Die Handtrommel „Damphu“ heizt den Rhythmus an. Die Tanzenden werden schneller, ihre Bewegungen wilder. Der Tanz „Tamang Selo“ zieht jeden in seinen Bann. Die Tamang, eine der größten tibetisch-burmesisch sprechenden Ethnien in Nepal, pflegen ihre zahlreichen Traditionen, die sie ursprünglich aus Tibet mitbrachten. Seit dem 3. Jahrhundert leben sie im Kathmandutal und dem zentralen Hügelland.

Reiche Kultur und dabei modern

Die Tamang geben sich gerne auch äußerlich traditionell: Viele Frauen tragen an besonderen Tagen ihre ausgefallene Tracht samt bunter Schürze und Hut. Auch die Männer sind mit Hut, einer speziellen Weste, Hemd und Hosen farbenfroh gekleidet. Modern denken sie trotzdem: Ehen werden nicht arrangiert – außer in reichen Familien –, man sucht sich aus, wer einem gefällt. Selbst eine uneheliche Schwangerschaft stellt kein großes Problem dar.

Glaube, Ahnen- und Totenkult

Bei den gläubigen Buddhisten findet sich in jedem größeren Dorf ein Kloster. Denn Götter spielen eine wichtige Rolle – im Leben jeder Familie. Auch den Ahnen werden regelmäßig Essensgaben dargebracht. Eine weitere Besonderheit gegenüber anderen Ethnien in Nepal stellt die Todeszeremonie dar: Tote werden so weit entfernt wie möglich auf der Spitze eines Hügels verbrannt. Der „Lama“ (Priester) legt dafür den besten Tag fest.

Leben und Ernährung

Ihren Lebensunterhalt bestreiten die Tamang mit Landwirtschaft. Zwar halten sie auch Rinder, essen jedoch keine Milchprodukte. Allein der Dung zum Düngen und die Zugkraft der Tiere für die Feldarbeit sind wichtig. Am Abend kommt dann oft traditionelles „Dhindo“ auf den Tisch: geröstetes Gerstenmehl, das mit Buttertee zu Klößen geknetet wird. Dazu vielleicht noch eine scharfe Gemüsesuppe.

Die Situation der Tamang – nach den Erdbeben 2015

Die Tamang leben in Nuwakot, einer Region, die durch die Erdbeben 2015 stark zerstört wurde. Neben dem Verlust der Häuser bedeutete dieses schreckliche Ereignis für die Menschen und ihren Zusammenhalt eine Katastrophe: Viele Familien und Dorfgemeinschaften wurden auseinandergerissen. Männer sind in die Städte, junge Menschen ins Ausland gegangen. Alles, um Geld zu verdienen. Irgendwo, weit weg von ihren Lieben.

So berichtet auch Shantimaya Tamang: „Ich konnte mir nicht vorstellen, wie wir mit unserem Einkommen unser Haus in diesem Leben jemals wiederaufbauen sollten.“ Ihr Ehemann ist in Saudi-Arabien. Von seinen Geldsendungen konnte sie einen weiteren Kredit aufnehmen und ein einfaches Haus für die Familie bauen.

Um die Menschen beim langfristigen Wiederaufbau zu unterstützen, erklärte Back to Life Nuwakot damals zum neuen Projektgebiet und fördert seitdem vor allem den Ausbau der schulischen Infrastruktur und das Bildungsprogramm sowie die Trinkwasserversorgung.

Persönliche Einblicke in das Leben einer Tamang-Familie – heute

Gangamaya Ghalan heizt den Ofen mit der Biogas-Anlage an. Ihre Tochter Smriti ist gerade aus der Thakaltar Schule gekommen, der kleine Chiran aus dem Kindergarten. Mit den Großeltern lebt die sechsköpfige Familie in einem einfachen Haus. Auf die eigene richtige Toilette sind sie stolz; diese speist die Biogas-Anlage und trägt so nicht nur zur Hygiene, sondern auch zu einer umweltschonenden Energiegewinnung bei. Das Bildungs-, Gesundheits- und Umweltschutzprogramm von Back to Life zeigt so jeden Tag Wirkung im Alltag. Auch wenn der Vater sein Geld weit weg als Tagelöhner verdient und die eigene Ernte beschränkt ist, kann die Mutter mit einer Spargruppe in der Nachbarschaft finanzielle Engpässe überwinden und zusammen mit anderen in landwirtschaftliche Hilfsmittel investieren. Angeregt wurde die Gruppe von Back to Life; die Menschen haben hier gelernt, wie sie selbst Herr ihrer Finanzen sein können und gemeinsam viel mehr erreichen. So kann ihr Traum von einem unabhängigen Leben ihrer Kinder Gestalt annehmen.

Die Tamang stellen circa 5,8 Prozent der rund 29 Millionen Nepali. Sie leben in Nuwakot und in Chitwan. Auf unbefestigten Straßen erreicht man sie in ca. 4-6 Autostunden von Kathmandu. 2015 erschütterten mehrere schwere Erdbeben die Region.

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