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05.05.2015

Erdbeben in Nepal (Tag 8, 9 &10 – Teil 1)

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Namaste liebe Freunde Nepals,

von unserem Projektgebiet Chitwan im Süden Nepals zeichnet unser Projektteam ein täglich klareres Bild von den entstandenen Schäden. Auch in Chitwan haben wir, ebenso wie in der Bergregion Mugu, kein Menschenleben zu beklagen. Es erscheint mir wie ein Wunder bei all der sichtbaren Zerstörung. Mit tiefer Dankbarkeit kann ich also den Paten der von uns unterstützten Schulen sowie Schulkinder vermelden, dass die Jungen und Mädchen mit ihrem Leben davongekommen sind. Die Häuser können wir wieder aufbauen und Nothilfepakete, bestehend aus Nahrungsmitteln Kochgeschirr, Decken, Plastikplanen, Trinkwasser u.v.m, werden von unserem Team seit dem ersten Tag nach dem Beben gezielt an die Familien ausgegeben, die alles verloren haben.

Die Siedlungen im Hügelland Chitwans liegen weit verstreut, oft stehen die Hütten und Häuschen einzeln, wir haben es also nicht mit geschlossenen Dorfverbänden zu tun, wo die Häuser dicht an dicht stehen. Deshalb dauert auch die Bestandsaufnahme länger, weil jeder Hügel abgelaufen werden muss. Bis jetzt wissen wir von ca. 20 völlig zerstörten Häusern aus Stein. Unsere Hilfe für diese Familien, circa 120 Menschen, ist bereits in den vergangenen Tagen erfolgt. Diesen wurde alles genommen, unter den Schuttbergen ihrer Häuser sind auch ihr Vieh sowie das Saatgut für die nächste Aussaat begraben. Es wird für viele Nepalis keine nächste Ernte geben! Selbstverständlich wird Back to Life ihnen helfen, den Ackerbau aufrecht zu erhalten. Das ist überlebenswichtig für das ganze Land!

Gleichzeitig informiert das Back-to-Life-Team die Bevölkerung darüber, dass Hygiene überlebenswichtig ist. Wie gut, dass wir mit unseren Projekten in Chitwan schon fortgeschritten sind und die Bewohner unserer Projektdörfer davon bereits durch unsere Trainings und Workshops Kenntnis besitzen. Insbesondere die Schulkinder sind über die Wichtigkeit des Händewaschens und sauberen Wassers aufgeklärt. Das wird bestimmt viele Familien vor Durchfall, der jetzt todbringend sein kann, retten.

Seit 2010 bieten wir unsere ‚Hilfe zur Selbsthilfe’ einem ehemaligen Naturvolk in Chitwan an, das bis in die vorherige Generation sein Dasein tief in den Wäldern, abseits der Gesellschaft mit Jagen, Fallenstellen und Fischen bestritten hat. Dieses mussten sie abrupt beenden, weil das Gebiet in einen Nationalpark umgewandelt wurde. Die Frauen, Männer und Kinder wurden in den Hügeln am Wald (Dschungel) zwangsangesiedelt und erhielten kleine Pachtzellen. Fortan sollten sie von der Landwirtschaft leben, doch die Familien hatten keinerlei Kenntnis wie man diese betreibt. Außerdem konnte keiner Lesen oder Schreiben und sie waren nicht im Entferntesten gerüstet, ihren Platz in der Gesellschaft einzunehmen. Also verfielen sie in bittere Armut und Hoffnungslosigkeit. Unsere Projekte änderten ihr Dasein und ihre Möglichkeiten sichtbar, es gelang uns in wenigen Jahren, die Erwachsenen mit Ackerbau und Viehzucht vertraut zu machen, so dass sich jede teilnehmende Familie ein Einkommen erarbeiten konnte. Zuvor war ihre einzige Chance, sich als billige Hilfsarbeiter zu verdingen. Durch Mikrokredite erarbeiteten sich die Familien die Chance, sich langfristig und über das Jahr ernähren zu können sowie auf eigenen Füßen zu stehen und vor allem: ihre Kinder in die Schule zu senden.

Es ist wichtig, dass ihre junge Generation alphabetisiert ist sowie eine Grundbildung erfährt, um für das Leben inmitten der Gesellschaft gerüstet zu sein und ihren Volksstamm dauerhaft aus dem Elend zu halten. Durch unsere Paten können wir insbesondere 360 Mädchen direkt fördern, die ansonsten niemals die Chance auf Bildung erhalten hätten. Unsere Schulpaten unterstützen uns dabei, sieben staatliche Schulen durch Renovierungen, Schulmobiliar, Lern- und Lehrmittel, Trainings und Workshops sowie zusätzliche Lehrkräfte und medizinische Grundversorgung auszustatten, damit diese Kinder eine echte Chance erhalten. Insgesamt verhelfen wir damit 2.900 Kindern in Chitwan zur wichtigen Schulbildung. Früher besuchten sie diese armutsbedingt nur unregelmäßig und den Schulen selbst mangelte es an Allem, um effizienten Unterricht bieten zu können.

Die Schule in Thakaltar wurde durch das Nachbeben am Sonntag beschädigt und wir sagten bereits zu, diese sobald wie möglich instand zu setzen. Die durch Back to Life gebaute Kindertagesstätte hat den Beben ohne Schäden getrotzt und wir sind sehr erleichtert darüber. Gerade in dieser schweren Zeit ist ein Rückzugsort für die traumatisierten Kinder notwendig, an dem sie mit Liebe aufgefangen werden können und abseits aller Tragödien spielen und Kind sein dürfen. Gerade jetzt brauchen sie Momente der Fröhlichkeit und die Möglichkeit zu lachen. Denn aus jedem Lachen erklingt neue Hoffnung. Wir werden sobald wie möglich Programme für die Kinder laufen lassen, um ihre seelischen Schmerzen aufzufangen und sie damit nicht allein zu lassen. Es ist ganz wichtig, dass unsere regulären Projektaktivitäten trotz Erdbebens weiterlaufen.

Zum Glück leben die meisten Chepangs (so heißt das ehemalige Naturvolk) in Holzhüttchen, primitiv gebaut, die nicht verfugt sind, durch sie ziehen Wind, die Hitze sowie die Kälte ungebremst hindurch und auch Ungeziefer findet leicht seinen Weg hinein. Jeder träumte von einem Steinhaus, manche hatten sich diesen bereits erfüllt. Doch bei dem Erdbeben erwiesen sich die Holzhütten als Lebensretter, deshalb gab es wohl auch in unseren Projektdörfern keine Toten zu beklagen.

Wir werden Sie in der kommenden Zeit natürlich auf dem Laufenden halten, was wir wie und wann mit den Betroffenen wieder aufbauen. Im Moment liegt der Fokus ganz klar auf dem Überleben dieser tragischen Katastrophe und dass keine Seuchen, Krankheiten oder Durchfall ausbrechen. Das gilt für das ganze Land. Die vom Erdbeben Betroffenen sind sehr geschwächt, viele haben in der vergangenen Woche weder genügend Wasser noch Nahrung zu sich genommen und sind von Angst, Schlaflosigkeit und den Bedingungen unter den Zeltplanen, ausgezehrt. Der Monsun naht in Riesenschritten, vorher müssen diejenigen ohne Dach über dem Kopf sicher untergebracht werden, so dass sie die Wassermassen der Regenzeit schadlos überstehen können.

Ich möchte gleichzeitig nochmals ein Riesenlob und meine ganze Anerkennung für unser Back-to-Life Team in Nepal aussprechen. Das sind alles Nepalis, deren Familien ebenso von der Bebenkatastrophe betroffen sind. Meine ganze Hochachtung gilt ihnen.

Bitte helfen Sie uns vor Ort zu helfen.

Mit einer Projektpatenschaft Nepal, egal zu welchem Betrag, können Sie langfristig, regelmäßig und direkt helfen.

Bis bald, bitte bleiben Sie verbunden, Ihre Stella