DAMIT DER UNTERRICHT NICHT GANZ AUSFALLEN MUSS: ZELTSCHULEN ZUR ÜBERBRÜCKUNG

Eigentlich plante die Regierung, alle intakten Schulen des Landes am 15. Mai wieder zu eröffnen, doch nach dem zweiten Beben war das undenkbar: Viele weitere Schulgebäude, die bereits Risse durch das erste Beben hatten, waren zusammengestürzt. Nicht auszudenken, wie viele weitere Opfer zu beklagen gewesen wären, wenn bereits geöffnete Schulen über den Köpfen der Kinder zusammengefallen wären. Wegen der großen Anzahl von Schulen in den Hügeln Chitwans, die durch die Beben zerstört wurden, entschieden wir, mehrere Zeltschulen als Übergangslösung für die Kinder zu bauen. Eine davon: die „Hattisude Primary School“ im Distrikt Lothar. Das staatliche Gebäude wurde durch die Beben stark beschädigt und war nicht mehr nutzbar.Wir hatten uns deshalb für diese Schule entschieden, weil ca. 100 Tamang und Chepang Kinder diese besuchen. Beide gehören zu ethnischen Minderheiten, die unter dem Joch großer Armut ihr Leben in den Hügeln Chitwans bestreiten müssen. Diese Schule gehörte vorher nicht zu unserem Projektgebiet, sie liegt aber in relativer Nähe dazu, so dass unser Chitwan-Team die Betreuung übernehmen konnte.

Da die Schule und die dazugehörigen Ortschaften einen 6-stündigen Fußmarsch Richtung Norden von dem Piple Highway entfernt liegen, war klar, dass Hilfe dort nicht so schnell oder überhaupt ankommen würde. Unser Back to Life-Team zeigte deshalb den Dorfbewohnern, wie man dieses Zelt stabil verankert und aufbaut, so dass es auch den Wassermassen des Monsuns standhalten kann. Das nötige zweite Zelt bauten die Bewohner selbst auf, unser Team kontrollierte es anschließend. Zudem schufen wir separate Toilettengelegenheiten für die Jungen und Mädchen.  Unsere Hoffnung war auch, für diese Gegend eine Art „Role Model“ zu schaffen, das leicht von anderen kopiert werden konnte, um eine Schule trotz zerstörter Gebäude weiterzuführen: Die Anschaffung ist günstig und die Materialien sind auf dem Markt zu finden. Alle Kinder hatten Schreckliches durchgemacht und immer wie- der Todesängste ausgestanden. Umso dringender benötigten sie jetzt ihre Schule: um sich dort auszutauschen, um zu spielen, lesen, lernen, toben und wieder zu lachen.

WOMIT LERNEN, WENN ALLES ZERSTÖRT IST? EINE GRUNDSCHULE IN NOT

Dikendra und Achyut hörten nach dem Erdbeben von der Notlage in Mandredhunga, 75 km nordwestlich von Kathmandu. Am Telefon beschrieb der Schulleiter, Mr. Arjun Aryal, die Lage vor Ort folgendermaßen: „Alle drei Gebäude unserer Grundschule sind komplett oder teilweise zerstört worden. Mit Hilfe der Dorfbewohner konnten wir als Übergangslösung zwei improvisierte Klassenzimmer aus Strohmatten und Zeltplanen einrichten, damit der Unterricht nicht zu lange ausfallen muss. Mit den zerstörten Häusern wurden auch alle Schulmaterialien der Kinder begraben und die meisten Familien haben kein Geld für die neuen nötigen Stifte, Hefte oder Bücher. Auch die Schule verlor beim Erdbeben alle Lehrmaterialien. Ich befürchte, dass viele Kinder bald nicht mehr kommen werden, wenn wir keinen richtigen Unterricht anbieten können.“

Back to Life versuchte deshalb schnell zu handeln: Aus Chitwan wurden von unserem Team Lehr- und Lernmaterialien, Spielsachen, Fuß- und Volleybälle sowie Springseile usw. nach Mandredhunga transportiert. Die Kinder konnten es kaum erwarten, ihre neuen Schulmaterialien überreicht zu bekommen. Jeder wollte der erste sein, vermutlich auch aus Angst, am Ende leer auszugehen. „Ihr alle bekommt heute neue Schulsachen – wir haben genug dabei“, beruhigte sie Dikendra, bevor unser Team die Hefte, Stifte, Radiergummis, Spitzer und vieles mehr verteilte. Dem Schulleiter übergaben sie zusätzliches Material für die kommenden sechs Monate. Auch bei der Verteilung der Spielsachen waren die Kinder begeistert und begannen sofort ausgelassen damit zu spielen. „Das ist das erste Mal, dass wir mit einem richtigen Fußball spielen“, sagte einer der Jungen. „Bisher haben wir immer alte Socken zusammengeknäult und als Ball verwendet.“ Derzeit planen unsere Mitarbeiter ein neues Schulgebäude für Mandredhunga.

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