Warum ein Geburtshaus in den Bergen lebenswichtig ist

Von Wolfgang Langenkamp, der das Jima-Geburtshaus in Mugu stiftete und zwei Mal selbst die abenteuerliche und beschwerliche Reise nach Mugu antrat, bei Baubeginn und zur Einweihung.

Weshalb ich dieses Geburtshaus stifte I Bereits 2011 begegnete ich der Hilfsorganisation Back to Life, die seit 2009 in Mugu aktiv ist und interessierte mich sofort für ihre Projekte in Nepal. Die Beschreibung der Lebenssituation der 55.000 Einwohner in der Region Mugu erschütterte mich zutiefst. Mugu hatte damals kein Straßennetz, also auch keinen Zugang zur Außenwelt und die hochgelegenen Bergdörfer waren nur über anstrengende, mehrtägige Trekkingrouten erreichbar. Im Norden grenzt der Distrikt über den Hauptkamm des Himalayas an Tibet. Unter archaischen Lebensbedingungen lag die Lebenserwartung der Menschen noch bis vor kurzer Zeit bei nur 44 Jahren, für die Frauen sogar noch geringer als für die Männer. Mangelnde Bildung, eine praktisch nicht vorhandene medizinische Betreuung, zu geringe landwirtschaftliche Ertragsmöglichkeiten, die harten Winter in großer Höhe, sowie der fast nicht vorhandene Kontakt zum restlichen Teil des Landes froren das Leben in einer Vergangenheit ohne Zukunft ein.

Geburten wie im Mittelalter I Am gravierendsten aber sind Schwangere betroffen: Die gefährliche Tradition Chhaupadi, deren Glauben nach, die Frauen in Mugu im eigenen Haus kein Blut vergießen dürfen, weil dies die Götter erzürnen könnte, verursacht jährlich viele Tote. Werdende Mütter müssen vor der Geburt eines Kindes ihr Haus verlassen und entweder im Freien oder im verdreckten Kuhstall gebären – ohne jegliche Hilfe von außen. Die dortige Säuglings- und Frauensterblichkeit ist deswegen eine der höchsten der Welt. Mittlerweile ist dieser Ritus zwar gesetzlich verboten, doch das kann vor Ort kaum kontrolliert werden. Zudem setzt dieses Gesetz die Menschen einem tiefen Zwiespalt zwischen Gesetz und ihrem Glauben aus. Andere Lösungen sind hier gefragt.

Im Einvernehmen mit der Kultur I Als die Gründerin von Back to Life, Stella Deetjen, 2009 zum ersten Mal Mugu besuchte, um sich ein Bild von der Situation zu machen, teilten die Frauen Stella ihre Not mit. Back to Life begann daraufhin umgehend, ein Konzept zu entwickeln, das letztlich nicht in die Kultur und den Glauben der Menschen eingreift, aber dennoch Hilfe und Erleichterung bringt. Die Idee, Geburtshäuser an zentralen Stellen zu bauen, die von mehreren Dörfern erreicht und genutzt werden können, wurde der Bevölkerung erklärt und vorgestellt. Auch an die Abstimmung mit den einflussreichen Schamanen der Dörfer wurde gedacht, deren Einverständnis für die Einheimischen von großer Wichtigkeit ist. Die Back to Life-Geburtshäuser finden in Mugu mittlerweile breite Akzeptanz.

Entwicklungshilfe auf den Punkt gebracht I Auch in dieser abgelegenen Gegend Nepals sind behördliche Baugenehmigungen erforderlich, ferner braucht man ein passendes Grundstück. Back to Life will als Organisation selbst keine Grundstücke in Nepal kaufen und besitzen. Für Back to Life geht es um die Hilfe zur Selbsthilfe, denn nur das ist Entwicklungshilfe auf den Punkt gebracht. Es bleibt immer alles in der Hand der jeweiligen Dorfgemeinschaft. Der Baugrund muss von der Dorfgemeinschaft zur Verfügung gestellt werden. Die Bauzeit beträgt ungefähr ein Jahr.

Hier wollte ich meinen Beitrag leisten und entschied mich, den Bau des Geburtshauses in Jima zu finanzieren.

W. Langenkamp 2019

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