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Glück, das ansteckt

Liebe Freundinnen und Freunde,
liebe Projektpaten von Back to Life,

herzliche Grüße zum 2. Advent aus Nepal. Heute möchte ich die Adventslichter Khushi widmen, deren Weg ohne Ihre Anteilnahme ganz anders verlaufen wäre. Viele von Ihnen fragen immer wieder nach der vielversprechenden jungen Frau, die wir bereits seit 15 Jahren begleiten.

Ein Leben, das beinahe verlorenging

Khushis Geschichte beginnt in einem abgelegenen Bergdorf in Mugu im Westen Nepals. Als Kleinkind stürzt sie beim Spielen gegen einen Topf mit siedendem Öl. Die Verbrennungen sind verheerend: Vom Kinn abwärts sind Schultern, der gesamte Oberkörper bis zur Taille und ein Arm großflächig verbrannt. Es grenzt an ein Wunder, dass sie überlebt hat, denn medizinische Hilfe gibt es in den Bergen nicht. Ihre Mutter pflegt sie wochenlang allein, ohne Schmerzmittel oder Verbandsmaterial, ohne Aussicht auf echte Heilung.

Dann stirbt der Vater. Mit vier Kindern plagen die Mutter große Existenzsorgen.

Als wir Khushi 2010 zum ersten Mal begegnen, ist sie fünf Jahre alt – gezeichnet von schweren Narben. Sie kann den Arm kaum heben, ihren Mund nur eingeschränkt bewegen und fast nicht sprechen. Zur Schule geht sie nicht und wird von anderen ausgegrenzt. Ihre Mutter sagt den Satz, der alles verändert: „Bitte nehmt mein Kind mit. Hier hat es keine Zukunft.“

Der Schritt in ein neues Leben

Ab da nehmen wir Khushi an die Hand. Für adäquate medizinische Hilfe bringen wir sie mit nach Kathmandu in ein spezialisiertes Krankenhaus. Seitdem kommt Back to Life für alle immer wieder notwendigen medizinischen Eingriffe auf, wir finanzieren Khushis Ausbildung sowie ihre Lebenshaltungskosten.

Die ersten Operationen geben ihr Beweglichkeit zurück, lösen die schlimmsten Verwachsungen und bringen ihre Aussprache zurück. Khushi steht alles tapfer durch, sie weiß, dass ihr geholfen wird- trotz der unermesslichen Schmerzen. Über die Jahre folgen weitere Operationen mit Hauttransplantationen und intensive Physiotherapie. Das Mädchen findet Halt in einer Pflegefamilie, die sie liebevoll aufnimmt und eine Schule, in der sie zum ersten Mal ihre eigenen Fähigkeiten erkennt. Freundschaften, neue Horizonte und das Gefühl, angenommen zu sein, verwandeln das schüchterne Mädchen nach und nach in ein neugieriges, offenes Kind, das nicht mehr nur überlebt, sondern beginnt, sich bestens zu entwickeln.

In kürzester Zeit erlernt sie in der Schule Englisch, das sie heute so flüssig spricht, als sei es ihre Muttersprache. Schnell etabliert sich kleine Mädchen aus den Bergen zur Klassenbesten, die sie fortan bis zum Abitur 2023 auch bleiben sollte.

Es hat mich sehr berührt, als Khushi über ihr Leben sagt: „Ich habe wirklich großes Glück. Ich habe drei Mütter: eine, die mich geboren hat, eine, die mich aufzieht, und eine, die mir ein neues Leben gegeben hat.“

Khushi 2025: ein glückliches Studentenleben

Heute ist Khushi 20 Jahre alt. Sie studiert Development Studies an der Kathmandu University und hat ihre Leidenschaft gefunden: nachhaltige Entwicklung, Frauenrechte und -gesundheit und Umweltverträglichkeit. Ihr Studium verknüpft sie bereits mit Projekten in ihrer Heimat Mugu, die sie auf Freiwilligenbasis mit unserem Projektteam durchführt.

Über ihre Entwicklung sagt sie selbst: „Durch das Studium lerne ich auf eigenen Füßen zu stehen – und die sollen mich noch weit tragen.“

Das Studentenleben steht ihr gut. Sie ist nicht nur selbst glücklich, sie stiftet auch Glück, ganz im Sinne ihres Namens: Khushi wird mit „glücklich“ übersetzt. Sie engagiert sich im Rotaract Club Kathmandu Metro, organisiert Projekte und übernimmt gerne Verantwortung. Gleichzeitig ist sie eine liebevoll-strenge Mentorin für ihre jüngere Schwester Amrita, die seit ein paar Jahren in derselben Pflegefamilie in Kathmandu lebt.

Zwischen den Welten

Als sie diesen Herbst in ihrem Heimatdorf in Mugu verbringt, beteiligt sie sich an unserem Projekt „Chhaupadifreie Dörfer“. Sie spricht offen mit den Dorfbewohnern über Chhaupadi, die althergebrachte Tradition, Frauen während der Menstruation in Viehställen zu isolieren. Eingängig beschreibt sie ihren eigenen Zwiespalt, wenn sie aus Kathmandu in die Berge kommt und dort während der Periode im Kuhstall ausharren soll. Sie zeigt auf, dass die Frauen im restlichen Nepal ihre Menstruationen hygienisch im sicheren Zuhause verbringen und deswegen nicht von den Geistern bestraft werden. Sie bringt die Menschen zum Nachdenken. Ihre eigene Familie in Mugu hat sich dieser alten Praxis seither abgewandt – ein Schritt, den Khushi stolz „die Veränderung, die zu Hause beginnt“ nennt.

Während ihres Aufenthaltes in Mugu erfüllt sich Khushi einen langgehegten Traum: einen Trek zum Murma Top, 3.600 m hoch. Als sie schließlich nach einem langen Aufstieg von dem Gipfel auf die umliegenden Berge ihrer Heimat schaut, sagt sie:
„Hier wird mir bewusst, welchen Unterschied ich einmal machen möchte.“

Ihre Hilfe bringt Menschen zum Leuchten

An Khushi wird sichtbar, welche Zukunft wachsen kann, wenn ein Mensch nicht aufgegeben wird und Unterstützung genau dort ankommt, wo sie gebraucht wird. Deshalb möchte ich Ihnen zum Schluss ihre eigenen Worte schenken: „Alles, was ich heute bin und noch werde, verdanke ich Menschen, die an mich geglaubt haben, bevor ich das selbst konnte. Ich werde dieses Licht mithilfe von Back to Life immer weitertragen.“
Helfen Sie dabei mit, liebe Freunde von Back to Life.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Lieben einen besonderen zweiten Advent,

Ihre / Eure Tara Stella Deetjen