Aktuelles

02.05.2015

Erdbeben in Nepal (Tag 6 & 7)

Namaste,

nachdem das 11 köpfige Ärzteteam, versorgt mit Medikamenten durch Back to Life, nach Sindhupalchowk losgeflogen ist (den Helikopter hat die Regierung zur Verfügung gestellt, nur Ärzte dürfen mitfliegen, damit jedes freie Kilo mit Medikamenten oder medizinischem Gerät belegt werden kann), haben sich unsere Projektleiter auf den Weg in das zerstörte Sankhu gemacht. Eigentlich liegt die Ortschaft nur 16 km außerhalb der Hauptstadt im Seitenausläufer des Kathmandu Tals und ist unter normalen Umständen schnell erreichbar, jetzt ist es eine Fahrt durch völlig zerstörte Ortschaften, im alten Bazaar von Sankhu seien 90% der Häuser zu Schutt zerfallen, viele Verletzte und Tote zu beklagen.

Ihr Ziel war das Krankenhaus Sushma Koirala Memorial Hospital Nepal (SKMH), das auf
Verbrennungen, Spaltoperationen und Fehlbildungen spezialisiert ist und eine hervorragende Arbeit und großen Dienst für die verarmte Bevölkerung Nepals leistet. Viel Zeit haben wir in den vergangenen Jahren hier verbracht, weil wir immer wieder unsere Patienten im SKMH unterbringen, so wie unsere Khushi, Anil, Savita, Bhim... und andere.

Besonders jetzt stellt das intakt gebliebene Krankenhaus für die schwer getroffenen Dorfbewohner und Menschen in der Umgebung die einzige Hoffnung dar, es ist überfüllt mit Verletzten und die Ärzte sowie das gesamte Pflegepersonal leisten Arbeit im Akkord. Unsere Projektleiter erkundigten sich, welche Hilfe das Krankenhaus jetzt sofort am dringendsten benötige und sie erhielten eine Medikamentenliste. Zurück in Kathmandu besorgte unser Team alles Notwendige (es gibt noch Medikamente und Dinge des medizinischen Bedarfs zu kaufen) und lieferten die gefüllten Kartons so schnell wie möglich dem SKMH (siehe die ersten sechs Bilder der Galerie).

Das SWC (Social Welfare Council), das in ‚normalen Zeiten’ sämtliche Hilfsprojekte genehmigt, koordiniert, prüft und abnimmt, hat gestern eine Sitzung aller internationalen Hilfsorganisationen einberufen, an der auch Back to Life teilnahm. Ziel war, gemeinsam Informationen zu sammeln und zu bündeln, die nächstmöglichen Einsatzgebiete zu identifizieren und festzulegen, wer sie wie erreichen kann, um eine besser koordinierte Nothilfe einzuleiten unter Berücksichtigung aller gemeinsam vorhandenen Ressourcen wie Manpower, Hilfsgüter und medizinischen Materialien sowie Infrastruktur.

Ein großer Teil der unter freiem Himmel lagernden Bevölkerung hat die Hauptstadt nun verlassen, die Regierung hat sie darin bestärkt und dazu aufgefordert, um die ansonsten drohende Seuchengefahr einzudämmen. Alle nur möglichen Busse werden dafür eingesetzt, auch Schulbusse. Diejenigen, die außerhalb Kathmandus einen Anlaufpunkt haben, strömen aus der Stadt, doch viele Menschen leben immer noch unter freiem Himmel. Die Nachbeben sind geringer und seltener geworden, deshalb wurde dazu aufgerufen, wieder in die Häuser zurückzukehren, insofern sie bewohnbar erscheinen, da die Angst vor Infektionskrankheiten durch die mangelnde Hygiene groß ist.

Anbei einige aktuelle Fotos, die unser Team aus Kathmandu übermittelt hat. Saurav, ein junger Nepali, der ansonsten unsere laufende Projektarbeit dokumentiert, zeigt nochmal eindringlich die Bedingungen, unter denen die Menschen jetzt bereits seit 7 Tagen und 6 Nächten überleben müssen, sowie die Hilfspunkte, die an vielen Punkten der Stadt für die Bevölkerung im Zuge der Katastrophenhilfe eingerichtet wurden. Bilder von Schwerverletzten, sowie die Situation um die Krankenhäuser zeigen wir nicht, da genügend Bilder im Netz existieren, die das dokumentieren und es sowieso ein schmaler Grad ist, die Würde der Notleidenden zu wahren, doch gleichzeitig ihre Not aufzuzeigen, um dringend notwendige Hilfe für sie zu generieren.

Ich danke Euch von Herzen für Eure Anteilnahme und Mithilfe, die für die Nepalis unendlich wichtig ist. Natürlich werden mein Team und ich weiter berichten, zur Zeit geht das leider nur in Kürze, weil einfach zu viel zu tun ist und der Kontakt nach Nepal an erster Stelle steht..

Bis bald, Eure Stella

P.S.: Die Fotos können derzeit auf Facebook aufgerufen werden und erfordern kein Login: https://www.facebook.com/media/set/?set=a.10153881768878677.1073741898.269492713676&type=1