Hilfe für die, die keine Hilfe bekommen

Unser Health Camp für 1200 Menschen in Khatyad

Es dauert nur Sekunden und das Wetter schlägt um. Dichter Nebel versperrt jegliche Sicht auf die Landepiste von Kolti in Mugu. Immer wieder bricht der Pilot die Landung ab und überfliegt erneut das Gelände. Es ist gefährlich, er muss innerhalb von Augenblicken den richtigen Moment abpassen, sonst droht eine Katastrophe. Allzu oft sind diese kleinen Propellermaschinen schon abgestürzt. Erst der 8. Versuch gelingt. Unweit der Landebahn sitzt unser Back to Life-Team zusammen mit den Ärzten unseres gerade erst beendeten Health Camps. Alle betrachten schweigend das Szenario, niemand will zeigen, dass er Angst hat. Denn diese kleine Maschine soll gleich das Team zurück ins Tiefland nach Nepalgunj und später nach Kathmandu bringen…


Ein gutes Team macht sich stark

Die Mitarbeit in unseren Health Camps fordert viel von den Ärzten. Allein die An- und Abreise bedeuten immer ein nicht unerhebliches Risiko – ganz gleich, ob man mit klapprigen Flugzeugen, über Abgründen schaukelnden Jeeps oder zu Fuß auf ungesicherten Hochgebirgspfaden unterwegs ist. Das Health Camp dieses Herbstes findet in Khatyad statt, um dort die erkrankten Bewohner der Dörfer Seri, Khamale, Gamtha, Shreekot, Kotdanda, Sukadhik und Hyanglu zu behandeln. Neben dem von uns aus Kathmandu mitgebrachten Team von spezialisierten Ärzten, die es in Mugu sonst nicht gibt (Kinderarzt, Gynäkologin und ein Radiologe), unterstützen uns auch die Hebammen und Krankenschwestern aus unseren Geburtshäusern sowie zusätzlich 4 staatliche Ärzte.



Typische Krankheiten werden behandelt

Schon am ersten Tag bildet sich ab 7 Uhr morgens eine lange Schlange, alle warten geduldig, bis sie an der Reihe sind. Die Liste der Erkrankungen bei den Frauen ist lang: Gebärmutterhalsentzündung, Gebärmuttersenkung, verlängerte Monatsblutungen, Harnwegsentzündungen und Magengeschwüre sind an der Tagesordnung. Bei Kindern geht es vor allem um Mittelohrentzündungen, Atemwegserkrankungen, Ekzeme und Kinderlähmung, aber auch um Entwicklungsverzögerungen, Hörverlust, Pilzerkrankungen und Unterernährung. Bei den Männern kommen noch Bluthochdruck, Magenschleimhautentzündungen und Muskel- und Skeletterkrankungen hinzu.


Notfall bei Nacht

Am späten Abend des ersten, intensiven Arbeitstages ist das Team schon kurz davor auf dem ungewohnt harten Fußboden einzuschlafen, als plötzlich ein Notfall gemeldet wird: Eine Frau wird eingeliefert, die seit über 10 Stunden extrem starke Blutungen hat. Als die Gynäkologin zu der Frau eilt, hat diese schon nahezu das Bewusstsein, zwei Liter Blut und ihr ungeborenes Kind nach einer Fehlgeburt verloren. Nachdem die Ärztin die gesamte Nacht über alles einsetzt, was ihr an Mitteln zur Verfügung steht, um ihre Patientin am Leben zu erhalten, ordnet sie am Morgen den Abtransport in ein Krankenhaus an. Die Frau benötigt dringend Bluttransfusionen, sonst hat sie keine Chance. Es braucht 4 Träger für den eintägigen Fußmarsch durch die unwegsamen Berge. Dann trifft man auf eine Straße und kann mit einer Jeepfahrt von 6 Stunden das nächste örtliche Krankenhaus am Rande der Berge erreichen. Der mittlerweile vollkommen aufgelöste Ehemann hat kein Geld, diesen Transport zu bezahlen, er ist verzweifelt und in Sorge, seine Frau zu verlieren. Back to Life übernimmt die Kosten. Es wird eine Woche dauern, bis uns die gute Nachricht von der Genesung der Frau erreicht.



Tabuthemen rücken in den Fokus

Gebärmuttersenkung ist ein häufiges Problem der Frauen Mugus und zudem ein Tabuthema. Die tägliche Knochenarbeit in den Bergen fordert ihren Tribut, die Körper der Frauen können der harten Belastung kaum standhalten. Die Folge ist eine Absenkung des Uterus und in vielen Fällen sogar ein Hervortreten nach außen durch die Scheide. Die betroffenen Frauen leiden stark und schämen sich sehr, viele werden depressiv. Dazu gehören auch traumatische Erfahrungen, da Ehemänner oft mit Unverständnis, Wut und sogar Androhung von Scheidung reagieren. Die Gynäkologin vergibt darum viele Scheidenpessare, die mit wenigen Handgriffen sofortige Linderungen verschaffen.

Eine Frau berichtet stellvertretend für viele ähnliche Schicksale: „Ich bin Mutter von 5 Kindern, mit der Geburt des 3. Kindes senkte sich damals mein Uterus ab. Viele Tage blutete ich, ich wusste nicht, was ich tun sollte. Dann musste ich damit leben, 20 Jahre lang habe ich so gelitten, bis zum heutigen Tag. Jetzt geht es mir viel besser, ich kann es kaum glauben.“

Geschichten wie diese bekommen die Ärzte immer wieder zu hören – hinter jeder davon ein individuelles Schicksal, viele davon mehr als dramatisch. Für hunderte Menschen ist es die erste medizinische Untersuchung in ihrem Leben. Teilweise sogar mit moderner Technologie: Ein portables Ultraschallgerät, das der Radiologe mitgebracht hatte, haben die meisten noch nie gesehen – sie staunen über die Bilder aus ihren Körpern. Nach wenigen Tagen haben die Ärzte insgesamt 1.200 Menschen untersucht und behandelt.


Jeder Gesunde ist ein Entwicklungsziel

Nur ein gesunder Mensch kann mit voller Kraft arbeiten, das Haushaltseinkommen der Familie erwirtschaften und dadurch auch letztlich die Entwicklung Mugus verbessern. Davon abgesehen ist es meist auch so, dass in Familien, in denen ein Erwachsener wegen Krankheit oder Tod als Verdiener ausfällt, die Kinder verstärkt arbeiten müssen und deshalb oft nicht zur Schule gehen können.

Jeder genesene Patient ist also im übertragenen Sinn durchaus auch als ein nachhaltiges, kleines „Entwicklungsziel“ zu betrachten. So kann Hoffnung verbreitet und Mugu erneut ein Stück weiter in die Neuzeit gebracht werden. So anstrengend und gefährlich die Durch- führung unserer Health Camps auch jedes Mal sind, sie sind wichtig für die Menschen in den Bergen.


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