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17.10.2015

Ein Geschenk an ein ganzes Dorf: Das Geburtshaus von Kalai

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Schon vor einigen Wochen konnten wir über die Eröffnung unseres vierten Geburtshauses in Mugu (Westnepal) berichten. Der Bau sowie die Einrichtung des Gebäudes wurden vor allem durch die großzügige Unterstützung des deutschen Ehepaares Lochner-Conrad realisiert, die uns die Finanzierung des Projektes ermöglichten. Wir bedanken uns im Namen aller Schwangeren, Mütter und Babys in und um Kalai – für dieses einzigartige Engagement zweier Menschen mit besonders großem Herzen für die Bedürfnisse der Bevölkerung Mugus.

Anfang Oktober war es soweit: Unsere Unterstützer konnten es nicht mehr erwarten, dass in 2.500 m Höhe liegende Geburtshaus mit eigenen Augen zu sehen und wollten es sich ebenso wenig nehmen lassen, den Frauen und Kindern persönlich weitere Unterstützung zu Teil werden zu lassen. Dazu nahmen Sie – in Begleitung von unseren Projektleitern – den langen und beschwerlichen Weg bis nach Mugu auf sich, der, nebenbei bemerkt, auch nicht ganz ungefährlich ist: Denn die Anreise kann nur in alten Flugzeugen erfolgen, die auf abenteuerliche Weise notdürftige Schotterpisten für Start und Landung nutzen. Eine Prozedur, die schon oft zu schlimmen Unfällen führte und mehr als nur einen Nervenkitzel für Besatzung und Passagiere bedeutet.

Unsere Projektleiter Dikendra erzählt: „Am 1. Oktober flogen wir nach Nepalgunj, von wo aus wir am nächsten Tag zur Landepiste von Mugu weiterfliegen konnten, die nach einem Jahr Bauarbeiten gerade erst wieder in Betrieb genommen worden war. Doch dieser rudimentäre Flugplatz ist nicht mal in der Nähe von Gamgadhi, der Hauptstadt des Distriktes Mugu. Es dauerte gute zwei Stunden Fußmarsch, bis wir unsere Unterkunft für die Nacht erreichten.

Früh am Morgen des dritten Tages machten wir uns auf den langen Weg nach Kalai. Die erste Stunde führte der Pfad bergab – bis zur Karnali River Brücke über den längsten Fluss von Nepal. Monoton zog sich der felsige Weg am Flussbett entlang. Monoton und doch nicht ungefährlich, denn man konnte schnell den Halt verlieren, wenn man nicht aufpasste. Nach einem kräftezehrenden 9-stündigen Marsch erreichten wir letztlich das Dorf Gila. Die Sonne begann bereits hinter den Bergen zu versinken. Es war zu spät, um noch weiterzugehen. Ein freundlicher Einwohner bat uns eine Übernachtung in seinem Haus an, die wir dankend annahmen. 

Im Morgengrauen des folgenden Tages erwarteten uns noch weitere zwei Stunden lang ein mühsamer Aufstieg, bis wir endlich Kalai erreichten. Wir waren müde, sehr müde. Aber all das verflog sofort, als uns von den Bewohnern ein überaus warmherziger Empfang bereitet wurde. Wir waren alle sehr berührt, als die Bewohner zusammenkamen, um uns mit Musik, Blumen und Girlanden sowie dem roten Pulver zum Bemalen unserer Stirn zu begrüßen: Eine Zeremonie, wie sie nur Ehrengästen zu Teil wird.“

Peter Lochner-Conrad war sehr ergriffen von der herzlichen Begrüßung und fasste seinen Emotionen wie folgt zusammen: „Wir werden niemals vergessen, wie freundlich und liebevoll die Menschen in Mugu sind und sie immer in unseren Herzen tragen. Diese wundervolle Begrüßung wird uns unvergesslich bleiben. Wir waren sehr gerührt und den Tränen nahe. Es war herzergreifend – niemals zuvor haben wir etwas Vergleichbares erlebt. Das Richtige getan zu haben, das wurde uns in diesem Moment gewiss!“

Dikendra führt weiter aus: „Als wir nun das Geburtshaus erreichten, zeigten uns die Hebammen und Krankenschwestern umgehend jeden Raum und erklärten ausführlich, wo die Mütter ihre Kinder zur Welt bringen, sie sich ausruhen oder ihre Voruntersuchungen bekommen. Allein die Aufzeichnungen seit der Eröffnung des Hauses besagen, dass 18 sichere und erfolgreiche Geburten seitdem erfolgt sind. Weitere 35 Schwangere sehen freudig ihren Geburtsterminen entgegen.

Peter und Angelica Lochner-Conrad hatten extra noch warme Anziehsachen für alle 18 Babys mitgebracht. Bevor Sie diese an die Mütter übergaben, erkundigten sie sich in jedem einzelnen Fall nach dem Wohlergehen des Kindes. Alle Mütter waren überaus dankbar für die Geschenke. Viele kamen mit ihren in eine alte Decke eingewickelten Kindern. Sie besaßen bisher nichts hochwertigeres, dass sie ihren Babys anziehen konnten.

Das Ehepaar hatte extra pinke Anziehsachen für die Mädchen unter den Babys mitgebracht – für die Jungen gab es entsprechend weitere Farben. Doch es dauerte nicht lange und alle Farben außer Pink waren vergriffen. Und so kam es nun, dass auch ein paar Jungen in den Genuss dieser nicht ganz unauffälligen Farbe kamen. Es war sehr lustig, das mitzuerleben.

Doch es war nicht das einzige Geschenk, das die beiden dabei hatten: Sie waren den weiten Weg nach Mugu gekommen und sogar ein nagelneues mobiles Ultraschallgerät befand sich in ihrem Gepäck, das sie nun der Hebamme überreichten. Damit nicht genug: Zusätzlich vergaben sie warme Wintersachen an die alten Menschen im Ort und verteilten Volleybälle an die begeisterten Kinder unserer Projektschule im Ort. Klar, dass erste Spiele nicht lange auf sich warten ließen.“

 

 

Nach der Rückkehr nach Kathmandu meinte Peter Lochner-Conrad zu Dikendra:

„Der lange Weg von Kathmandu nach Kalai und zurück hat uns gezeigt, was für ausgesprochen harte Arbeit es ist, Projekte in Mugu in die Tat umzusetzen. Diese Anstrengung betrifft nicht nur die Bewohner dort, sondern vor allem auch das Team von Back to Life, das die Planung und den Bau der Geburtshäuser in so einer abgelegenen Gegend Wirklichkeit werden lässt. Wir sind sehr froh, dass wir dies alles mit eigenen Augen sehen durften und sind Back to Life und den vielen Helfern sehr dankbar, dass sie diesen liebenswerten Menschen in Mugu helfen.“ 

Seine Frau Angelica Conrad fügte hinzu:

„Ich möchte Back to Life dafür danken, dass sie die Menschen Mugus nicht vergessen und ihnen die Chance auf ein besseres Leben ermöglichen. Es macht mich glücklich, wenn ich an den warmen Empfang in Kalai und die Offenherzigkeit zurückdenke, die ich in den Augen der Menschen sehen durfte. Vielen Dank für dieses Erlebnis und eine wundervolle Zeit.“