SOLARENERGIE, LEHMÖFEN UND BIOGASANLAGEN – SCHONEND FÜR DIE UMWELT, GÜNSTIGER FÜR DIE BEWOHNER

Durch eine schrittweise Verbesserung der aktuellen Lebensbedingungen in unseren Projektdörfern versuchen wir, sowohl die ökonomische als auch die gesundheitliche Situation der Menschen nachhaltig zu verbessern. Die Bewohner unserer Projektdörfer verbrachten ihr Leben bis heute ohne elektrisches Licht. Als Lichtquelle und zum Kochen diente das Feuer. Durchschnittlich verbraucht eine Familie ca. 250 kg Holz im Monat, die Wälder um die Siedlungen sind daher schon dramatisch abgeholzt, denn eine andere Energiequelle gab es in den Dörfern bisher nicht und Holz auf dem Markt zu kaufen ist kostspielig. Die Frauen, denn Holzsammeln ist „Frauenarbeit“, müssen somit immer weitere Strecken laufen, um nach mehreren Stunden des Holzschlagens die schwere Last ebenfalls stundenlang zurück in ihr Dorf zu schleppen. Oft müssen auch die Töchter ihre Mütter bei der dringend notwendigen Holzbeschaffung unterstützen und können deshalb die Schule nicht besuchen. Diesem wollen wir durch verschiedene Ansätze entgegenwirken:

Solaranlagen

Durch die Installation von Solaranlagen in Verbindung mit LED-Leuchten lässt sich nicht nur die Abholzung in der Umgebung vermindern, da nun Holz nicht mehr zur Lichterzeugung benötigt wird, die Solaranlagen tragen auch direkt zu einer Verbesserung der Lebensumstände bei. Die Frauen sparen sich einen Teil ihrer sehr anstrengenden Arbeit und die Familien können die so gewonnene Zeit für andere Aktivitäten, bspw. zur alternativen Einkommensgenerierung nutzen, die Kinder haben am Abend länger Licht, um zu spielen oder Hausaufgaben zu machen. Bevor die Familien allerdings in den Besitz der Anlagen gelangen, werden von unseren Sozialarbeitern in den Gruppen Trainings zur Benutzung und Wartung durchgeführt. So können sich die Bewohner zukünftig bei Problemen gegenseitig unterstützen. Bei größeren Schwierigkeiten stehen unsere Mitarbeiter zur Verfügung, welche die Projektdörfer regelmäßig besuchen. Weiterhin zahlt jede Familie ein kleines Pfand für ihre Solaranlage, welches ihren jeweiligen Spargruppen zur Verfügung gestellt wird. So wächst in den Gruppen der Kapitalgrundstock, der für evtl. Reparaturen sowie weitere Investitionen in die Verbesserung der Lebensbedingungen, wie z.B. medizinische Behandlungen, den Zukauf von Samen, zusätzliche Hühner oder Ziegen genutzt werden kann. Wie schon bei den verteilten Ziegen dient hier die Gruppe u.a. auch als Kontrollinstanz, um beispielsweise den Verkauf der Solaranlagen bzw. der Ziegen für ein schnelles, einmaliges Einkommen zu vermeiden und somit die langfristige Entwicklung zu gewährleisten und zu fördern.

Lehmöfen

Zum Kochen benutzten die Einwohner unserer Projektdörfer seit je her offene Holzfeuer und behielten dies bis heute bei, da andere Brennstoffe wie Gas oder Kerosin schlicht unerschwinglich sind und der Staat ihnen keinerlei alternative Hilfe zukommen ließ. Um die Bewohner gleich in mehrfacher Hinsicht zu unterstützen und ihre Lebensbedingungen zu verbessern, haben wir begonnen, in den Haushalten speziell auf den Bedarf und das Klima der Region zugeschnittene Lehmöfen zu installieren. Durch diese Öfen lässt sich der Holzverbrauch um etwa 50% reduzieren, wodurch nicht nur die umliegenden Wälder entlastet werden, sondern natürlich, wie schon bei den Solaranlagen, auch die Frauen und Töchter des Dorfes. Weiterhin verteilt sich der entstehende Rauch nicht wie bisher in der Hütte, sondern wird über einen Abzugsrohr abgeführt. Hierdurch lassen sich Augen-, Magen- und Lungenkrankheiten vermeiden, die durch das regelmäßige und dauerhafte Einatmen des Rauchs entstehen. Zusätzlich verringert sich durch die Nutzung der Öfen (im Vergleich zum offenen Holzfeuer) die Gefahr eines Brandes durch Funkenflug.

Biogasanlagen

Für einige Haushalte unserer Projektdörfer haben wir uns in Abstimmung mit der Bevölkerung und den örtlichen Behörden für eine andere Variante entschieden. Für die Haushalte, in denen ausreichend Vieh vorhanden ist, haben wir Biogas eingeführt. So kann das offene Holzfeuer als Kochstelle durch Biogas komplett ersetzt werden. Die Technologie ist recht einfach. Die Exkremente der gehaltenen Rinder sowie die der Familienmitglieder werden zusammen mit Wasser in eine unterirdische luftdichte sechs Kubikmeter große Grube geleitet. In dieser Umgebung entstehen Methangase, diese werden durch das Öffnen eines Hauptventils über eine schmale Leitung zur Kochstelle geleitet und können dort je nach Bedarf zum Kochen verwendet werden. Die mit Biogas betriebenen Kochstellen werden zu einem großen Teil von ,Back to Life’ finanziert, aber auch die Regierung und die lokale Forstverwaltung übernehmen einen direkten finanziellen Anteil, da es auch in ihrem Interesse ist, den Wald des anliegenden ‚Chitwan National Parks’ zu schützen. Natürlich liefern auch die Bewohner selbst ihren Beitrag zu den neuen Biogasanlagen, indem sie diese unter unserer Anleitung durch ihre eigene Arbeitskraft errichten.

Die mit Biogas betriebenen Kochstellen haben vielerlei positive Effekte für die Bewohner und die Umwelt. Der Wohnraum ist während des Kochens nicht mehr von dichtem Qualm vernebelt, das wird langfristig eine bessere gesundheitliche Verfassung der Bewohner bewirken. Damit auch die Exkremente der Familienmitglieder in die Grube gelangen, erhalten Haushalte außerdem zum ersten Mal eigene Toiletten, was ebenfalls zu einer Verbesserung der hygienischen Situation beiträgt. Die in der Grube entstehende Gülle kann an einer bestimmten Stelle entnommen werden und dient als Dünger für die umliegenden Felder, so dass hier zukünftig in Verbindung mit den oben beschriebenen landwirtschaftlichen Maßnahmen eine höhere Produktivität der Erträge zu erwarten ist. Wie schon bei den zuvor beschriebenen Solaranlagen bzw. den Lehmöfen sparen sich die Frauen und Kinder das tägliche Sammeln, Suchen, Schlagen und Tragen des Holzes. Die immense Zeitersparnis können die Kinder mit Hausaufgaben, Lernen und einem regelmäßigen Schulbesuch verbringen, denn nicht selten müssen gerade die Mädchen der Schule fernbleiben, um die Mütter zu unterstützen. Die Mütter haben mehr Zeit, sich um die Kinder zu kümmern sowie die gewonnenen Stunden für andere Arbeit zu nutzen, um so das Einkommen der Familie zu erhöhen.

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