Die Chepang

Im kleinen, nur mit Stroh gedeckten Holzhaus liegen die zerlumpten Schlafmatten auf dem Boden. An der Wand hängt ein „Jaabi“, eine Tasche geknüpft aus Pflanzenfasern. Darin werden wilde Früchte, Beeren und Essbares im angrenzenden Wald gesammelt. Die Chepang haben ihr Nomadenleben noch immer im Blut, auch wenn sie vor knapp 100 Jahren zwangsweise angesiedelt wurden. Die friedliche, freundliche Volksgruppe gilt als die vergessene Ethnie Nepals. Sie zählen zu den Ärmsten, den Ungebildeten, die selbst nur zögerlich um Hilfe bitten würden – auch in Unkenntnis ihrer Rechte.

Eine Nomandenkultur, die verloren geht

Die „Kenner des Waldes“ verlieren zusehends ihre alte Kultur. Ihre eigene Sprache „Chepang“ ist noch geläufig, vieles andere gerät über die häufige Konvertierung zum Christentum sowie die Mund zu Mund-Übermittlung in Vergessenheit: Feste, indigene Praktiken, schamanische Riten und das Wissen über die Heilkraft der Natur.

Glaube, Ahnen- und Geburtsritual

Die Ahnenverehrung durch das große Fest „Kulain Puja“ nach wie vor besondere Bedeutung. Die lange Zeremonie wird von einem „Pande“, dem Priester der Sippe, abgehalten. Alte Traditionen prägen auch die Kindsgeburt: Nach der Geburt gilt die Mutter als unrein und der Haushalt muss sich einem achttägigen Reinigungsritual unterziehen. Erst nach 22 Tagen darf die Mutter wieder am normalen Leben teilhaben.

Leben und Ernährung

Als die früheren Jäger und Sammler von der nepalesischen Regierung zum Siedeln gezwungen wurden, suchten sie nach wie vor die Nähe zum Wald. Das schlechte Ackerland dort bringt allerdings so wenig Ertrag, dass die gesamte Ernte oft nur für ein halbes Jahr reicht. Gesammelte Waldfrüchte müssen die Mahlzeiten ergänzen, viel muss zugekauft werden. Das Leben der Chepang hängt auch vom Lohn ab, den die Männer außerhalb zuverdienen. Es ist karg und hart.

Unser Einsatz für die fast vergessenen Chepang

Die Chepang leben in unserer Projektregion Chitwan. Als fast vergessene kleine Minderheit erhalten sie so gut wie keine Hilfen. Genau das ist der Grund für unseren Einsatz. Aktuell unterstützen wir in der Region 600 Mädchen und Jungen unter anderem durch unsere Schulprogramme. 200 Kinder davon gehören zur Gruppe der Chepang. Da die Landwirtschaft nicht genug abwirft, animieren wir die Familien außerdem zur Hühner- und Ziegenzucht. Leider verlassen aufgrund der großen Armut viele Männer ihre Familie und arbeiten auf Baustellen. Junge Männer suchen oft ihr Glück in den großen Städten oder im Ausland.

Persönliche Einblicke in das Leben einer Chepang-Familie

Die 11jährige Sundari winkt zum Abschied. Sie geht in die 5. Klasse der Dhamili Schule. Mit ihren Schwestern Melina (9), Ijarayali (8) und dem kleinen Bruder Prithvi (4), den Eltern Chandra Bahadur (31) und Chandrimaya (30) sowie den Großeltern Bir Bahadur (80) und Mailimaya (78) lebt sie in einem einfachen Chepang-Haus. Angeregt durch unsere Gesundheitsaufklärung baute die Familie auch eine Toilette, Solarzellen aus unserem Umweltprogramm liefern Strom. Aus dem Anfangsbestand unseres Programms zur Einkommensförderung, ist der Viehbestand der Familie inzwischen auf 3 Ziegen, 2 Rinder und 5 Hühner mit Hahn angewachsen; um deren Pflege sich vor allem die Großeltern kümmern. Als älteste Tochter hilft Sundari fleißig im Haushalt. Sie holt Wasser, füttert die Tiere, kocht mit und macht den Abwasch. Die drei Töchter der Familie werden über das Patenschaftsprogramm von Back to Life nachhaltig gefördert. So können sie zur Schule gehen und für eine selbstbestimmtere Zukunft lernen.

Die Chepang stellen die kleinste Minderheit Nepals mit nur rund 68.000 Menschen. Sie leben in Chitwan und den angrenzenden Gebieten. Sie gelten als das vergessene Volk unter den knapp 29 Millionen Nepali.

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