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Liebe Freundinnen und Freunde,
liebe Projektpaten von Back to Life,

Ich grüße Sie sehr herzlich zum 1. Advent mit den kraftvollen Worten eines schicksalsgeprüften Mannes aus den Bergen Nepals, der sagt: „Heute weiß ich, dass es immer einen Weg gibt- wenn jemand an dich glaubt.“

Balis Weg zurück ins Leben

Ein Schicksalsschlag verändert alles

„Namaste, Dil dai!“, ruft Bali lachend ins Telefon. Es ist ein sonniger Tag auf 2.300 Metern in den Bergen von Mugu im Westen Nepals. Im Hintergrund klappert es leise – seine Frau räumt gerade neue Waren in die Regale des kleinen Ladens. Bali sitzt auf einer Holzpritsche, umgeben von Seife, Reis, Öl und Schulheften und ist ganz in seinem Element. Es ist sein 40. Geburtstag und unser Teamkollege Dil gratuliert ihm telefonisch aus Kathmandu.

Noch vor 10 Jahren war das Leben von Bali Rokaya so, wie es in den Bergen Mugus für viele ist: einfach, von harter Arbeit auf den Terrassenfeldern geprägt, aber durch Familie und Zugehörigkeit erfüllt. Gemeinsam mit seiner Frau Maya, seinen Eltern und vier Kindern lebte er unter einem Dach von dem, was sein Stück Land im Hochgebirge hergab. Doch dann änderte sich alles mit einem Schlag.

Beim Arbeiten zog sich Bali Verletzungen zu, die sich infizierten. In der abgelegenen Bergregion gab es keine medizinische Hilfe, keinen Arzt, kein Krankenhaus. Als sich die Infektion verschlimmerte, trugen ihn seine Nachbarn mehrere Tage über die Berge zum „nächstgelegenen“ Krankenhaus in der Nachbarprovinz. Doch da war es bereits zu spät. Wundbrand führte zur Amputation seines linken Unterschenkels. Später verlor er auch noch den rechten.

Für den alleinigen Ernährer der Familie brach die Welt zusammen. „Ich war am Boden zerstört, denn ich konnte meine Familie nicht mehr ernähren“, erinnert sich Bali. Seine Frau Maya kämpfte ums gemeinsame Überleben, doch die Ernte, die sie auf den Terrassenfeldern einbringen konnte, reichte nicht aus. Irgendwann war alles verkauft, was die Familie noch besaß. Sie wurden von ihren Existenzsorgen fast erdrückt und Hilfe war nicht in Sicht.

Ein neuer Anfang

Als wir im Dezember 2021 im Rahmen unseres Trinkwasserprojekts Balis Heimatdorf Saina besuchten, erfuhren wir von der verzweifelten Lage der Familie. Für Back to Life war sofort klar: Wir helfen – mit einer Perspektive, die trägt.

Das Geschäft wurde zu einem richtigen Familienunternehmen und Bali fand zurück in ein Leben voller Sinn. Seine Frau tätigte den Einkauf neuer Waren nach seinen Listen und er verkaufte sie. „Früher saß ich die ganze Zeit allein zuhause, während die anderen arbeiteten. Heute kommen die Leute in meinen Laden, wo ich arbeite“, freut sich Bali. „Ich bin wieder Teil des Dorflebens.“

Nach eingehenden Gesprächen zwischen Bali und unserem Team kristallisierte sich die Idee heraus, vor Ort ein kleines Kurzwarengeschäft zu eröffnen. Der nächste Markt lag zu Fuß einen Tagesmarsch entfernt, und so würde ein Laden im Dorf nicht nur Bali und seiner Familie, sondern der ganzen Gemeinschaft zugutekommen. Bali war Feuer und Flamme und wir begannen sofort mit der Umsetzung. Nach einem Buchhaltungstraining und der Erstellung eines Geschäftsplans erhielt er eine einmalige Unterstützung von 100.000 Rupien (damals rund 750 Euro). Damit richtete er seinen Laden ein und bestückte die Holzregale mit Waren. Als er Anfang 2022 zum ersten Mal die Ladentür öffnete, war das ein Neubeginn – für ihn und für seine Familie.

Das Geschäft wurde zu einem richtigen Familienunternehmen und Bali fand zurück in ein Leben voller Sinn. Seine Frau tätigte den Einkauf neuer Waren nach seinen Listen und er verkaufte sie. „Früher saß ich die ganze Zeit allein zuhause, während die anderen arbeiteten. Heute kommen die Leute in meinen Laden, wo ich arbeite“, freut sich Bali. „Ich bin wieder Teil des Dorflebens.“

Schritt für Schritt ins Leben zurück

Kurz darauf, im Frühjahr 2022 brachten wir Bali nach Kathmandu, finanzierten Reise, Unterkunft, Versorgung sowie die medizinischen Kosten, um ihm in einem spezialisierten Krankenhaus Prothesen anzupassen. Bis dato hatte er – statt zwei – nur eine schlechtsitzende, veraltete Beinprothese, mit der er sich kaum über die unebenen Dorfwege in den Bergen fortbewegen konnte. 

Unser Kollege Dil Subba begleitete Bali über drei Monate lang in Kathmandu während der intensiven Physiotherapie und kümmerte sich verlässlich und freundschaftlich um alle Belange. Gemeinsam gingen sie durch den Marathon an täglichen Übungen, feierten Erfolge und übten das erneute Aufstehen bei Misserfolgen. „Anfangs fiel ich ständig hin“, erinnert sich Bali. „Aber Dil sagte immer: Aufstehen, dai! Beim nächsten Versuch geht es besser.“  Und er behielt recht. Schritt für Schritt lernte Bali wieder zu laufen.
 
Überglücklich kehrte er in die Berge zurück und übernahm den Laden, den seine Familie in seiner Abwesenheit weitergeführt hatte. Seine Frau Maya bestätigt: „Mein Mann steht wieder voll und ganz im Leben. Ich bin sehr stolz auf ihn und auf jeden Schritt, den er tut!“  

Eine Verbindung, die bleibt

Auch heute, Jahre später, ist der Kontakt eng und freundschaftlich. Regelmäßig ruft Bali unseren Kollegen Dil in Kathmandu an – manchmal sogar per Videocall direkt aus seinem Laden. Dann versammelt sich die ganze Familie um das Handy und das „hallo“ nach Kathmandu ist jedes Mal groß.

Als kürzlich Balis linke Prothese beschädigt war, organisierten wir die Reparatur innerhalb von rekordverdächtigen zehn Tagen, ohne dass er die mühsame Reise ins Tiefland auf sich nehmen musste. Bei der Übergabe der instandgesetzten Prothese sagte Bali strahlend: „Das Beste an Back to Life ist: ihr lasst Taten sprechen!“

Im Herbst ist Bali 40 Jahre alt geworden und steht nun mitten im Leben. Auf die Frage, was er sich wünsche, antwortet er: „Ich bin ein glücklicher und zufriedener Mann. Meine Kinder gehen zur Schule und unsere Familie blickt zuversichtlich in die Zukunft. Was will man mehr?“

Werden Sie Projektpate von Back to Life, damit noch mehr Menschen den Weg zurück ins Leben finden können, weil jemand an sie glaubt.
Ich wünsche Ihnen und Ihren Lieben einen besonders schönen Adventsbeginn,

Namaste,
Ihre Tara Stella Deetjen