Besser jetzt als nie – Erwachsenen-alphabetisierung

..denn ich fühlte mich immer,
als sei ich blind.“

Als wir ab 2011 unseren Projektradius in Mugu auf die Gemeinden Seri, Kalai und Rara und deren Nachbardörfer erweiterten, stellten wir fest, dass die meisten Erwachsenen – wie in vielen Teilen Mugus – Analphabeten waren. In den genannten Dörfern und deren Umgebung lebten 1202 Menschen über 15 Jahren. 918 von ihnen konnten weder Lesen noch Schreiben.

In einer Gegend, in der auch die meisten Kinder im schulfähigen Alter keine Schule besuchten, lag unser Hauptaugenmerk zunächst darauf, einer größeren Anzahl von Kindern eine geregelte Schulausbildung bieten zu können. Hierzu bauten wir bisher vier Schulen in diesem Gebiet und vergaben Stipendien an 600 Kinder aus besonders notleidenden Familien. Außerdem starteten wir mehrere Aufklärungskampagnen in der Region, um den Eltern den Nutzen der Schulbildung ihrer Kinder näher zu bringen.


700 Erwachsene lernen das Alphabet

In Zusammenarbeit mit dem nepalesischen Schulamt haben wir 27 Gruppen von je 20-35 Erwachsenen gebildet, die weder Lesen noch Schreiben konnten. Wir wählten insgesamt neun Lehrer aus, die über einen Zeitraum von drei Monaten jeden Nachmittag zweistündige Alphabetisierungskurse mit den Erwachsenen durchführten. Neben der Finanzierung der Lehrer stellte Back to Life das Lehrmaterial sowie ausreichend Schreibutensilien für die erwachsenen Schüler zur Verfügung, ein Drittel der Kosten übernahm das nepalesische Schulamt. Die Erwachsenen zeigten sich sehr motiviert und beherrschten nach dem Vierteljahr das Alphabet und konnten zumindest rudimentär lesen und schreiben. Ein riesiger Erfolg.


Der Erfolg lohnt die Mühe

Das Schulamt in Mugu hat die drei Dörfer Seri, Kalai und Rara im Anschluss an die Kurse als alphabetisiert erklärt und sich bei Back to Life für den Beitrag zur Erfüllung eines der UN-Millenniumziele – die Bekämpfung des Analphabetismus in Nepal – bedankt. Was für einen Europäer selbstverständlich klingen mag, ist in Mugu eine Errungenschaft und wird den Alltag weitreichend verändern.



Stimmen vor Ort:

Baidevi Rokaya (24) nahm eifrig an den Kursen teil: „Ich fühlte mich immer, als sei ich blind. Ich konnte keine Ziffern und Buchstaben erkennen, da ich nie eine Schule besucht habe und meine Eltern mich früh verheiratet haben. Ich habe mich immer dafür geschämt und auch Versammlungen in unserem Dorf gemieden, da ich immer nur mit einem Fingerabdruck unterschreiben konnte und dafür als ‚Lyapche’ („Fingerabdruck“) verspottet wurde. Ich bin dankbar dafür, dass ich kleine Texte lesen und schreiben kann. Außerdem verstehe ich jetzt auch die Versammlungsprotokolle und kann diese mit meinem Namen unterschreiben! Das macht mich stolz.“


Wenn die Erwachsenen alphabetisiert sind, werden sie in der nächsten Generation automatisch auch ihre Kinder in die Schule schicken. Man muss ihnen die Vorteile der Alphabetisierung nicht mehr erklären, da sie diese bereits selbst erfahren haben. Ich habe 25 Erwachsene in den letzten drei Monaten unterrichtet und nun können sie zumindest ihren Namen schreiben, rudimentär lesen und rechnen. Das ist ein großartiger Erfolg für diese Menschen und eine wichtige Initiative von ‚Back to Life“, sagte Hira Devi, eine der Lehrerinnen der Gemeinde Seri.

Auch Rama Malla, unsere Hebamme des Geburtshauses in Seri, ist vom Erfolg der Kurse und deren Nutzen überzeugt: „Alphabetisierung ist ein wichtiger Schritt, um die Grundrechte der Frauen zu stärken und ihnen Selbstbewusstsein zu geben sowie den Zugang zu Informationen. Es ist wichtig, dass die Frauen Nachrichten in Zeitungen oder auf Plakaten verstehen, so können wir leichter und effektiver Gesundheitsvorsorge betreiben. Für mich als Krankenschwester erleichtert es außerdem ungemein die Beratung und Versorgung von Patientinnen. Deshalb freuen wir uns auch, wenn Frauen und Männer die Möglichkeit wahrnehmen, ihre Lese- und Schreibfertigkeiten in der kleinen Bibliothek unseres Geburtshauses weiter zu verbessern.“

Unsere Krankenschwester Rama Malla (o.l.) freut sich sehr, dass mehr Frauen Lesen und Schreiben lernen. Auch die kleine Bibliothek unseres Geburtshauses steht dafür zur Verfügung.

Das könnte Sie auch interessieren

Kontakt
© Back to Life e.V.
Alle Rechte vorbehalten
Spendenkonten
  • Kontoinhaber: Back to Life e.V
  • IBAN: DE94 5008 0000 0729 9990 02
  • BIC: DRESDEFFXXX
  • Bank: Commerzbank AG
  • Kontoinhaber: Back to Life e.V
  • IBAN: DE96 4306 0967 1012 0030 00
  • BIC: GENODEM1GLS
  • Bank: GLS Bank
Magazin
Melden Sie sich für unser kostenfreies Magazin an: