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03.02.2012

Rahuls neues Leben in Kathmandu

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Liebe Freunde von Back to Life,

wir möchten Ihnen heute erneut von Rahul und seinem neuen Lebensabschnitt berichten.

Rahul (22 Jahre) ist unser Ältester, aus den Kinderheimen in Indien und kämpfte einst bettelnd in den Straßen von Benares um sein tägliches Überleben, bevor er ab 1996 unter unserer Obhut behütet heranwachsen konnte. Rahul schloss nicht nur seine Schulausbildung erfolgreich ab, sondern absolvierte anschließend zusätzlich ein Deutsch- und EDV-Studium an der Benares Hindu Universität. Er ist damit ein großes Vorbild für die jüngeren Kinder in unserem Kinderheim, die durch ihren „großen Bruder“ selbst erleben können, wie sie ihr Leben durch viel Fleiß und Ehrgeiz selbst bestimmen können.

Mit dem abgeschlossenen Studium war Rahuls Wissensdurst allerdings noch lange nicht gestillt. Er folgte Stella nach Kathmandu, der Hauptstadt Nepals, um dort am Goethe-Institut in einem zunächst einjährigen Aufbaustudium seine Deutschkenntnisse weiter zu vertiefen.

 

Das erste Semester in Kathmandu liegt nun hinter ihm und wir haben ihn zu seinen Eindrücken und Erfahrungen befragt:


Rahul, du bist jetzt seit etwa einem halben Jahr in Nepal. Wie geht und gefällt es dir?

Mir geht es sehr gut und in Kathmandu zu leben ist sehr interessant und aufregend für mich. Etwas ganz Neues. Die Stadt ist umgeben von wunderschönen Bergen, an klaren Tagen sieht man die Gipfel des Himalayas. Außerdem ist Nepal ein sehr friedliches Land und die Nepalis sind sehr höfliche und freundliche Menschen. Gerade gegenüber Besuchern sind sie sehr hilfsbereit. Außerdem mag ich es, dass die Nepalis modernere Kleidung tragen, besonders die Jüngeren Leute.

Rahul im Goethe-Institut in Kathmandu


Was sind für dich die größten Unterschiede zwischen Nepal und Indien bzw. Kathmandu und Benares?

Da gibt es natürlich eine Menge Unterschiede, angefangen von der unterschiedlichen Größe der beiden Länder, der Infrastruktur und den Religionen. Benares ist sehr hinduistisch geprägt, in Kathmandu findet man auch eine Vielzahl buddhistischer Tempel und Einflüsse. In Indien gibt es viele Eisenbahnstrecken, in Nepal dagegen nicht, die Leute fahren hier mehr mit dem Bus.

Direkt aufgefallen ist mir außerdem, dass die Frauen in Kathmandu im Vergleich zu Benares mehr Rechte besitzen und eine andere Stellung haben. Sie arbeiten in Geschäften und in Büros und man wird nicht so kritisch beäugt, wenn man mit ihnen ins Gespräch kommt. Generell erscheint mir die nepalesische Gesellschaft offener und liberaler. Allerdings kann ich da nur für Kathmandu sprechen. Auf dem Land sieht die Situation höchstwahrscheinlich etwas anders aus.

Wie läuft es in deinem Studium?

Sehr gut. Ich mag es sehr, am Goethe-Institut zu studieren. Gerade im Bereich Grammatik konnte ich mich verbessern und studiere nun im Level B1. Die Lehrer sind sehr geduldig mit uns Studenten. Ab und zu machen wir sehr interessante Ausflüge mit unserer Deutsch-Klasse. Kürzlich sind wir zusammen nach Nargakot, in der Nähe von Kathmandu, gefahren, haben uns die Umgebung angesehen und zusammen ein Picknick veranstaltet. Während des gesamten Tages wurde dabei deutsch gesprochen, um Konversation zu trainieren.


Studienausflug mit seinen Studienkollegen nach Nargakot

Was macht du, wenn du nicht gerade im Goethe-Institut bist?

Nachmittags lerne ich oft zusammen mit einer Nachhilfelehrerin, um mein gesprochenes Deutsch zu verbessern. Danach erkunde ich meistens mit dem Fahrrad, das Stella mir gegeben hat, die verschiedenen Ecken von Kathmandu oder treffe mich mit Freunden, die ich im Goethe-Institut kennen gelernt habe. Abends gehen wir manchmal zusammen los und hören uns Live-Musik an, die viele Bands hier spielen. Je nach Bedarf helfe ich auch öfter im Back to Life-Büro, hier in Kathmandu aus. Zuletzt haben mich Dikendra und Achyut, die beiden Projektmanager von Back to Life, sogar zu einem der Projektdörfer in Chitwan mitgenommen, so dass ich die Projekte kennenlernen konnte.

Woher kommen deine Freunde?

Die meisten sind Nepalis und kommen aus anderen Regionen zum Studieren nach Kathmandu. Wir kennen uns nun ungefähr ein halbes Jahr und verstehen uns sehr gut und helfen uns gegenseitig beim Lernen.

Vermisst du Indien?

Manchmal. Vor Kurzem gab es in Kathmandu ein Erdbeben. So etwas hatte ich bisher noch nicht erlebt und ich habe mich ziemlich erschrocken. In diesen Tagen habe ich öfter an Benares gedacht. Vor Allem vermisse ich meine kleinen Schwestern und Brüder aus dem Kinderheim und freue mich sehr, wenn ich sie besuchen kann. Aber  ich studiere  sehr gerne hier in Kathmandu und freue mich, hier sein zu dürfen und so viele neue Erfahrungen zu sammeln, das wird mir bestimmt für meine Zukunft weiterhelfen.

Rahul beim Projektbesuch in Chitwan: Zunächst müssen die Schüler Rahul von ihren Rechenkünsten überzeugen (li.), danach gibt es die verdiente Belohnung - das täglich warme Mittagessen (re.).

 

Wir freuen uns sehr, dass Rahul sich in Kathmandu wohl fühlt und gute Fortschritte in seinem Studium macht und wünschen ihm weiterhin alles Gute für seine Zukunft.