HILFE FÜR DIE, DIE SICH KEINE HILFE LEISTEN KÖNNEN

Natürlich unterstützen wir Dorfbewohner auch in medizinischer Hinsicht. Das nächste Krankenhaus in Bharatpur ist je nach Dorf bis zu 50 Km entfernt, die Familien sind jedoch so arm, dass sie die Kosten für den Transport, die Arztbesuche und die notwendigen Medikamente unmöglich selbst tragen können. In Nepal sind Medikamente oft leider so teuer, dass sie selbst für Menschen aus der Mittelschicht nur schwer erschwinglich sind. Neben der individuellen Hilfe in Notfällen organisieren wir daher in regelmäßigen Abständen auch ‚Health Camps’, für die wir sowohl Allgemeinmediziner als auch Gynäkologen engagieren. Dort können die Bewohner, oft zum ersten Mal in ihrem Leben, eine ärztliche Untersuchung in Anspruch nehmen und erhalten, falls nötig, Medikamente zur weiteren Behandlung.

Wenn der Schulbesuch auch Heilung bedeutet

In regelmäßigen Abständen führen wir in unseren Projektschulen in Chitwan Health Camps durch, um stets den Gesundheitszustand der von uns geförderten Kinder im Blick zu haben. Insgesamt profitieren mehr als 1200 Kinder von diesen Untersuchungen. Die Nachfrage ist hoch angesichts der Tatsache, dass die Eltern es sich schlichtweg nicht leisten können, ihren Nachwuchs bei einer Erkrankung mit Medizin zu versorgen.

Unser letztes Health Camp fand im Oktober 2015 statt: Ein Team von zwei Kinderärzten sowie einem Apotheker besuchten jede unserer 5 Projektschulen in Chitwan und untersuchte insgesamt 793 Kinder. Eventuell benötigte Medizin hatten sie vorsorglich schon dabei, um diese direkt verschreiben und verabreichen zu können. Bei den meisten Erkrankungen handelte es sich um Magen- und Hautprobleme sowie äußerliche Abszesse. Begleitend zu den Untersuchungen sprachen die Lehrer und unser Team mit den Kindern über alle Aspekte der körperlichen Hygiene, insbesondere welche Gesundheitsrisiken ein Ignorieren derselben bedeuten könne.

Werden bei ernsthaften Befunden weitere Labortests nötig, holen wir diese in Gesundheitszentren bei Experten ein und kümmern uns, falls nötig, um den Transport des Kindes ins Krankenhaus. Die Kosten dafür übernimmt natürlich Back to Life.

Dieses Mal fiel unseren Ärzten Sanjila aus der 5. Klasse der Dubichaur Schule auf. Sie klagte über Herzprobleme. Dem jungen Mädchen machten starkes Herzrasen und Atemprobleme zu schaffen. Nach der Diagnose war schnell klar, dass eine genaue Untersuchung im Krankenhaus von Bharatpur stattfinden musste. Unser Team blieb an ihrer Seite, während sich Experten der Kardiologie, Echokardiografie und Hämatologie ihrer annahmen. Die Diagnose ergab, dass Sanjila an einer rheumatischen Herzkrankheit leidet. Das bedeutet in ihrem Fall einen Herzklappenfehler sowie eine undichte Herzklappe. Der Kardiologe erklärte: „Gut, dass sie rechtzeitig hergebracht wurde. In manchen Fällen kann eine Nichtbehandlung lebensgefährlich werden.“Sanjila erhält nun eine sechsmonatige medikamentöse Behandlung und wird nach deren Ablauf erneut vom Expertenteam untersucht werden.

Der Gesundheitscheck im Bharatpur dauerte eine Woche. Auch hier übernahmen wir alle anfallenden Kosten. Eine weitere Woche später besuchte unser Mitarbeiter Anjan das Mädchen zuhause: Die siebenköpfige Familie von Sanjila kann sich finanziell kaum über Wasser halten. Die Ernte wirft zu wenig ab, was dazu führt, dass ihr Vater gezwungen ist, durch Arbeit in Qatar das Geld für die Familie zu verdienen. Zu einem hohen Preis: Die Familie muss dauerhaft getrennt leben, die Mutter sich um alles kümmern. Doch immerhin hat Sanjila keine Beschwerden mehr in ihrer Brust. „Seit ich die Medizin nehme, geht es mir gut!“, freute sie sich. Die Mutter war bis zur Untersuchung völlig ahnungslos, wie krank ihrer Tochter war: „Sie hat nie etwas gesagt. Wie können arme Menschen wie wir wissen, dass sie so eine schwere Krankheit hat? Ich danke Back to Life für die Hilfe. Wir hätten uns weder die Untersuchung noch die Medikamente leisten können.“

In der Tat vertrauen mittellose Kranke in Chitwan meist auf das Schicksal – in der Hoffnung, dass es ihnen irgendwann wieder besser gehen wird. So ist es nicht ungewöhnlich, dass Menschen nichts von ihren Beschwerden verlauten lassen, bevor sie nicht bettlägerig geworden sind. Glücklicherweise mussten wir dieses Jahr keine weiteren Fälle von schlimmen Erkrankungen unter den Kindern behandeln, obgleich wir 21 Kinder zur weiteren ärztlichen Beratung in ein Krankenhaus gebracht hatten.

Verglichen mit früheren Jahren wird der Zusammenhang zwischen Gesundheit und Hygiene von den Bewohnern unserer Projektgebiete deutlich besser verstanden. Dies ist nachweislich auf unsere Bemühungen zurückzuführen, zu denen auch alle 6 Monate das Austeilen von Tabletten gegen parasitäre Wurminfektionen an die Kinder gehört. Das bestätigen uns auch die langjährigen Ärzte unserer Health Camps, die einen deutlichen Rückgang von Haut- und Magenkrankheiten beobachtet haben – denn diese stehen meist in direktem Zusammenhang mit der körperlichen Hygiene. Wir sind sehr froh, das wir die Anzahl ernster Erkrankungen unter den Kindern spürbar senken konnten.

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