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08.05.2015

Erdbeben in Nepal - Woche 2 - Hilfe in Sindhupalchok - Teil 2

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Unsere Projektleiter Dikendra und Achyut folgten dem Ärtzeteam nach Sindhupalchok als ein paar Tage später die Wege freigeräumt waren und Hilfsgüter nun endlich ihr Ziel finden. Sie sahen das Ausmaß an Zerstörung in diesem ländlichen Gebiet Nepals mit eigenen Augen und ihr Entsetzen wuchs mit jedem Meter auf der holprigen Piste. 90% der Häuser dieser Bergdörfer sind Schutthaufen, die einfache Bauweise der lehmverfugten Steinhäuser haben den Erschütterungen der Erdplatten nicht standhalten können. Ganze Bergkuppen sind nur noch Geröllhalden und Täler verschüttet von Erdrutschen, die Siedlungen auf ihrem Weg in die Tiefe rissen. Auch wichtige Verbindungswege zwischen den Dörfern sowie Hängebrücken sind zerstört. Jeder Überlebende hat hier Tote zu beklagen, von ganzen Familien sind jetzt manchmal nur ein oder zwei Personen übrig, oft die Kinder.

 


Die Dorfbewohner hatten nur die bloßen Hände zur Verfügung, um ihre Toten auszugraben. Nach Hindu-Tradition müssen diese verbrannt werden sonst gibt es keine Erlösung, einfach ausgedrückt. Es braucht viel Holz in dicken Scheiten, um einen Körper zu verbrennen. Wir sprechen von Dutzenden bis hin zu Hundert Toten pro Dorf, Holz auf Vorrat gibt es dort nicht.  Auch damit waren sie auf sich gestellt, obdachlos, hungrig, durstig, verletzt... 5 Tage lang bis Hilfe kam. Diese versucht ihre direkte Not zu beantworten durch medizinische Behandlungen, Nahrung und Plastikplanen.

Die Menschen haben nicht nur ihre nächsten Angehörigen, sondern auch ihr Vieh und ihr Saatgut verloren, ihre gesamte Lebensgrundlage ist verschüttet oder erschlagen worden. Wer Saatgut in den Trümmern findet, wird es wahrscheinlich essen. In Bergdörfern gibt es kein Trinkwasser aus der Leitung. Die Bergbewohner müssen bis zur nächsten Wasserquelle laufen und das kostbare Gut in Kanistern nach Hause tragen, Tag für Tag. Normalerweise ist das die Aufgabe der Frauen und Kinder. Dasselbe geschieht mit dem Holz, das offene Feuer ist immer noch für viele in Nepal die einzige Licht-, Koch- und Wärmequelle, ganz wie im Mittelalter.
Durch das Beben und die unzähligen Nachbeben sind die Bergpfade und Wege aber verschüttet und es ist lebensgefährlich, Holz zu schlagen oder Wasser zu holen.

 



Dikendra beschreibt, wie die Überlebenden nun unter Bäumen oder mitten auf ihren Feldern lagern ohne Schutz vor dem Wetter, dem Regen und der Kälte. Entkräftete Menschen, die alles verloren haben. Seit fast 2 Wochen sind sie nicht richtig ernährt.
Dikendra hörte, wie ein Kind seine Mutter nach gekochtem Essen fragte, nach Dal und Reis und sie antwortete: „Das geht nicht, ich kann bei dem Regen kein Feuer machen!“

Die Seuchen- und Infektionsgefahr ist durch die Umstände riesig. Dringend müssen einfache Toiletten gebaut werden und Aufklärung über Hygiene und den Zusammenhang mit Durchfall und anderen Krankheiten stattfinden, die jeden erreicht, damit weitere Opfer verhindert werden. Die Leute brauchen Wasserreinigungstabletten und Zelte sowie Koch- und einfaches Essgeschirr.

Dikendra brachte 32 Zelte und Plastikmatten mit einem Truck in die Gegend, ein Freund seinerseits hat diese durch eine Aktion für die Erdbebenopfer spenden können.

 


Es ist nur ein Tropfen in den Ozean so scheint es, doch für die Überlebenden bieten selbstkonstruierte Zelte ein wenig Schutz in dieser harschen Bergregion. Vor dem Monsun müssen die Menschen damit versorgt sein sonst beginnt ein verzweifelter Ansturm auf die Hauptstadt, die aber weder Arbeit, noch Wohnraum zu bieten hat.

Wir haben in Chitwan bereits Überlebenspakete ausgegeben, die Grundnahrungsmittel, Kochgeschirr, Decken, Plastikplanen u.a. beinhalten. Pro Paket müssen wir mit 120-150 Euro rechnen, die Güter finden wir über die örtlichen Händler in Kathmandu. Die Not vor Augen ist es unser dringender Wunsch, solche Überlebenspakete den am schwersten Betroffenen zukommen zu lassen, die Hilfe bisher nicht erreichten. Laut aktuellen Schätzungen sind in Nepal insgesamt fast 300.000 Häuser völlig zerstört und 250.000 beschädigt, die meisten Schäden sind in Bergregionen zu beklagen.

 


Bitte helfen Sie tatkräftig durch eine Spende mit oder reichen Sie den Nepalis Ihre Hand durch eine Projektpatenschaft, den Betrag können Sie frei wählen, mit dem Sie den Aufbau unterstützen möchten.

Namaste und bis bald, Ihre Stella