SOZIALE HILFEN FÜR BEDÜRFTIGE IN BENARES

Hier eine kleine Auswahl an Maßnahmen aus unseren damaligen Programm:

 

EINE ECHTE PERSPEKTIVE FÜR EIN BLINDES MÄDCHEN

Bericht von 2012 – Vandana ist von Geburt an blind und lebt mit ihren Eltern und dem neunjährigem Bruder Pardup in dem 15 Kilometer von Benares entfernten Dorf Khalispur, einem von 40 Dörfern, die wir im Rahmen unseres Kinderrechteprogramms betreuen. Ihr Vater kann den Lebensunterhalt durch Rikshawfahren nicht sichern, da er in den entlegenen Dörfern nicht ausreichend verdienen kann. Ihre Mutter kümmert sich um den Haushalt und versucht, wie die meisten Frauen im Dorf, das geringe Einkommen durch die Herstellung von Schmuckketten (Malas) aufzubessern. Für 72 Malas zahlt ihr der Zwischenhändler 10 Rupien (15 Cent). Ein Spottpreis, wenn man bedenkt, dass sie höchsten 12 pro Stunde herstellen kann und die Ketten in den Geschäften in Benares pro Stück für 20-30 Rupien weiterverkauft werden.

Blinde Kinder, überhaupt alle mit körperlichen Behinderungen, laufen in der indischen Gesellschaft Gefahr, aufgrund ihrer Abhängigkeit und Erwerbslosigkeit ein besonders hartes Leben erfahren zu müssen. Auch wenn Vandana jetzt in jungen Jahren noch mit dem fürsorglichen Schutz ihrer Familie rechnen kann, sorgt sich ihre Mutter um ihre ungewisse Zukunft.

Als wir über unsere Sozialarbeiterin vom Schicksal Vandanas erfuhren, entschlossen wir uns sofort, dem Mädchen auf lange Sicht zu helfen. Wir nahmen Kontakt mit der „Jeevan Jyoti“- Blindenschule auf und finanzierten ihre Aufnahme in das Internat. Vandanas Mutter weinte Tränen der Erleichterung und der Hoffnung. Die Siebenjährige kann ab sofort in einem sicheren und geschütztem Umfeld leben und durch spezielle Förderung eine gute Schulausbildung absolvieren, so dass sie später in der Lage ist, ihren Lebensunterhalt selbst zu bestreiten. Vandana hat sich durch die liebevolle Betreuung ihrer Lehrer schnell in ihrem neuen Umfeld eingelebt. Eine neue Freundin hat sie auch bereits gefunden: Kabitha, die Tochter unserer Köchin Shakila, deren Ausbildung wir seit mehreren Jahren ebenfalls unterstützen.

 

VOR DER GEHÖRLOSIGKEIT BEWAHRT

Bericht von 2012 – während wir Umesh (16) vor mehr als acht Jahren in unser Kinderheim aufnahmen, wuchs Pawan bei seinem Onkel im 70 Kilometer von Benares entfernten Mirzarpur auf. Dort passierte letztes Jahr auch jenes Unglück, das den kleinen Jungen fast das Gehör kostete. Während des fünftägigen Diwali-Festivals, das gleichsam auch als Lichterfest bekannt ist, gehören Feuerwerk und Knallkörper zum begleitenden Rahmenwerk. Zwar ist es laut jüngstem Gesetz offiziell verboten, mit Knallkörpern zu spielen, deren Lautstärke 60 Dezibel überschreiten. Doch dies hindert viele, vor allem Jugendliche, nicht daran, sich auf dem Schwarzmarkt billige,mehrfach lautere und leider gefährliche Sprengkörper zu kaufen, um sich dann vermeintlich spaßeshalber wilde Straßenschlachten zu liefern. Wenn dann noch Alkohol dazukommt, kann sich dies zu einer oftmals fatalen Mischung entwickeln.

Als Pawan abends um die Ecke noch schnell Milch holen wollte, lief er direkt in die Wurfbahn eines solchen Böllers hinein. Zur falschen Zeit, am falschen Ort und plötzlich konnte Pawan nichts mehr hören. Sein Onkel wartete ein paar Tage ab und hoffte, dass sich das Gehör wieder von selbst erhole, doch nur auf einem Ohr trat langsam ein wenig Besserung ein. Leider gibt es in Mirzapur keinen HNO-Spezialisten, geschweige denn, dass sich der Onkel die Behandlungskosten bei einem Facharzt hätte leisten können. Der Besuch beim „indischen Wunderheiler“ verhalf auch nicht zur gewünschten Besserung, sondern verschlechterte den Zustand des kleinen Jungen nur noch zusätzlich. Umesh war sehr traurig, als er vom Schicksal seines kleinen Bruders erfuhr, und wandte sich sofort an unseren Projektleiter um Hilfe. Christian bot ihm daraufhin an, den kleinen Jungen nach Benares zu holen, damit er von unserem Spezialisten Dr. Mishra untersucht werden konnte. Gesagt, getan. Doch nach der ersten Untersuchung gab uns der HNO-Arzt zu verstehen, dass nur noch wenig Hoffnung auf eine Genesung bestünde und verschrieb für drei Monate entsprechende Medikamente. Doch wie befürchtet, konnte die Arznei nicht helfen. Zum Wohl des kleinen Pawans haben wir uns entschlossen, ihm ein notwendiges Hörgerät zu kaufen, so dass seiner weiteren Entwicklung nichts mehr im Wege steht und er zügig wieder an seinen Alltag anknüpfen und am Schulunterricht teilnehmen kann. Die Dankbarkeit von Umesh, dass sich Back to Life sofort für seinen Bruder einsetzte, lässt sich kaum in Worte fassen. Umso mehr freuen wir uns für die beiden, so schnell und wirkungsvoll helfen zu können.

 

DEM LEID FOLGT NOCH MEHR LEID

Bericht von 2012 – bereits 2012 berichteten wir über das traurige Schicksal von Savitri, einer nur vierundzwanzig Jahre jungen Frau, deren ganzer Körper mutwillig von Ehemann und Schwiegermutter mit Batteriesäure verätzt wurde. Ihr sanftmütiges und zugleich stolzes Wesen, außer der notwendigen medizinischen Hilfe zur Wundversorgung, keine weitere Unterstützung entgegen nehmen zu wollen, beeindruckte uns sehr. Savitrtri versucht, den täglichen Lebensunterhalt durch den Verkauf von Postkarten zu sichern. Seit ihrer Ankunft in Benares schläft sie auf den Treppenstufen des Dasaswamedh-Ghat.

Umso trauriger ist, dass Savirtis Leid und Unglück nicht abzunehmen schien. Bereits das zweite Mal in diesem Monat hätten sie Unbekannte nachts schlafend niedergerungen, die Hände auf den Mund gedrückt, so dass sie nicht schreien konnte und gleichzeitig alles Hab und Gut abgenommen; Geld, Postkarten, einfach alles. Fortan ist sie als „leichtes Opfer“ gebrandmarkt und würde dasselbe Schicksal immer und immer wieder erfahren. Um sie vor weiteren Tätlichkeiten zu schützen, finanzieren wir nun ein kleines Zimmer für Savitri und unterstützen sie beim Kauf der wichtigsten Einrichtungsgegenstände, wie zum Beispiel Gaskocher, Geschirr, Besteck und Matratze.