Nepal im Profil

Nepal liegt in Südasien zwischen Tibet im Norden und Indien im Süden. Es verfügt über eine Fläche von 147.516 Quadratkilometern, rund 40% der Größe Deutschlands. 39 % der 30 Millionen Einwohner leben unter der Armutsgrenze von 3,20$ pro Tag und Kopf (Weltbank, 2019). Das Durchschnittsalter der Bevölkerung ist bei 21 Jahren. 30% der Wirtschaftsleistung Nepals wird von den 3 Millionen Nepali erbracht, die als Gastarbeiter im Ausland oft unter unwürdigen Bedingungen arbeiten.

Nepal befindet sich in einer seismisch aktiven Zone, insbesondere das Himalaya-Gebiet gilt als stark erdbebengefährdet. Das letzte Mal führten 2015 schwere Erdbeben zu 8510 Todesopfern, Tausenden von Verletzen und erheblichen Sachschäden, die weiterhin die Infrastruktur beeinträchtigen.

Es herrscht Monsunklima. Während der von Juni bis Anfang Oktober andauernden Monsunzeit entstehen in ganz Nepal durch plötzlich auftretende und oft länger anhaltende Unwetter immer wieder Überschwemmungen, Sturzfluten und Erdrutsche.


Geographie und Geologie – ein Land der Extreme

Ein Großteil des Himalayas befindet sich in Nepal, darunter natürlich der Mount Everest, aber auch sieben weitere der zehn höchsten Berge der Erde. Der Name „Hima’al-aya“ stammt aus dem Sanskrit und bedeutet „Heimat des Schnees“. Nach den Polen sind die ca. 15.000 Gletscher des Himalayas mit 3.000 Kubikmeilen der größte Eis-und Wasserspeicher.

Das Land gliedert sich in drei geographische Zonen: Das Terai, ein schmaler Landstrich im Süden Nepals, mit tropischem Klima und fruchtbaren Böden, die einst dicht bewaldet waren.

Das Mittelgebirge, eine stark zerklüftete, steile Landschaft, welche sich bis auf ca. 2.000 Meter Höhe erstreckt. Hier liegt das Kathmandu-Tal, welches seit jeher einen Großteil von Nepals Bevölkerung beherbergt.

Und dann gibt es natürlich noch das Hochgebirge mit seiner imposanten Himalaya-Hauptkette. Hier herrscht ein raues alpines Klima. Je höher man steigt, desto spärlicher wird die Vegetation und desto länger und härter sind die Winter. Die Gegend ist dementsprechend nur dünn besiedelt. Insgesamt liegen mehr als 40% der Landesfläche auf einer Höhe von über 3.000 Metern.

Der tiefste Punkt des Landes befindet sich auf 59, der höchste auf 8848,68 Metern.


Hoch hinaus – ein Land der Rekorde

Aufgrund seiner einzigartigen Landschaft, Flora, Fauna und Tierwelt, ist Nepal ein Mekka für die weltweite Bergsteiger- und Trekker-Szene.

Den Mount Everest, von manchen auch als „Dritter Pol“ bezeichnet, teilt sich Nepal (dort „Sagarmata“ genannt) mit Tibet („Chomolangma“). Die Erstbesteiger des Mount Everestwaren am 29. Mai 1953 Sir Edmund Hillary und Tenzing Norgay. 25 Jahre später erreichten Reinhold Messner und Peter Habeler den Gipfel ohne Sauerstoff. Das waren noch Zeiten! Zwei Jahre danach bestieg Messner den Everest solo, wieder ohne Sauerstoff. Der Sherpa Kami Rita hält den Rekord für die meisten Besteigungen – 25 Mal war er auf dem Gipfel. Heutzutage ist die Besteigung des Everest zu einer Bucket-List-Angelegenheit geworden, dank dem Einsatz der Sherpa, die den Weg bis zum Gipfel präparieren, für den Sauerstoff sorgen, die Lasten tragen und die Versorgung am Berg übernehmen. Mit den obengenannten Leistungen hat das nichts mehr zu tun. Jedes Jahr im Mai gibt es einen Ansturm am höchsten Berg der Welt, der in einem Stau zum Gipfel mündet. Das hat bereits viele unnötige Todesopfer gefordert, über 300 Menschen haben dort ihr Leben gelassen bei 8400 Besteigungen. Der Berg wird leider als höchste Müllkippe der Welt hinterlassen. Das Basislager auf 5400 Metern wird mit jeder Saison größer. Die Regierung nimmt gleichzeitig viel Geld mit den „Permits“ ein, pro Kopf werden 11.000 Dollar fällig.

Auch die artenreiche Tierwelt zieht Besucher an. Das Panzernashorn, wilde Elefanten, Affen, Schlangen, der Bengalische Tiger, der Rote Panda, das Yak und der Schneeleopard sind in Nepal heimisch, genauso wie die weltgrößte Motte, die Atlasmotte. Laut Legende auch der Yeti. Um die 870 Vogelarten erfreuen die Ornithologen, über 360 verschiedene Orchideen und fast 6000 Blumenarten bringen Nepals Biodiversität zum Leuchten. 19% des Landes ist geschützt oder National Park. Und die Kuh ist landesweit heilig.



Faszinierende kulturelle Vielfalt

Auch die kulturelle und ethnische Diversität des Landes ist enorm. Insgesamt gibt es mehr als 100 verschiedene Ethnien, welche sich in 123 Sprachen und Dialekten verständigen. Durch die lange Abgeschiedenheit Nepals haben sich viele einzigartige religiöse, rituelle und kulturelle Traditionen entwickelt. Dazu ist Nepal seit jeher sowohl stark vom Hinduismus als auch vom Buddhismus beeinflusst. Etwa 80% der Bevölkerung sind Hindus, etwa 10% Buddhisten. Eine der berühmtesten Persönlichkeiten aus Nepal ist Siddhartha Gautama, als „Buddha“ verehrt. Er soll ungefähr im Jahre 500 v. Chr. in Lumbini, Nepal, geboren sein. Aber auch andere Religionen wie der Islam und das Christentum sind in Nepal vertreten und existieren friedlich nebeneinander. Heutzutage ist Nepal ein säkularer Staat, doch das hinduistische Kastensystem ist immer noch einer der Grundpfeiler der Gesellschaft. Religiöse Riten und Regularien sowie der Schamanismus spielen weiterhin eine wichtige Rolle im Alltag der Menschen. So überrascht es nicht, dass Nepal über ein reiches kulturelles Erbe verfügt. Besonders beeindruckend sind die unzähligen Stupas, Tempel und Pagoden sowie die aufwendig zelebrierten traditionellen Festivals, wie z.B. Dashain, Gai Jatra, Holi und Diwali (Tihar).


Nepals langer Weg zur Demokratie

Nepal ist eines der ältesten Länder in der Region Südasien und wurde über lange Zeit hinweg von hinduistischen Fürsten und tibetischen Königshäusern regiert. Von dort war es ein langer Weg zur Demokratie für die kleine Nation, welche allein in den letzten 70 Jahren ganze drei Mal für den politischen Wandel gekämpft hat. 1951 wurde Nepal von der Herrschaft der Oligarchenelite der „Ranas“ befreit, welche das Land für mehr als 100 Jahre unter ihre Kontrolle gebracht hatten. Dazu verbündeten sich revolutionäre Gruppierungen aus der Bevölkerung mit der Königsfamilie und stellten die Autorität des Königs Tribhuwan wieder her. Diesmal allerdings in Form einer konstitutionellen Monarchie, bei der das Volk durch ein demokratisch gewähltes Parlament vertreten werden sollte. Nach dem frühen Tod König Tribhuwans 1955 kam sein Sohn Mahendra an die Macht. Dieser erstickte die junge Demokratie Nepals jedoch im Keim. Kurzerhand setzte er die damalige Konstitution außer Kraft, verbot die politischen Parteien und regierte ab 1960 als alleiniger Machthaber. Als Mahendra 1972 starb, wurde sein Sohn Birendra König von Nepal. Geprägt durch seinen Bildungsweg in England, Japan und den USA zeigte sich König Birendra offen für ein Nebeneinander demokratischer und monarchischer Strukturen. Nichtsdestotrotz ließ der Wandel bis 1990 auf sich warten. In diesem Jahr hob der König aufgrund einer wachsenden Demokratiebewegung in der Bevölkerung das Verbot der politischen Parteien auf und führte die konstitutionelle Monarchie mit Mehrparteiensystem und Parlament wieder ein.

Doch auch dieses System währte nur für kurze Zeit. Die Kommunistische Partei Nepals, die Maoisten, stellten sich massiv gegen das Mitwirken der Monarchen in der Regierung. Von 1996 bis 2006 befand sich Nepal in einem blutigen Bürgerkrieg, der fast 13.000 Menschen das Leben kostete. 2001 wurden König Birendra und weitere Mitglieder der Königsfamilie bei einem brutalen Massaker getötet, welches bis heute nicht aufgeklärt ist. Mit Gyanendra (Bruder des Königs) wurde ein weiterer Monarch gekrönt, dieser scheiterte jedoch bei dem Versuch, sich gegen die nun verbündeten Parteien und Maoisten durchzusetzen. Landesweite Streiks, Demonstrationen und Druck der internationalen Gemeinschaft führten schließlich dazu, dass 2008 die Monarchie in Nepal offiziell beendet wurde. Die neue Konstitution trat 2015 in Kraft. Heute steht Nepals Premierminister der Exekutive vor, welcher durch das demokratisch gewählte Parlament aufgestellt wird.


Entwicklungsland mit vielen herausforderungen und Chancen

Nepal hat in den letzten Jahrzehnten viele Fortschritte erzielt. In den letzten 20 Jahren hat sich die Anzahl der Menschen, die unter der Armutsgrenze leben, halbiert. Doch noch immer gehört es zu den ärmsten Ländern der Welt.

Die Vereinten Nationen zählen Nepal, zusammen mit Eritrea oder Afghanistan (u.a.), zu den sogenannten „Least Developed Countries“. In dem jährlichen Ranking der Vereinten Nationen, welches den Entwicklungsstand von 189 Ländern miteinander vergleicht, liegt Nepal auf Platz 147 – Deutschland dagegen ist auf Platz 5 zu finden (Human Development Report, 2018).

Gegenwärtig liegen vor allem folgende entwicklungspolitische Themen im Fokus von Regierung, externen Akteuren und Zivilgesellschaft:

  • Qualität der Bildung
  • Ernährungssicherheit und Mangelernährung
  • Mutter-Kind-Gesundheit
  • Luftverschmutzung und damit zusammenhänge Krankheiten
  • Wirtschaftsförderung im Inland (z.B. Tourismus und Landwirtschaft)
  • Nachhaltiges Ressourcenmanagement
  • Versorgung mit sauberer Energie
  • Anpassung an den Klimawandel
  • Katastrophenvorsorge (u.a. sorgfältig geplante und sichere Infrastruktur)
  • Ungleichheit und Diskriminierung

Obwohl sich der Entwicklungsstand des Landes im Durchschnitt stark verbessert hat, gibt es deutliche Unterschiede zwischen Stadt und Land, Kasten und ethnischen Gruppen sowie zwischen Männern und Frauen. Die Dalits, auch „Unberührbare“ genannt, sind die am meisten benachteiligte Bevölkerungsgruppe – ihnen gilt die niedrigste Position in der gesellschaftlichen Hierarchie Nepals, was sich noch immer in einer niedrigeren Lebenserwartung und einem geringeren Lebensstandard niederschlägt.

Insbesondere die Gebirgsregion Karnali, genauer das Distrikt Mugu, die eine unserer Projektregionen ist, liegt bei sämtlichen Entwicklungsindikatoren weit zurück.

Indikator Nepal 2009* Nepal heute** Deutschland
Lebenserwartung 67,5 Jahre 70,6 Jahre 81,2 Jahre
Durchschnittliche Jahre in Schule / Ausbildung / Studium 3,2 Jahre 4,9 Jahre 14,1 Jahre
Alphabetisierungsrate (m) 69,67 % 78,59% 99%
Alphabetisierungsrate (w) 38,44% 60% 99%
Abschlussquote Grundschule 61,7% 73,5% 96,4%
Netto-Einschulungsquote Sekundarstufe 47,4% 57,5% keine Angaben
Müttersterblichkeitsrate pro 100.000 Lebendgeburten 349 258 6
Sterblichkeitsrate Neugeborene pro 100.000 Lebendgeburten 28,7 19,9 2,2
Sterblichkeitsrate Kinder unter 5 Jahren 49,3 32,2 3,7
Geburten mit professioneller Betreuung (Hebamme, Krankenpfleger/in, Arzt) 19% 36% 99%
Sterbefälle, die auf unsauberes Wasser und mangelnde Hygiene zurückzuführen sind (pro 100.000 Einwohner) k.A. 19,8 0,6
Kinder mit Untergewicht unter 5 Jahren 38,8% 27% 01%
Bruttonationaleinkommen pro Kopf (nach Kaufkraftparität) 1.597 USD 2.471 USD 46.136 USD
Zugang zu Elektrizität der Landbevölkerung 55,3% 74% 100%
Anteil der Bevölkerung, der hauptsächlich Holz zum Anfeuern beim Kochen verwendet k.A. 80% k.A.
CO2 Emissionen pro Kopf 0,2t 0,3t 8,9t
Waldfläche 24.5% 24.5% 33%


* Daten von 2009 oder dem nächsten verfügbaren Jahr.
** Daten von 2018 oder dem nächsten verfügbaren Jahr.
*** Alle Daten stammen von Quellen der Vereinten Nationen, Weltgesundheitsorganisation, Weltbank oder dem 2016 National Demographic Health Survey der Regierung Nepals.

Das könnte Sie auch interessieren

Kontakt
© Back to Life e.V.
Alle Rechte vorbehalten
Spendenkonten
  • Kontoinhaber: Back to Life e.V
  • IBAN: DE94 5008 0000 0729 9990 02
  • BIC: DRESDEFFXXX
  • Bank: Commerzbank AG
  • Kontoinhaber: Back to Life e.V
  • IBAN: DE96 4306 0967 1012 0030 00
  • BIC: GENODEM1GLS
  • Bank: GLS Bank
Magazin
Melden Sie sich für unser kostenfreies Magazin an: