Im Gespräch mit Rup aus Mugu

Ausgebildet – Agrarexperten für Mugu

Unseren Maßnahmen zur landwirtschaftlichen Weiterentwicklung in Mugu, mit denen wir den Bewohnern die Möglichkeit geben wollen, ihre Einkommenssituation nachhaltig zu verbessern. Eine der langfristigen Maßnahmen besteht darin, jungen Männern aus Mugu eine landwirtschaftliche Ausbildung zu ermöglichen. Nach der abgeschlossenen Ausbildung kehren diese jungen Agrarexperten in ihre Dörfer zurück und teilen ihr Wissen mit den Einheimischen, um möglichst große Multiplikatoreffekte zu erzielen.

Rup Bahadur ist einer von ihnen und hat die 15-monatige Ausbildung zum „Junior-Agrartechniker“ an einer staatlichen Landwirtschaftsschule abgeschlossen. Back to Life kam für Kosten und Unterbringung auf. Seitdem arbeitet Rup in seinem Heimatdorf und den umliegenden Dörfern im Bezirk Ruwa und ist für etwa 300 Bergbauern verantwortlich.

Unser Programmdirektor, Dikendra Dhakal, hat ihn 2014 vor Ort getroffen und zu seiner Ausbildung befragt.

Rup, du hast von Back to Life im Rahmen eines Stipendiums die Möglichkeit bekommen, eine landwirtschaftliche Ausbildung zu machen. Wie ist es dir dabei ergangen bzw. was hast du gelernt?

Zunächst möchte ich mich bei Back to Life bedanken, dass ich die Chance zu dieser Ausbildung erhalten habe. Die Ausbildung hat mich gefordert. Neben dem Anbau waren auch

die Lagerung bis hin zur Vermarktung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse wichtige Themen.

Du stammst aus dieser Region und kennst die traditionelle Landwirtschaft in den Bergen. Was sind deiner Meinung nach die größten Probleme in Mugu?

Es ist eine Summe aus Problemen. Der lange kalte Winter und die vielen trockenen Monate sind keine guten Voraussetzungen. Außerdem liegen die Dörfer oft auf über 3.000 Metern Höhe. Die meisten Familien verfügen nur über kleine Feldparzellen, oft sind es Terassenfelder. Durch die traditionellen Anbaumethoden reicht der Ertrag vieler Familien nicht einmal, um sich ganzjährig zu ernähren, geschweige denn, etwas verkaufen zu können. Im Gegenteil: viele Familien sind regelmäßig von Nahrungsmittelknappheit und Hunger betroffen und das, obwohl sie Bauern sind und den ganzen Tag lang arbeiten.

Waren dir diese Probleme schon immer bewusst oder hast du erst während deiner Ausbildung davon erfahren bzw. etwas darüber gelernt?

Grundsätzlich waren mir die Probleme bekannt. Allerdings habe ich in der Ausbildung zum ersten Mal Methoden und Techniken kennengelernt, mit denen die Erträge und die Anbauvielfalt trotz widriger Witterungs- und Bodenverhältnisse gesteigert werden können.

Wie implementierst du das in Mugu?

Die Familien in Mugu bauten bisher keinerlei Gemüse an. Sie hatten weder Zugang zu dem entsprechenden Saatgut, noch besaßen sie Kenntnisse über die Art der Kultivierung. Viele Gemüsesorten waren den Bewohnern auch schlichtweg unbekannt. Erst als Back to Life im Rahmen des Projektes neue Sorten einführte, wie Spinat oder Kürbis, lernten die Einheimischen diese kennen.

Es ist wichtig, dass die Bergbauern die neuen Sorten, Anbaumethoden und Techniken verinnerlichen, damit sie mittelfristig von ihrer harten Arbeit auch leben können. So ist es Teil meiner Aufgabe, ihnen immer wieder neue und effektive Anbaumethoden und Techniken zu erläutern und praktisch vorzuführen, damit sich dieses Wissen festigt.

Aber wie sieht das in der Praxis aus? Kannst du uns ein Beispiel geben, was du mit den Bewohnern erarbeitest?

Ich wähle zunächst die Bauern aus, die für neue Feldfrüchte und Anbaumethoden offen sind und dazulernen wollten. Mit ihnen errichte ich Modelläcker sowie kleine Gewächshäuser. Hier bauten wir nun gemeinsam verschiedene Gemüsesorten an, für die es ohne den Schutz des Gewächshauses zu kalt wäre. Die ersten Erfolge sind schnell sichtbar und überzeugen auch die eher skeptischen Bauern und animiert sie letztendlich zum Mitmachen. Ich stehe ihnen dabei auch in Zukunft beratend zur Seite.

Ein weiteres Beispiel ist die richtige Verwendung des Düngers. Einige Bauern haben Vieh, um die Felder zu düngen und Ochsen, um die Felder zu pflügen. Allerdings benutzen sie den Dung in völlig ineffizienter Weise. Zunächst lagern sie den Dung unter freiem Himmel, wo dieser der Witterung und Sonneneinstrahlung voll ausgesetzt ist. Dann bringen sie ihn auf den Feldern aus, lange bevor diese gepflügt oder umgegraben werden. So sind die meisten Nährstoffe des Düngers schon verwittert, bevor der erste Samen in den Boden gelangt. Ich bringe ihnen also bei, den Dung in einer vorher angelegten Kompostgrube zu lagern und vor der Witterung zu schützen, um möglichst viele Nährstoffe lange zu erhalten. Außerdem erkläre ich ihnen, den Dünger erst auszubringen kurz bevor das Feld gepflügt wird und direkt im Anschluss auszusäen.

Das klingt logisch. Gibt es weitere Beispiele?

Viele dieser Bauern haben nie eine Ausbildung erhalten und kennen nur ihre althergebrachten Methoden und Techniken. Sie sind z.B. komplett abhängig vom Regenwasser. Dieses zu lagern oder durch Bewässerungssysteme länger nutzbar zu machen, muss ihnen erst beigebracht werden. Das geht nur durch Veranschaulichung. Gleichzeitig sprechen wir über die bestmögliche Bodenbearbeitung, Schädlingsbekämpfung und die richtige zeitliche Abfolge von Aussaat und Ernte, um unter diesen harschen Gegebenheiten einen möglichst hohen Ertrag zu erzielen.

Sprichst du mit den Bauern auch über neue Werkzeuge?

Natürlich. Ein normaler Spaten ist hier schon eine große Verbesserung, da viele Farmer noch mit selbstgeschnitzten Holzschaufeln arbeiten müssen. In dem von Back to Life eingerichteten landwirtschaftlichen Zentrum in unserem Dorf können sich die Bauern neue Werkzeuge leihen, um diese zu erproben. Neben Spaten und anderen Werkzeugen haben wir dort auch eine stromlose Dreschmaschine. Bisher wurde das Korn durch stundenlanges Dreschen per Hand mit einem Flegel mühsam vom Stängel getrennt. Bei dieser langwierigen Arbeit musste die ganze Familie mithelfen. Mit der neuen mechanischen Dreschmaschine, die durch eine Fußwippe angetrieben wird, lässt sich diese Arbeit bis zu 10-mal schneller erledigen. Zeit und Kraft, die man anders einsetzen kann. Einige der Bauern haben sich bereits zusammengetan, um in naher Zukunft eine solche Maschine für sich zu kaufen und dann anschließend zu teilen.

Vielen Dank Rup für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg!

Die Arbeit mit den Bauern macht mir sehr viel Freude. Außer Back to Life hat sich bisher niemand für die abgeschiedenen Bergdörfer Mugus interessiert. Durch die Unterstützung von Back to Life, sei es durch die Vermittlung neuer Methoden und Techniken, durch neues und ertragreiches Saatgut oder die Bereitstellung von besseren Werkzeugen und Handmaschinen, werden wir die Erträge in Mugus Dörfern hoffentlich derart steigern können, dass die Menschen sich künftig selbst versorgen und bestenfalls auch Erträge auf dem Markt verkaufen können. Dies wäre ein großer und wichtiger Schritt in Richtung Leben.

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