Aktuelles

26.04.2015

Schweres Erdbeben in Nepal (Tag 2)

Liebe Freunde Nepals,

die Zustände am zweiten Tag nach dem Erdbeben in Nepal sind katastrophal. Ich bin mit unseren Managern Dikendra und Achyut in Kontakt, zu unserer Erleichterung ist das Telefonieren und Senden von Nachrichten möglich. Beide berichten mir von zahlreichen und immer wiederkehrenden Nachbeben, die 5-6 auf der Richterskala erreichten und die Erde schwer schüttelten. Weitere Zerstörung, Tote und Verletzte sind die Folge. Die Menschen kommen nicht zur Ruhe. Zahllose Männer, Frauen und Kinder lagern seit gestern im Freien, genauso wie Dikendras und Achyuts Familien, aus berechtigter Angst, in ihre Häuser zurückzukehren oder weil diese zerstört oder schwer beschädigt sind. Manche haben Decken und Kleidung sowie Kekse und Wasser dabei, andere besitzen gar nichts mehr oder konnten nur ihr Leben retten. Die Solidarität unter der Bevölkerung ist groß.

Die Shops sind geschlossen oder zerstört, es gibt weder bottled water (Trinkwasser) noch Nahrungsmittel zu kaufen, keine Telefonaufladekarten sowie kein Gas zum Kochen. Der Strom ist weitgehend ausgefallen.

Der heutige Morgen begann für die Nepalis mit weiteren schweren Nachbeben, die 6,7 erreichten und erneut große Panik in der Bevölkerung auslösten.

Nepal verfügt weder über das nötige Geld noch die Infrastruktur, um einer Katastrophe derartigen Ausmaßes begegnen zu können. Mit bloßen Händen graben die Menschen nach ihren Angehörigen und Nachbarn, ‚gut’ ausgestattete Helfer des Militärs oder der Polizei haben eine Schippe in der Hand, modernes Räumfahrzeug gibt es nicht. Jedes Nachbeben birgt die Gefahr weiterer Einstürze und Opfer. Die Krankenhäuser sind auf eine derartige Versorgung nicht eingerichtet, sie haben weder genügend Materialien, Ärzte, Pfleger oder Kapazität (Platz) zur Verfügung und die Zahl der Verletzten steigt. Die Bevölkerung ist aufgerufen, dringend Blut zu spenden.

Endlich haben wir heute genauere Informationen von unserem Team aus Mugu erhalten: In Mugu ist das große Desaster bisher ausgeblieben, unsere Projektdörfer, Geburtshäuser und Schulen sind intakt geblieben. Auch sind uns noch keine Opfer (Steinschläge, Erdrutsche) bekannt und unsere Mitarbeiter oben in den Bergen sind vollzählig. Das ist der Stand heute. Wir können nur hoffen, dass es so bleibt und Mugu von weiteren Beben und Erdrutschen verschont wird.

In Chitwan jedoch kam es heute zu einem verheerenden Nachbeben, das große Schäden anrichtete und viele Verletzte forderte. Wir entschieden, sofort zu handeln. Unser Team ist bereits unterwegs, alle Dörfer abzulaufen, um sich einen genauen Überblick zu verschaffen und sofort Nothilfe einzuleiten.

Meine Mitarbeiter kämpfen genauso um ihr Leben wie alle anderen betroffenen Nepalis auch und sind dennoch bereit, jetzt Verantwortung zu übernehmen, ihre Arbeit zu tun, ihre organisatorischen Fähigkeiten einzusetzen und Hilfe einzuleiten für diejenigen, die in noch größerer Not sind. Dafür gilt meinen Managern und Teammitgliedern der allerhöchste Dank, Anerkennung und Respekt.

Ich werde Sie weiter informieren,
namaste, Stella

PS: Als letztes eine gute Nachricht, insbesondere für diejenigen, die unseren Back to Life Newsletter schon länger verfolgen und mit dem Schicksal des Mädchens vertraut sind: Die kleine Khushi ist wohlauf, sie hat das Erdbeben in Kathmandu ohne Verletzungen überstanden.