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Nepals demokratischer Generationswechsel

– was die Wahl vom 5. März 2026 für unsere Arbeit bedeutet

Liebe Freundinnen und Freunde von Back to Life,

während in Nepal die endgültigen Ergebnisse der nationalen Parlamentswahl bestätigt werden, möchten wir Ihnen darüber aus unserem Projektbüro in Kathmandu berichten. Viele von Ihnen begleiten die Arbeit von Back to Life seit vielen Jahren und wissen: Nepals Geschichte ist geprägt von großer Widerstandskraft. Doch die Ereignisse dieser Woche markieren einen politischen Wandel, wie wir ihn in dieser Form bisher noch nicht erlebt haben.

Ausgelöst durch eine von jungen Menschen getragene Protestbewegung im September 2025 hat die Wahl am 5. März 2026 zu einem deutlichen Sieg der Rastriya Swatantra Party (RSP) geführt. Angeführt wird sie vom 35-jährigen Balendra Shah, der erst als Musiker, dann als Bürgermeister von Kathmandu bekannt wurde. Mit 124 der 165 direkt gewählten Parlamentssitze hat seine Partei eine klare Mehrheit erreicht – und damit nach der 6-monatigen Interimsregierung von Sushila Karki ein starkes Mandat für Reformen, Transparenz und moderne Regierungsführung erhalten.

7 Parteien bilden das neugewählte Parlament.

Wie wird in Nepal gewählt?

In Nepal, wo ein Teil der älteren Bevölkerung noch immer gar nicht oder nur eingeschränkt lesen und schreiben kann, ist der Wahlvorgang bewusst einfach und traditionell gestaltet. Registrierte Wählerinnen und Wähler ab 18 Jahren begeben sich mit ihrer staatlich ausgestellten Wähleridentitätskarte zu ihrem zugewiesenen Wahllokal ausschließlich in ihrem Heimatdistrikt. Auf dem Stimmzettel wählen sie nicht anhand von Kandidaten- oder Parteinamen, sondern anhand klar erkennbarer Wahlsymbole, die von der Wahlkommission vergeben werden – etwa die „Glocke“, das Symbol der Rastriya Swatantra Party (RSP). In der Wahlkabine markieren sie ihr bevorzugtes Symbol mit einem offiziellen Gummistempel. Anschließend falten sie den Stimmzettel und werfen ihn in eine gesicherte, versiegelte Wahlurne. Danach wird ihr Daumen mit einem schwarzen Marker gekennzeichnet und so die Stimmabgabe sichtbar gemacht. 17 der 45 von Back to Life gebauten Schulen wurden als offizielle Wahllokale genutzt, da sie in vielen abgelegenen Bergregionen oft die einzigen geeigneten öffentlichen Gebäude sind.

Wenn Demokratie über Bergpfade getragen wird – ein Blick nach Mugu

Um zu verstehen, was Demokratie in Nepal bedeutet, lohnt sich ein Blick in einen unserer Projektbezirke: die Gebirgsregion Mugu. Während in Kathmandu Wahlergebnisse in Echtzeit auf Bildschirmen erscheinen, sieht die Realität in dieser abgelegenen Himalaya-Region ganz anders aus. Hier kommt Demokratie nicht über Straßen – sondern auf dem Rücken von Menschen.

Als in den Städten bereits am Morgen des 6. März die ersten Ergebnisse bekannt wurden, blieb Mugu zunächst still. Rund 22.000 Menschen hatten zuvor ihre Stimme abgegeben – eine beeindruckende Wahlbeteiligung von 61 Prozent. Doch damit war der Prozess noch nicht beendet.

In den hochgelegenen Siedlungen von Mugu, wo es keine Straßen gibt und wo Back to Life Geburtshäuser betreibt, den Zugang zu Trinkwasser und sauberer Energie legt, Schulen baut und Einkommensförderungs- sowie Umweltschutzprogramme seit über 15 Jahren durchführt, mussten Wahlhelfer und lokale Träger die Wahlurnen wie im Staffellauf mehr als zwei Tage lang über gefährliche Bergpfade transportieren. Erst am Nachmittag des 7. März erreichten sie das Bezirkszentrum Gamgadhi.

Dieser zeitliche Abstand zeigt, wie isoliert viele Regionen Nepals noch immer sind: Eine einzige Stimme kann hier über zwei Tage brauchen, um wenige Kilometer Luftlinie zurückzulegen. Genau deshalb arbeitet Back to Life in solchen Regionen. Wo die Geografie Fortschritt erschwert, möchten wir sicherstellen, dass die Menschen dennoch gehört werden.

Eine junge Generation gestaltet die Zukunft

Die Parlamentswahl 2026 markiert einen deutlichen Generationswechsel in Nepals Politik. Von den 165 direkt gewählten Abgeordneten sind bereits 61 – rund 37 Prozent – jünger als 40 Jahre.

Noch vor wenigen Jahren war die politische Führung Nepals fast ausschließlich von Politikern in ihren Sechzigern und Siebzigern geprägt. 2022 lag der Anteil der unter 40-Jährigen im Parlament gerade einmal bei elf Prozent. Angesichts eines Landes mit einem Durchschnittsalter von nur 26 Jahren wuchs die Distanz zwischen politischer Führung und junger Bevölkerung zunehmend – ein Spannungsfeld, das auch die von jungen Menschen getragenen Proteste im vergangenen Jahr befeuerte.

Mit dem Einzug vieler junger Abgeordneter verbindet sich nun die Hoffnung auf eine demokratische Erneuerung. Themen wie Bildung, Gesundheit, digitale Verwaltung, Bürokratiereformen, Klimaschutz und Beschäftigung könnten stärker in den Mittelpunkt rücken. Entscheidend wird jedoch sein, ob die neue Generation ihre Popularität in konkrete Reformen und verantwortungsvolle Politik übersetzen kann. Die Wahl hat die Altersbarriere in der nepalesischen Politik durchbrochen – nun liegt es an den jungen Führungspersönlichkeiten, diesen Aufbruch mit Substanz zu füllen.

Stabilität als gute Grundlage für unsere Arbeit

Für unsere Teams in den Projektregionen ist politische Stabilität von großer Bedeutung. Während Nepal nun den jüngsten Premierminister seiner demokratischen Geschichte begrüßt, bleibt unsere Arbeit vor Ort bewusst unpolitisch und verlässlich auf die Bedürfnisse der Menschen ausgerichtet. Unsere Schulen, Gesundheitszentren und Trinkwasserprojekte in Chitwan, Nuwakot, Sindhuli und Mugu arbeiten kontinuierlich für die Gemeinden.

Zugleich ist die Stimmung im Land von vorsichtigem Aufbruch geprägt: Erstmals seit fast drei Jahrzehnten könnte eine Regierung mit klarer Mehrheit eine vollständige fünfjährige Amtszeit antreten – eine wichtige Grundlage für langfristige Entwicklungsarbeit. Für unser Team vor Ort bedeutet diese Stabilität bessere Planungsmöglichkeiten, etwa für den Ausbau des Bildungs- und Gesundheitssystems im Osten und Westen Nepals. Verlässliche politische Rahmenbedingungen erleichtern es, nachhaltige Programme gezielt umzusetzen und gemeinsam mit den Gemeinden dauerhafte Perspektiven aufzubauen – ganz im Sinne unseres Leitprinzips, Menschen dabei zu unterstützen, sich selbst zu helfen.

Stabilität als gute Grundlage für unsere Arbeit

Liebe Patinnen und Paten, liebe Freundinnen und Freunde,

liebe Förderer, Ihre Unterstützung ermöglicht es uns, auch in Zeiten des Wandels eine verlässliche Kraft für die Menschen in Nepal zu bleiben. Gemeinsam stärken wir die Zukunft von Kindern und Familien in den abgelegensten Regionen des Landes nachhaltig.

Mit herzlichem Dank
für Ihr Vertrauen und Ihre Mithilfe,

Namaste,
Ihre / Eure