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11.02.2015

Training zur Stärkung der Kinderrechte in Chitwan

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In unseren Projektdörfern in Chitwan haben wir in den letzten Jahren vier Jugendclubs etabliert, in denen sich etwa 400 Jugendliche organisieren, um gemeinsam verschiedene Aktivitäten zu planen und durchzuführen. Die Jugendclubs treffen sich mindestens einmal pro Monat. Neben Umweltaktivitäten wie Baumpflanzungen, Säuberung der Straßen und Wege in den Dörfern, der Organisation von Fußball- und anderen Sportturnieren oder Wissenswettbewerben, sind Kampagnen für die Verbesserung der Kinderrechte in der Gesellschaft ein zentrales Thema.

„Kinderarbeit ist einer der Hauptgründe für einen frühzeitigen Abbruch der Schulausbildung. Viel zu leicht bekommen die Kinder Jobs auf Baustellen, in Hotels und Restaurants und bleiben daraufhin schon in sehr jungen Jahren der Schule fern. Sie sind billige Arbeitskräfte und arbeiten oft für 1-2 Mahlzeiten am Tag sowie einen Satz Kleidung pro Jahr. Die Wenigsten erhalten einen kleinen Lohn von 500 bis 1.000 Rupien (ca. 4,5 – 9 Euro) pro Monat. Für die verarmten Eltern stellen dieses kärgliche Gehalt bzw. das kostenlose Essen eine hinreichend finanzielle Entlastung dar, so dass sie der Kinderarbeit zustimmen. Der Zusammenhang zwischen einer abgebrochenen Schulausbildung und einer chancenlosen Zukunft, kann oft weder von den Kindern noch von deren Eltern hergestellt werden“, berichtet Mr. Sun Bahadur Moktan, der Leiter der von uns geförderten Schule im Dorf Thakaltar.



Viele Kinder müssen harter, körperlicher Arbeit nachgehen und brechen deshalb die Schule ab – oft nur für 1-2 Mahlzeiten am Tag.
 

In der Vergangenheit wurden die Mitglieder der Clubs sowohl in ihren Schulen als auch durch unsere Projektmitarbeiter mehrfach über das Thema Kinderrechte und dessen Wichtigkeit aufgeklärt. Die Resonanz bei den Kindern war derart positiv, dass wir uns entschlossen, unser Engagement in diesem Bereich auszuweiten. Deshalb engagierten wir einen „Kinderrechte-Experten“ aus Kathmandu, um Anfang Januar ein viertägiges Training mit 59 Kindern im Alter von 10-18 Jahren durchzuführen.



Der Kinderrechte-Experte, Mr. Bishnu Bahadur Khatri, führte das Training mit insgesamt 59 Kindern durch, die ihr Wissen anschließend an die anderen Kinder in ihren Jugendclubs weitergaben.


Das Training gab zunächst einen allgemeinen Überblick über die verschiedenen Themenbereiche, wie z.B. das Recht auf Bildung und Entwicklung für Mädchen und Jungen, das Recht auf körperliche Unversehrtheit und Nichtdiskriminierung jedes einzelnen Kindes, Prävention gegen Missbrauch, Gewalt, Kinderarbeit und Kinderheirat sowie bestehende gesetzliche Regelungen zum Schutz der Kinder auf lokaler und internationaler Ebene. Daraufhin wurden gemeinsam Strategien besprochen, um das Wissen und die Akzeptanz dieser Kinderrechte in der unmittelbaren Umgebung zu erhöhen und diese aktiv einzufordern.




Viele Themen wurden von den Kindern in Gruppen erarbeitet. Am Ende erhielten alle ein Teilnehmer-Zertifikat.

Die Trainingsteilnehmer teilten ihr Wissen anschließend mit den anderen Mitgliedern ihrer Jugendclubs und organisierten anschließend verschiedene „Aufklärungskampagnen“. So gingen einige Teilnehmer in ihren Dörfern von Haus zu Haus und sprachen mit den Eltern über den Schutz der Kinder vor ausbeuterischer und gesundheitsgefährdender Arbeit, das Recht auf Schulausbildung – gerade für Mädchen – und dem Recht auf Mitsprache.

In anderen Dörfern wurden den – meist ungebildeten Erwachsenen – diese Themen durch Lieder, Rollenspiele, Theateraufführungen und öffentliche Reden der Kinder näher gebracht und so versucht, das Bewusstsein dieser Elterngeneration für die Rechte der Kinder zu schärfen.



In selbst entwickelten Rollenspielen wurde das Thema Kinderrechte auch den Erwachsenen nähergebracht, von denen viele weder Lesen noch Schreiben können.


„Es ist sehr wichtig und schön zu sehen, dass die Jugendlichen aus eigener Initiative sowohl die Eltern, die leider oft Analphabeten sind, als auch andere Kinder davon zu überzeugen versuchen, dass Kinderarbeit viele Nachteile für die Entwicklung mit sich bringt.“, beobachtete Mr. Sun Bahadur Moktan.

Einige unserer Kinder aus dem Trainingsprogramm haben in den letzten Wochen sogar Baustellen, Steinbrüche, Restaurants oder Geschäfte besucht, in denen Kinder zur Arbeit herangezogen werden und dort mit den Kindern und deren Arbeitgebern über das Thema Kinderrechte gesprochen, um auch dort das Bewusstsein für dieses Thema zu verbessern und langfristig ein Umdenken einzuleiten. Denn meist hatten weder die Kinder noch ihre Chefs je von Kinderrechten gehört.

„Wir setzen uns dafür ein, dass alle Kinder eine Schulausbildung abschließen und nicht von ihren Eltern zum Arbeiten geschickt werden. Wir klären auch über die Folgen der Kinderheirat auf. Viele Eltern machen sich keine Gedanken über die Rechte der Kinder oder haben nie davon gehört und verheiraten ihre Kinder sehr jung in andere Familien. Gerade die Mädchen leiden sehr darunter, da sie ohne Ausbildung immer von ihren Männern abhängig sein werden“, sagte die 14-jährige Tsiring Lama im Gespräch mit unserem Projektmanager Anjan.

Zusammen mit unseren Initiativen zur besseren und flächendeckenderen Schulausbildung hoffen wir bessere Voraussetzungen und eine Perspektive für die Zukunft der Kinder in dieser Region schaffen zu können.