TEILNAHME AM ASIAN YOUTH FESTIVAL

Ende Januar 2012 durften die ältesten Kinder unseres Kathak- und Tabla-Unterrichtes ihr Talent innerhalb eines ganz besonderen Rahmens zur Schau stellen. Archana (13), Moni (11), Sumitra (12), Devid (12), Poonam (13), Swati (12), Anita (13) und Sonu (16) sowie neun weitere Mädchen aus dem Kinderrechte-Programm reisten für eine Woche ins 700 km entfernte Kalkutta, um während des „Asian Youth Festivals“ ihren Bundesstaat Uttar Pradesh mit Tanz,- Gesangs- und Musik-Darbietungen zu vertreten. Im Rahmen der Veranstaltung, die dieses Jahr unter dem Motto „Consciousness of Oneness“ – (sinngemäß „Bewusstsein des Einssein“) stattfand, trafen 384 Jugendliche aus 18 indischen Bundesstaaten sowie den Nachbarländern Nepal, Bhutan, Bangladesh und Sri Lanka zusammen. Die Mädchen und Jungen stammten allesamt aus den ärmsten und benachteiligsten Gesellschaftsschichten. Die Einladung, der unter der Schirmherrschaft von Mutter Theresa gegründeten „Young Men ́s Welfare Society“, erfolgte bereits im November und seitdem begannen sich unsere Kinder in regelmäßigen Übungsstunden auf die Veranstaltung vorzubereiten. Unglücklicherweise fiel gerade in diesem Moment unser langjähriger Tanz- und Kathak-Lehrer, Mata Prasadji, krankheitsbedingt aus. Doch unsere Kinder wussten sich schnell zu helfen und wählten Sonu als stellvertretenden Lehrer und Choreographen. In vielen, natürlich auch sehr lustigen Übungsstunden brachten sich die Kinder fortan alle Tanzschritte und Bewegungen selbst bei. Nach wochenlanger Vorfreude ging es dann am Abend des 22. Januar 2012 endlich los. Mit dem Nachtzug nach Kalkutta die Reise anzutreten, sorgte bereits zu Beginn für große Freude. Die aufklappbaren Liegen wurden ausgiebig zum Turnen und Spielen genutzt. Rajesh Rai, Leiter des Kinderheims, und Mrs. Chanda, die Sozialarbeiterin aus den Slums, hatten als begleitende Betreuer gleich einen kleinen Vorgeschmack erhalten, wie bunt und lebhaft die kommenden Tage sein würden. 

Als sie am nächsten Morgen zum Sonnenaufgang in Kalkutta eintrafen, bezogen sie sogleich ihr neue Unterkunft. Die mit Matratzen ausgelegten Klassenzimmer der „Children Foundation School“ dienten in der kommenden Woche als Schlafstätte und die großzügige Gartenanlage wurde zum Austragungsort für gemeinsame Spiele, Kunst- und Sportwettbewerbe sowie für Kurse zur Weiterentwicklung der Gesangs- und Tanzkünste genutzt. Nachdem die Rucksäcke abgelegt und die Matratzen bezogen waren, ging es gleich daran, die anderen Kinder aus den weitentfernten Bundestaaten oder Nachbarländern kennenzulernen. Am Abend erfolgte eine ungezwungene Begrüßung durch den Veranstalter und im Anschluss durften die Kinder zwischen unterschiedlichen Tanz- und Gesangskursen wählen, die unter der Leitung von weltberühmten Künstlern standen. Sonu hatte das riesige Glück, ganze zwei Stunden von dem berühmten Kathak-Meister, Asim Bandhu Bhattacharyya, unterrichtet zu werden. Er strahlte voller Freude. Nach zwei Tagen des lockeren Kennenlernens erfolgte die offizielle Eröffnung des viertägigen Festivals am Abend des 23. Januar in den Hallen des Kala Mandir Veranstaltungszentrums. Im Anschluss an die Ansprache des Gouverneurs des Bundesstaats West-Bengals zeigten die Teilnehmer aus Bhutan, Sri Lanka, Nagaland, Mizoram, Kerala und Himanchal Pradesh klassische traditionelle Tänze aus ihrer Region. 

Der Rest der Woche wurde durch einen dichten, aber spannenden Terminplan bestimmt, der, neben den gemeinsamen Kursen und Vorbereitungen für die abendlichen musischen Darbietungen, auch reichlich Zeit bot, tagsüber ein buntes und abwechslungsreiches Programm aus Kultur- und Unterhaltung zu absolvieren. Die Besichtigung berühmter Wahrzeichen der Millionenmetropole, wie zum Beispiel des Kali- oder Ramakrishna-Tempels, hinterließen einen bleibenden Eindruck bei den Kindern. Doch die Herzen richtig höher schlagen ließen: das erste Mal mit einer U-Bahn fahren (Metro), der Besuch des Zoos und der Science City (ein technisches Museum für Kinder) und natürlich der Ausflug in den Nicco-Freizeit-Park. Swatis Herz rast heute noch, wenn sie aufgeregt von ihrer ersten Achterbahn-Fahrt berichtet. Am letzten Abend des Festivals bot sich nun auch endlich unseren Kindern die Chance, zu zeigen, was sie können. Die lebhafte und bezaubernde Tanzdarbietung des Titels „Raadha kaise njale“ hinterließ einen bleibenden Eindruck bei allen Zuschauern und wurde mit tosendem Beifall gewürdigt. Applaus, der noch viel süßer schmeckte, da sich die Kinder diesen ganz alleine erarbeitet hatten. Umso ausgelassener feierten sie den Abschluss des Festivals im Rahmen der Kinderdisco. Nach einer Woche hieß es dann, Abschied zu nehmen von neuen Freunden und unvergessliche Momente mit nach Hause zu nehmen. Als die Kinder glücklich und erschöpft im Kinderheim ankamen, blieben sie natürlich nicht von der Neugierde der anderen Kinder verschont. Tagelang erzählten Sonu, Moni, Sumitra, Devid, Poonam, Swati, Anita und Archana von ihren großen und kleinen Abenteuern die lustigsten Geschichten oder auch von exotischen Gerichten. Devid beispielsweise bemerkte, dass sie in Kalkutta wohl „in jede einzelne Speise Zucker geben, aber nur eben nicht in den Tee“, wie man es doch in Benares gewohnt sei...

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