VOM ERDBEBEN ZUR TRAUMABEWÄLTIGUNG: BIPANA HATTE GLÜCK IM UNGLÜCK.

Bipana Praja ist neun Jahre alt und stammt aus Thakaltar. Im April 2015 schloss sie die dritte Klasse ab. Sowohl ihr Zuhause als auch ihr Klassenraum fielen dem Erdbeben zum Opfer.

„Ich spielte gerade mit meinen drei Geschwistern vor unserem Haus Verstecken. Gerade lief ich meiner Schwester Sapana hinterher, als der Boden auf einmal schwankte. Ein donnerndes Geräusch war zu hören. Meine Geschwister und ich gingen in die Hocke. Dann passiert es: Unser Steinhaus fiel einfach in sich zusammen und eine dicke Staubwolke stieg auf. Das war sehr beängstigend. Wir wussten gar nicht, was geschehen war und so begann meine ältere Schwester zu weinen. Auch war unsere Mutter nicht zu Hause. Erst eine halbe Stunde später kam sie zurück und erbleichte. Tränen rollten über ihre Wangen. Sie vergewisserte sich, dass wir unversehrt waren und erklärte uns dann, dass das gerade ein Erbeben war. Mein Vater war für ein paar Tage zum Arbeiten fortgegangen und meiner Mutter gelang es erst am Abend, ihn telefonisch zu erreichen. Wir waren alle sehr hungrig und hatten gar nichts zu essen. Nicht mal ein Becher war heil geblieben, um Wasser zu holen. Denn alles, was wir besaßen, war unter den Trümmern des Hauses begraben worden. Zum Glück konnten wir bei unseren Nachbarn etwas essen und auch übernachten. Am dritten Tag kamen Back to Life-Mitarbeiter in unser Dorf und brachten Matten, Planen, Essen und Kochgeschirr. Dann bauten sie eine Hütte für uns. Die kleineren Nachbeben erschreckten uns alle sehr: Immer wieder bewegte sich der Boden unter unseren Füßen.

Die Leute von Back to Life kamen in den Tagen darauf zu unserer Schule nach Thakaltar und errichteten eine Zeltschule aus Bambus und Planen. Da wir keine Lernbücher hatten, organisierte meine Lehrerin Spiele: Wir sangen, tanzten und erzählten uns Geschichten – das machte viel Spaß. So erzählte ich meiner Klasse, wie ich das Erdbeben erlebt hatte. Meine beste Freundin Jamuna erzählte uns, dass sie sogar in den ersten Tagen ganz ohne ihre Eltern auskommen musste, da diese weit entfernt arbeiten waren und aufgrund des Chaos ́ nach den Beben nicht sofort nach Hause zurückkehren konnten. Zum Glück überlebte auch ihre Familie. Und jetzt können wir auch wieder Gemüse anbauen: Denn die Leute von Back to Life gaben meiner Familie Saatkörner. So konnten wir uns wieder selbst versorgen...“

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