Die Magie der Buchstaben

ES IST NIE ZU SPÄT – ERWACHSENENALPHABETISIERUNG

Für über 4500 Schüler und Schülerinnen in Nepal verbessern wir die Schul- und Lernbedingungen. Doch da wollen wir nicht Halt machen, sondern uns auch um die Alphabetisierung der Erwachsenen in abgelegenen Gebieten kümmern.

Laut dem „Nepal Human Rights Year Book 2019“ (INSEC) liegt die Alphabetisierungsrate in Mugu bei nur 51,25 Prozent. Darin inbegriffen sind sämtliche Schulkinder, das heißt, die Analphabetenrate der Erwachsenen ist deutlich höher.

Doch wie geht man so etwas an, den sowieso schon schwer arbeitenden Erwachsenen Extrastunden des Lernens anzutragen?

Zuerst haben wir ein bunt gemischtes Programm auf die Beine gestellt, um den Bergbewohnern die Wichtigkeit der Alphabetisierung, sowohl für das eigene Leben als auch für den Benefit und die Entwicklung der gesamten Gemeinschaft, aufzuzeigen. Die Schulkinder haben dafür Poster gemalt, kleine Theaterstücke einstudiert, Lieder eingeübt und Flyer entworfen, die sich mit dem Thema auseinandersetzen. In den von uns gebauten sowie den unterstützten Schulen haben wir dazu einen Wettbewerb ausgerufen. Voller Enthusiasmus nahmen die Schüler daran teil und ließen ihrer Kreativität freien Lauf.

Mit diesem Programm sind wir durch die Dörfer gezogen, um diejenigen, die nie die Chance zu einer Schulbildung hatten, darauf aufmerksam zu machen, wie wichtig es ist, zumindest rudimentär lesen, schreiben und rechnen zu können.

In den Schulen haben unsere Teammitglieder, gemeinsam mit den Lehrern, die älteren Schüler*innen darin geschult, wie sie mit ihren Eltern und Nachbarn die Lese- und Schreibfähigkeit üben können.

Das Ziel ist, den Erwachsenen das Nepali-Alphabet und die Zahlen beizubringen, sodass sie schließlich ihren Namen schreiben sowie alltägliche Worte lesen und einfache Sätze in ihrer Landessprache verstehen und aufschreiben können. Außerdem gilt es, simple Arithmetik zu lernen, also das Addieren und Subtrahieren.

Unsere Kampagne begeistert Groß und Klein. Die Schüler und Schülerinnen haben in ihren Dörfern mehrere Gruppen gebildet, die sie nach Schulschluss unterrichten. Alle haben Feuer gefangen und üben ehrgeizig. Die Eltern, die an den Gruppen nicht teilnehmen können, erhalten abends zuhause ihren Schreibunterricht.

Rajanti, eine 13-jährige Schülerin, sagt uns mit leuchtenden Augen: „Dieses Programm bereitet unseren Eltern große Freude und motiviert sie sehr. Meine Eltern können jetzt schon mit ihrem Namen unterschreiben! Sie sind wirklich glücklich und dankbar, das Alphabet und die Zahlen lernen zu dürfen. Es ist nie zu spät dafür!“

Rupsa Rawal, eine Mutter aus dem Dorf Panseri, fügt freudestrahlend hinzu: „Und ich bin voller Hoffnung, dass ich schon in ein paar Tagen sogar einen Anruf mit einem Mobiltelefon tätigen kann, weil ich nun endlich die Zahlen kenne. Das hätte ich nie gedacht. Außerdem wird es für mich viel leichter sein, Produkte auf dem Markt zu kaufen oder zu verkaufen. Bisher musste ich stets anderen vertrauen, welcher Preis geschrieben steht.“

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