentren nicht genügend Futtermittel für ihr restliches Vieh, alles wurde verschüttet. Vereinzelte Saatkörner sprießen bereits aus den Trümmern hervor anstatt auf den Feldern, gelagertes Heu ist durch die tagelangen Regengüsse nach den Beben bereits verrottet.
In Kathmandu sieht das Problem anders aus: es gibt keinen Absatz für Milch. Die Abnahme ist um 40% eingebrochen, die Bauern bleiben darauf sitzen, weil abertausende Einwohner die Stadt und das Kathmandu-Tal verlassen haben.

Von Anfang an war mir klar, dass wir schnell handeln müssen, damit die nächste Ernte nicht komplett wegfällt und die Betroffenen nicht langfristig abhängig von nationalen oder internationalen Hilfsleistungen werden. Außerdem besteht die große Gefahr der massenhaften Abwanderung. Die sehr zerstörten Distrikte wie Gorkha und Sindhupalchowk waren zuvor gut besiedelt, immerhin 330.000 lebten in diesen Bergregionen. Wenn diese sich nun ohne Besitz und Aussichtsmöglichkeiten auf Arbeit oder Wohnraum aufmachen, anderswo in Nepal landlos ihr Dasein zu bestreiten, laufen sie erst recht in ihr Unglück. Es ist wichtig, ihnen vor Ort Möglichkeiten zu geben, wieder produktiv zu werden. Aus eigener Kraft können sie das nicht schaffen, dafür sind die Zerstörungen zu gewaltig. Das wird eine große Aufgabe für Nepal. Back to Life hat bereits langjährige Erfahrung mit Programmen zur Einkommensgenerierung in ländlichen Gebieten und zur Verbesserung der landwirtschaftlichen Produktivität. Ich habe mein Team angewiesen, diese jetzt auf Erdbebenopfer auszuweiten.

Ich freue mich, Ihnen Fotos zeigen zu können, wie das Back to Life-Team bereits denjenigen in unserem Projektgebiet Chitwan Saatgut und Gemüsesetzlinge austeilt, die dieses verloren haben. Ihre Felder würden ansonsten brach liegen und sie selbst immer tiefer in die Armuts- und Abhängigkeitsspirale geraten. Das gilt es zu verhindern.
Selbstverständlich verbinden wir die Verteilung mit einem Training, welches sie erstens wieder auf Hygiene hinweist, denn der Monsun beginnt und damit eine andauernde Seuchengefahr. Neben den Kühen und Büffeln liegt auch weiteres Nutztier wie Ziegen oder Hühner zu Tausenden in Massen von Schlamm oder unter Trümmern begraben.

 


Desweiteren verhelfen wir den Familien zur schnellen gemeinsamen Aussaat, damit die Regenfälle des Monsuns zur Nahrungsproduktion genutzt werden können. Es ist höchste Zeit, jetzt den Acker zu bestellen und das haben wir durch diese Hilfe möglich gemacht. Gemüsesetzlinge pflanzen wir gemeinsam unter Planen, so dass die Ernährungssituation der Familien wieder in ihren eigenen Händen liegt. Das saisonale Gemüse wie Kürbis aller Arten, Gurke, Ocra, Bittergurke, Bohnen und grünes Blattgemüse wächst innerhalb weniger Wochen heran und sie werden einen Teil dessen auf dem Markt verkaufen können. Als Nächstes planen wir, Mais auszugeben, wir folgen dem landwirtschaftlichen ,Kalender’.

 


Als Drittes verpflichten wir die Familien, die unsere Hilfe in Anspruch nehmen, ihre Kinder in die Schule zu schicken. Es wäre kontraproduktiv für unsere Ziele, ihnen Saatgut auszuteilen und dann die Kinder auf den Feldern arbeiten zu sehen. Deshalb gibt es Pflanzen nur gegen Unterricht und Trauma Bewältigung für die Heranwachsenden.

Sobald sichergestellt ist, dass genügend Futtermittel zur Verfügung stehen, werden wir unser Ziegenprogramm stark ausweiten, eine direkte Hilfe, mit der wir stets gute Erfahrung gemacht haben. In einem Dorf werden mehrere Ziegenpärchen zur Nachzucht ausgegeben, deren Nachwuchs dann in einem vorher abgesprochenen System auf die Familien verteilt wird, so dass alle schließlich die milchspendenden Nutztiere erhalten und die gesamte Dorfgemeinschaft damit einen Schritt nach vorne geht. Die Ziegenmilch ist eine wichtige Ernährungsergänzung (Gesundheitsvorsorge) der verarmten und oft mangelernährten Familien, zudem können Milch und Käse auch verkauft und damit zu barer Münze gemacht werden. Vielleicht rufe ich sie bald dazu auf, eine Ziege zu spenden, doch erst braucht es wieder den in Gang gebrachten landwirtschaftlichen Kreislauf, Heu und Futter sowie eine Ernte.

 


Liebe Freunde und Spender, ich danke Ihnen sehr für Ihre Hilfe, Zuwendungen und Spenden. Viele haben Projektpatenschaften übernommen, manch einer hat in seinem Freundes- oder Kollegenkreis gesammelt, andere haben Spendenaktionen für Nepal gestartet, ich sehe mit großer Dankbarkeit, wie Sie alle mithelfen. Bitte, hören Sie nicht auf damit, denn der Weg ist noch weit und wir stehen jetzt ganz am Anfang. Aber immerhin sind wir gut aufgestellt und das fühlen auch die Menschen in unseren Projekten.

Programme wie diese erleichtern mir das Herz, denn ich erlebe mit, wie wir an der Wurzel der Not wirksam helfen können. Das machen Sie möglich durch Ihre Spenden und indem Sie Back to Life weiterempfehlen, Flyer verteilen, unsere Beiträge ,liken’ und ,posten’. Jeder Klick von Ihnen ist ein Klick für ein neues Nepal. Ihre Spenden sind genau der Tropfen auf dem Feuer der Not, der die Menschen überleben lässt und ihnen Hoffnung und die Möglichkeit gibt, wieder aufzubauen.

Namaste und bis bald, Ihre Stella