Aktuelles

29.10.2013

Live aus Chitwan!

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Vorgestern sind wir am frühen Morgen in Kathmandu aufgebrochen, um nach Chitwan zu einem “field visit” zu fahren. Chitwan liegt im Süden Nepals und bei der Abfahrt weiß man nie genau, wie lange die Reise dauert, denn der Kathmandu Highway (Mahendra Highway, die einzige “Autobahn” in Nepal) gilt als eine der gefährlichsten Strassen weltweit, weil er sich ohne Tunnel in halsbrecherischen Kurven bergauf, bergab durch das bergige Land schlängelt und viel befahren ist, vor allem von altersschwachen, durch Ueberbeladung ächzenden Lastwagen und Bussen. Oft kommt es zu stundenlangen Blockaden wie Staus oder Unfällen, man sieht auch durchaus abgestürzte Fahrzeuge im Tal oder grosse Felsbrocken, die durch Steinschlag auf der Fahrbahn liegengeblieben sind. Dieses Mal haben wir Glück gehabt und haben die 185 km mit dem gemieteten Jeep in nur schlappen 5 Stunden Fahrtzeit geschafft, das sind immerhin 37 km/h - ohne Probleme.

 



Gestern sind wir dann mit unserem Team vor Ort in unserem Projektbüro zusammengetroffen und nach diversen Besprechungen ging es dann los nach Dhamili, um dort unsere Schulmädchen zu besuchen und den Fortschritt des Projektes dort zu sichten. Dhamili liegt in den Hügeln Chitwans, im “jungle” (Wald) wie man hier sagt. Der Jeep brachte uns so weit wie er den Waldweg passieren konnte, da wir mittlerweile mehr Teammitglieder waren als ins Auto passten, saßen einige auf dem Dachgepäckträger. Den Rest des Weges legten wir dann zu Fuss zurück durch die dichte Vegetation, vorbei an Termitenhügeln und verwurzelten Bäumen.

Nach knapp 45 Minuten erreichten wir bereits die Schule, die Back to Life seit 3 Jahren unterstützt. Die Kinder begrüßten uns lautstark sowie herzlich, ihre fröhlichen Gesichter und ihr glückliches Lachen machte mich froh. Über und über schmückten sie mich mit Blumenketten als “Willkommen”. Von den 317 Mädchen, die durch die Patenschaften eine Schulausbildung bekommen, gehen 33 in diese Schule.


Die Bewohner der Hügel um die Dhamili Schule sind ein ehemaliges Naturvolk, die früher in den tiefen Wäldern Chitwans vom Jagen, Wurzelsammeln und Fischen in den Flüssen fernab jeder Zivilisation existierten. Als die Wälder unter nationalen Schutz gestellt wurden, mussten diese Menschen ihr angestammtes Gebiet verlassen und sich hier ansiedeln. Sie stürzten ab in die Hoffnungslosigkeit und in bittere Armut, da sie nicht gelernt hatten, in der Zivilisation oder z.B. von der Landwirtschaft zu leben. Außerdem konnten sie natürlich auch nicht lesen oder schreiben. Sie bauten sich notdürftige, armselige Holzhütten, die sie auch heute noch bewohnen. Für die Erwachsenen haben wir vielfältige Programme zur Landwirtschaft, Einkommensgewinnung sowie Mikrokredite geschaffen, die ihnen ermöglichen, ihre Familien durchzubringen und ihre Kinder von der täglichen Arbeit für eine regelmäßige Schulausbildung zu befreien...

Als Erstes widmeten wir uns der Kindertagesstätte, die wir vor 2 Jahren gebaut und eingerichtet haben, damit die Kleinsten der Familien untergebracht sind und so deren Schwestern überhaupt die Schule besuchen können, denn bisher war es ihre tägliche Pflicht, auf ihre Geschwister aufzupassen, weil die Mütter mit Feldarbeit oder Tagelöhnerjobs zu beschäftigt sind, Geld für die Familie zu erarbeiten.

Die von uns eingestellte Vorschullehrerin kümmert sich liebevoll um die Kinder, sie spielt und singt mit ihnen und wir haben den Raum mit genügend Spielzeug ausgestattet, so dass jedes Kind sich wunderbar beschäftigen kann. Außerdem bereitet sie die Kinder kreativ auf den irgendwann folgenden Schulbeginn vor.


Um 13 Uhr schlug dann ein Junge die Schulglocke, die das Mittagessen ankündigte. Bisher haben diese Kinder meist mit leerem Magen die Schule besucht und durch die Armut der Familien konnten sie sich auch keine Mahlzeit mitnehmen. So haben wir eine kleine Küche eingerichtet und versorgen nun alle Kinder (hier in dieser Schule sind es 97), auch die nicht von uns gesponsorten, mit einer warmen Mahlzeit -meistens die Einzige des Tages.

Erst kamen die Allerkleinsten an die Reihe, dann ging es klassenweise aufwärts, bis alle Jungen und Mädchen der Klassen 1-4 glücklich vor ihren dampfenden Tellern sitzen. Es hat mich sehr berührt, zu sehen, wie dankbar sie alles bis zum letzten Krümmel mit ihren kleinen Fingern vom Teller kratzten. Ohne diese regelmäßige Mahlzeit konnten die Schüler früher oft nicht einen ganzen Schultag durchhalten. Danach versammelte sich die kleine Hundertschaft vor der Wasserstelle und jeder säuberte seinen Teller und stellte ihn zurück.

 
Die Mittagspause dauerte eine Stunde, die Kinder nutzten die Zeit, um Fussball zu spielen oder Seil zu hüpfen und der Hügel war erfüllt von Kinderlachen, fröhlichen Rufen und Leben. Wir mixten uns unter sie und spielten mit ihnen, ich weiss gar nicht, wer mehr Spass daran hatte, die Kinder oder unsere Projektmanager, die das sehr genossen, weil sie so oft mit ganz anderen, nämlich administrativen, organisatorischen und bürokratischen Dingen beschäftigt sind…

 

 
Um 14 Uhr ging der Unterricht weiter. Ich sprach mit den einzelnen Lehrern, die alle so dankbar für die Unterstützung ihrer Schule sind, denn so erhielten sie gutes Lern- und Lehrmaterial und können einen ganz anderen und viel besseren Unterricht gestalten. Unser Dank geht da sofort an die Paten, die diese Hilfe möglich machen. Die Schüler sitzen auf Bänken, haben Schultische, Hefte, Schulranzen, Stifte und alle Bücher, die sie brauchen. Das ist etwas ganz Besonderes und Kostbares in einem so armen Land wie Nepal.



Viel zu schnell ging die Zeit vorbei und um 16 Uhr wurde die Schulglocke erneut geschlagen, Ende des Unterrichts. Die Kinder strömten nach draußen und machten sich auf den Heimweg durch die Hügel, manche laufen bis zu 2 Stunden bergab, bergauf über die Hügel.

Es gibt noch viel mehr zu berichten, alles weitere in unserem in Kürze erscheinenden Newsletter, da wir auch in Chitwan mit den üblichen nepalesischen Stromausfällen (Rationierung) zu kämpfen haben. Jetzt sitzen wir gerade mit Strom in unserem Büro in Chitwan und Achyut, Dikendra und ich sind sehr glücklich über die guten und sichtbaren Resultate dieses Projektes und der Arbeit unseres Teams. Die Schulmädchen wiederum senden ihr “Namaste” an ihre Paten und bedanken sich fuer die grossartige und wichtige Unterstützung.

Weitere Bilder zu unserem aktuellen Projektbesuch finden Sie HIER auf unserer Facebookseite. Weitere folgen in den nächsten Tagen.

Namaste, Eure Stella.