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22.01.2016

Jede Hilfe kam zu spät: Schwangere aus Mugu stirbt kurz vor Krankenhausflug.

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„Es war der traurigste Tag meines ganzen Lebens. Warum hat der Tod nicht mich geholt anstatt diese junge Mutter und ihr unschuldiges Kind?“ Der alte Großvater brach in Tränen aus und hatte Mühe weiterzusprechen. Seine hochschwangere Schwiegertochter Rupa Kanya war erst vor wenigen Tagen noch an der Landepiste verstorben – 30 Minuten bevor das ersehnte Flugzeug eintraf, um sie ins Krankenhaus zu fliegen. Der stundenlange Überlebenskampf der tapferen Frau war umsonst gewesen. Auch ihr Ungeborenes war nicht mehr zu retten. 

„Am 8. Januar setzten bei Rupa die Wehen ein. Da es kein Geburtshaus in Gamtha gibt und Rupa nicht mehr laufen konnte, trugen sie sie nach Shreekot zu einem staatlichen Gesundheitscenter. Leider können sie dort aber keine Geburten durchführen. Und so wurden sie gleich wieder weggeschickt, da sofort klar war, dass Rupa dringend operiert werden musste. Das Baby hatte sich mit dem Kopf nach unten gedreht und seine Hand war bereits zu sehen. Die nächste Klinik ist aber in Nepalgunj, nur per Flugzeug zu erreichen und es war bereits Abend. Um zur Landepiste in Kolti zu kommen, von wo das Flugzeug Rupa nach Nepalgunj fliegen würde, wurde sie von mehreren Männern 12 Stunden lang durch das nächtliche Gebirge getragen. Am nächsten Morgen gelangten sie dann endlich zur Piste von Kolti. Rupa kämpfte um ihr Leben und rief unter großen Schmerzen immer wieder den Namen ihres 1,5 Jahre alten ersten Kindes aus: Bhupendra. Eine halbe Stunde bevor das Flugzeug schließlich landete, verließen sie ihre Kräfte und sie hörte auf zu atmen. Sie war erst 26.“

Die Verstorbene hinterlässt außer ihrem Sohn auch einen taubstummen, leicht zurückgebliebenen Ehemann, der auf Grund seiner Behinderung nicht einmal die traditionelle Begräbniszeremonie seiner geliebten Frau abhalten konnte. Sich um die Erziehung seines Sohnes zu kümmern, wird der Vater kaum in der Lage sein, auch weil ihm dazu jegliche Mittel fehlen. Somit ist Bhupendra zu einem „Sozialwaisen“ geworden, der zukünftig von den Großeltern aufgezogen werden wird. Back to Life wird sich dem Kind annehmen und die Familie zukünftig unterstützen, damit es wohl behütet aufwächst und eine solide Schulausbildung erhält.

Rupa Kanyas Schicksal ist eins, wie es vielen nepalesischen Frauen wiederfahren kann, vor allem in den abgelegenen westlichen Gebirgsregionen. Unser Plan, in Gamtha ein Geburtshaus zu bauen, besteht schon länger – in 2016 werden wir es endlich verwirklichen können. Wir sind tief betrübt, dass Rupa Kanya von unserer Hilfe nicht mehr profitieren wird. Es zeigt uns erneut schmerzlich auf, wie bitter nötig unsere Unterstützung für die schwangeren Frauen Mugus ist. Hätten wir unser Geburtshaus bereits in Betrieb gehabt, hätten Rupa und ihr Ungeborenes vielleicht nicht sterben müssen. 

Unser Ziel ist, alle abgelegenen Regionen Mugus eines Tages mit Geburtshäusern auszustatten. Ihre Unterstützung kann Leben retten. Bitte helfen Sie uns bei unserem Kampf gegen die hohe Mütter- und Säuglingssterblichkeit in Mugu mit einer Geburtshauspatenschaft: https://www.back-to-life.org/index.php/hilfe/spendenkonten

(Wir bitten die teilweise schlechte Qualität der Bilder zu entschuldigen, unser Team hatte in dem Moment nur die simple Kamera eines Mobiltelefons zur Verfügung.)