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23.03.2012

Hoffentlich können wir Saruli retten (Teil 1)

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Ein Bericht von Tara Stella Deetjen

Saruli ist ein elfjähriges Mädchen aus einem unserer neuen Projektdörfer hoch in den Bergen der völlig abgeschnittenen Region Mugus.
Neben 4 Brüdern ist sie die Jüngste der Familie. Sie sind Dalits (‘Unberührbare’) und leben in Armut sowie unter sehr harten Lebensbedingungen: das kleine Feld, das sie bewirtschaften, gibt trotz harter Knochenarbeit nur eine Ernte im Jahr her, der Ertrag reicht der Familie nur für circa 3 Monate. Außerdem besitzen sie noch einen Ochsen und eine Kuh, die sie für die Landwirtschaft einsetzen. In den übrigen Monaten verdienen alle Familienmitglieder Geld durch Tagelohn: auf Baustellen, für das Lastenschleppen, etc.

Saruli Nepali besucht die 5. Klasse in ihrer Dorfschule, worauf sie sehr stolz ist, auch wenn sie nicht wirklich jeden Tag zum Unterricht gehen kann, denn oft hat sie zu viel Arbeit zu verrichten. Die Aufgaben sind hart für ein so junges Mädchen: Holz schlagen und über weite Wege nach Hause tragen, Wasser holen, die Nutztiere versorgen oder zur Futtersuche in die Berghänge begleiten, Feldarbeit und Hausarbeit..

Am 6. Dezember 2011 ändert sich das Leben für Saruli und ihre Familie auf tragische Weise: Das Mädchen erleidet einen furchtbaren Unfall, der ihren halben Körper verbrennt. Saruli hat spielerisch einen Saree ihrer Mutter, das sind 4,5 Meter Stoff um den Leib gewickelt. Da die Bergbewohner bisher nur Feuer als Licht-, Koch- und Heizquelle haben, brennt noch in jedem Haus ein offenes Feuer in der Mitte des rußgeschwärzten Zimmers, das stets voller Qualm steht. Sarulis Kleidung fing Feuer wie eine Fackel und sie konnte den Saree nicht schnell genug ausziehen, die untere Körperhälfte stand in Flammen.

Nachdem es der Familie gelungen war, das Feuer zu löschen, war die unmittelbare Not riesig, alle hatten Angst um Sarulis Leben, doch des Nachts in völliger Dunkelheit können sie nirgendwo hin. Einen Arzt gibt es weit und breit nicht.

Am nächsten Tag, dem 7.12., packten mehrere Dorfbewohner das verbrannte Mädchen und trugen sie nach Gamgadhi, da sich dort das einzige Krankenhaus für die 45.000 Menschen Mugus befindet. Doch leider waren die Strapazen des Marsches, die Schmerzen und Mühen umsonst, da dort wie stets kein Doktor anwesend war und auch keine Medizin vorhanden. Das ‘medizinische Personal’ wies die Familie an, umgehend ins Tiefland zu fliegen, damit das Mädchen dort operiert werden könne, sonst müsse sie sterben. Aber für die verarmte Familie ist es utopisch, aus Mugu auszufliegen. Die Eltern können außerdem nicht Lesen oder Schreiben und kämen nur schwer zu recht im ‘Rest von Nepal’.

Also machten sie sich niedergeschlagen und hoffnungslos auf den Weg zurück ins Dorf.

Am 8.12. hörte Nilkantha, unser Projektassistent in Mugu von Sarulis Schicksal und beschloß, unser Büro in Kathmandu von dem medizinischen Notfall zu berichten. Dikendra, Achyut und ich entschieden umgehend, dass die Kleine samt Familienmitglied auf Kosten von Back to Life so schnell wie möglich ausgeflogen wird und wir uns um die medizinische Not- sowie die Weiterbehandlung in Kathmandu kümmern werden. Wir haben ja bereits Erfahrungen mit Khushi und Anil gesammelt und wissen, wen wir ansprechen müssen für die notwendigen Behandlungen.

Am nächsten Tag, am 9.12. informierte Nilkantha den Vater Sarulis, dass Back to Life das Mädchen voll unterstützten wird.

Leider wurde der näher gelegene Thalsa-Airstrip, eine in die Berge gehauene Landebahn, vor 5 Tagen wegen Schnee und Eis geschlossen, das Landen auf den Schotterpiste war zu gefährlich ohne ausreichend gute Sicht.
Also blieb nur der lange Weg nach Jumla, in die Nachbarregion Mugus, über hohe und zum Teil schneebedeckte Pässe, um von dort ins Tiefland zu fliegen. Jumla hat eine geteerte Landebahn und ist daher anfliegbar.
Sarulis Vater organisierte sieben weitere Männer, die den weiten Weg auf sich nahmen, um Saruli abwechselnd zu tragen.

Am 10.12. ging es zu frühester Stunde los. Mahendra, einer unserer Mitarbeiter in Mugu, begleitete die Gruppe. Er brachte auch eine Krankenbahre mit, damit Saruli liegend transportiert werden konnte, was sich in Anbetracht der steinigen und steilen Bergwege äußerst schwierig gestaltete, da es bergauf, bergab auf den kleinen ausgetretenen Trampelpfaden der Viehtreiber über Stock und Stein ging. Ihre Schmerzen bei jedem Schritt, bei jeder Bewegung.... waren unvorstellbar.
Der höchste Pass auf dem Weg nach Jumla ist ca. 4.100 Meter hoch, das ist schon fit und unverletzt mehr als beschwerlich. Sie liefen bis in die Dunkelheit hinein, um einen möglichst weiten Weg hinter sich zu bringen, des Nachts kamen sie in einer der wenigen kleinen Bergsiedlungen des Weges unter.
Das arme, arme Mädchen, morgen würde es nicht einfacher werden. Die Zeit drängte.

Nach einem ganzen langen Tag des Laufens, Kletterns und Durchhaltens, kam die Gruppe abends am 11.12. in Jumla an. Mahendra, unser Mitarbeiter, der Saruli während des gesamten Weges begleitet hat, holte gleich Informationen über Flüge ein, doch die Nachrichten waren niederschmetternd. Seit ein paar Tagen war keine Maschine gelandet und wegen des schlechten Wetters noch nicht einmal ein Helikopter. Mahendra organisierte Unterkünfte für die Nacht. Erneut eine Nacht voll nicht enden wollender Schmerzen für Saruli.

Bereits früh ging die Gruppe zur Flugpiste, Saruli lag auf der Krankenbahre am Boden und hoffte nur noch, dass bald ein rettendes Flugzeug käme. Doch keine einzige Maschine landete am 12.2. in Jumla.

Einen Tag später, am 13.12. wartete Saruli noch immer liegend an der Landebahn als endlich eine Twin-Otter ankommt. Doch - unglaublich aber wahr - die Fluggesellschaft weigerte sich, die schwerverletzte Saruli mitzunehmen, da sie nicht richtig sitzen konnte, weil beide Beine großflächig verbrannt waren.
Außerdem warteten andere darauf, mitzufliegen. Das war wirklich unmenschlich und allen, Saruli, ihrem Vater, unserem Mitarbeitern standen in Abetracht dieser Herzlosigkeit die Tränen in den Augen.

Am Mittwoch, den 14.12. gelang es Mahendra durch seine Hartnäckigkeit und beständiges Nachfragen, Flugtickets zu ergattern. Wir kauften nun eine ganze Sitzreihe für Saruli, so dass sie liegend fliegen konnte. Dies war die einzige Chance sie aus den Bergen zu bringen. Wenn das Wetter gnädig ist, könnte sie morgen endlich ausfliegen, am 9. Tag nach ihrem Unfall. Ihre Wunden stanken bereits.
Vor lauter Aufregung verbrachten sie und ihr Vater eine unruhige Nacht, Saruli war hin- und hergerissen zwischen Angst und Erleichterung, zwischen Schmerz und Hoffnung.

Am 15.12. war auch unser Büro in Kathmandu in heller Aufregung und fieberte mit: Wird heute ein Flugzeug nach Jumla fliegen oder nicht? Die Stunden vergingen, doch bis mittags noch keine Nachricht. Dikendra und Achyut hatten in den vergangenen Tagen bereits alle notwendigen Gespräche mit den beiden Krankenhäusern geführt und die Kleine angemeldet sowie sämtliche Vorkehrungen getroffen. Wir alle hofften sehr, dass sie nun schnell nach Kathmandu kommen kann. Um 14.30 kam dann der erlösende Anruf aus Jumla durch (ist nicht so einfach mit dem Telefonieren aus den Bergen), Saruli lande um 16 Uhr in Kathmandu.

Als Dikendra und Achyut das Mädchen am Flughafen in Empfang nahmen, weinte sie Tränen der Erleichterung, der Hoffnung und der Dankbarkeit. Unsere beiden Projektmanager waren sehr berührt und dabei sehr herzlich und liebenswürdig zu Saruli und strahlten Zuversicht aus. Auch dem Vater liefen Tränen über die Wangen.



Um 17 Uhr lag Saruli bereits im Patan Hospital in einem Krankenbett mit Drahtgestell, so dass die Decken die Haut nicht unnötig berühren. Die Wundversorgung konnte nur unter Vollnarkose vorgenommen werden. Das Krankenhaus hat eine spezielle Abteilung für Verbrennungsopfer, die auf deren Erstbehandlung spezialisiert ist. Wenn erst mal die Wunden gesäubert und versorgt sowie die Stoffreste aus dem Fleisch entfernt sind, dann kann sie ins‘Koirala Memorial Hospital’ (‘Shanku’) wechseln, das auf Wiederherstellungschirurgie spezialisiert ist.

 


In Patan nahmen sie ihr sofort Blut ab und leiteten alle notwendigen Labortests ein, damit sie gleich am nächsten Tag operiert werden konnte.

Fortsetzung folgt....

HELP ???!! Sie wollen helfen? Ja, bitte! Saruli hat noch einen langen harten und schmerzhaften Weg vor sich und der Ausgang ihres Schicksals ist noch ungewiß, auch wenn jetzt die Weichen auf ‘Chance’ gestellt sind. Back to Life wird sich von nun an um ihre weitere medizinische Behandlung kümmern. Indem Sie eine Patenschaft für Saruli übernehmen, können Sie sie unterstützen und begleiten, ihr die Hand zur Hilfe reichen.

Kontaktieren Sie hierzu unser Büro in Bad Homburg oder nutzen Sie die verschiedenen Spendenmöglichkeiten (Verwendungszweck: "Nepal-Medizinische Betreuung") auf unserer Homepage.