HEIMATLOS IM EIGENEN LAND: ÜBER EIN LEBEN OHNE CHANCE.

Bereits 2010 hat sich das Back to Life-Team dafür entschieden, in Nepal ein weiteres Projekt im Rahmen der „Nachhaltigen Hilfe zu Selbsthilfe“ ins Leben zu rufen. Denn der kleine Himalayastaat mit seinen ca. 30 Millionen Einwohnern - zwischen den beiden aufstrebenden Großmächten Indien und China gelegen - ist nicht nur eines der ärmsten Länder Asiens, sondern leider auch weltweit. Rund zwei Drittel der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze, die auf 2 Dollar Einkommen pro Tag beziffert ist. Hilfe wird in vielen Gebieten dringend benötigt. Standort unseres Projektes ist eine völlig verarmte Region im Süden Nepals, im Distrikt Chitwan im Terai. Hier leben großteils Dalits, also „Unberührbare“ aus der untersten gesellschaftlichen Kaste sowie „Kastenlose“ und ethnische Minderheiten. Sie alle sind „Ausgestoßene“, „unrein durch Geburt“, diskriminiert wegen ihrer Herkunft und gezwungen, die niedrigsten und unreinsten Arbeiten auszuführen – wie zum Beispiel Müllsammeln, Straßenkehren, Lastentragen, Toiletten- und Abflussreinigen. Die Bewohner unserer Projektdörfer, die einst als Naturvolk aus ihrem Lebensraum - dem Dschungel - verdrängt wurden, sind als Unberührbare oder ethnische Minderheiten sozial ausgegrenzt und gehören zur ärmsten Bevölkerungsschicht. Zugang zu Bildung bleibt ihnen aufgrund ökonomischer Zwänge und gesellschaftlicher Restriktionen meist verwehrt, während ihre Arbeitskraft jedoch systematisch ausgebeutet wird.

Die Familien wurden – mit dem Versprechen vermeintlich besserer Perspektiven oder schlicht durch Vertreibung aus den heimatlichen Wäldern – im Terai-Gebiet angesiedelt. Manche bekamen vom Staat Pachtgrundstücke zugewiesen. Diese waren und sind aber viel zu klein, um sich davon ernähren zu können. Außerdem fehlte ihnen zu Beginn jegliche landwirtschaftliche Erfahrung. Deshalb arbeiten auch heute noch die meisten Männer oft weit entfernt als Tagelöhner. Die Frauen und Kinder müssen neben den eigenen Feldern auch die der wohlhabenden Landbesitzer bestellen. Die einzige Chance auf ein würdevolles Leben als gleichwertiger Bürger liegt in der Bildung. Doch die Armut, die notwendige Mitarbeit der Kinder sowie die Kosten für den Schulbesuch machen jede Hoffnung auf ein besseres Leben zunichte. Auf dem Papier bzw. in den Gesetzestexten besitzen die „Ausgestoßenen“ mittlerweile zwar auch offiziell Rechte. Es gibt z.B. bei allen Berufen des öffentlichen Dienstes Quotenregelungen, die Arbeitsplätze für sie garantieren - wenn sie sich dafür bewerben. Doch theoretischer Anspruch und gelebte Realität klaffen weit auseinander. Denn es fehlt an der nötigen Bildung, die den „Ausgestoßenen“ verwehrt bleibt sowie daraus resultierend das Verständnis und das Bewusstsein, die offiziellen Rechte zu verstehen und praktisch einzufordern. Ohne entsprechende Qualifikation kann sich keiner von ihnen um eine solche Stelle bewerben. Dafür müssten es die Ausgestoßenen und deren Kinder erst einmal zu einer Schulausbildung gebracht haben - und dies ist für die Familien ohne Hilfe von außen meist unmöglich.

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