HOFFNUNG GEBEN, WO KEINE IST – DAS ZWEITE LEBEN EINES VERBRANNTEN MÄDCHENS

Khushi ist ein Mädchen aus Mugu, das als Kleinkind einer schweren Verbrennung zum Opfer fiel. Ihre Mutter, ich nenne sie ‘Amma’, berichtete mir, dass viele Kinder um sie herum spielten, während sie auf offenem Feuer in einer halbrunden Schale Öl zum Frittieren erhitzt hatte. Ein Kind muss Khushi beim Spielen geschubst haben, die Kleine fiel und stieß an den Topf, der dann literweise siedendes Öl über sie ergoss. Von der Unterlippe an sind ihr Hals, ihre Arme und ihr gesamter Oberkörper stark verbrannt. Da es für sie in Mugu keinerlei ärztliche Behandlung gab, verwuchsen die Brandwunden zu hässlichen und bewegungsbehindernden, großflächigen Narben und Wulsten. Stets bedeckte Khushi ihren Hals mit einem Schal, doch da sie auch den Mund nicht schließen konnte, weil die Unterlippe nach unten verwachsen war, sah man die Verbrennungen stets. Als wir Khushi in ihrer hoffnungslosen Situation kennenlernten, beschlossen wir, sie nach Kathmandu in ein auf Verbrennungen spezialisiertes Krankenhaus mitzunehmen. Ende Oktober 2010 war es dann soweit.

Khushi stammt aus einer bitterarmen Familie, die bereits viele Schicksalsschläge hinnehmen musste. Erst Khushis Unfall und ein Jahr darauf verstarb auch noch ihr Vater, weil er ebenso keinerlei ärztliche Hilfe in Mugu fand. Amma stand nun alleine mit 4 Kindern da. Während der Krankheit des Vaters verkauften sie bereits all ihr Land, weil sie hofften, ihn durchzubringen mit dem Erwerb von dubioser Medizin, verschrieben von selbsternannten ‘Ärzten’. Amma arbeitet als Tagelöhnerin, Lastenträgerin, im Hausbau, auf den Feldern der anderen. Ihr ältester Sohn ist mittlerweile 19 Jahre alt, er arbeitet ebenso als Tagelöhner, ist verheiratet und wohnt mit seiner Frau bei Amma, alle gemeinsam in einem winzigen Zimmer. Amma ist erst 40 Jahre alt, sieht aber aus wie 60, die Sorgen des Lebens haben sie gezeichnet.

Wir schlossen dann unter Beobachtung der gesamten Dorfgemeinschaft mit Amma einen Vertrag, der besagt, dass wir für alle Kosten, die sich während Khushis Aufenthalt und der Behandlung in Kathmandu ergäben, aufkämen. In dem Moment fielen Steine von Ammas Herzen, ich konnte es genau erkennen. Da Amma nicht Schreiben oder Lesen kann, wurde ihr alles vom Dorfbürgermeister vorgelesen und geprüft, dann setzte sie ihren Fingerabdruck unter das Dokument. Ein großer Moment. In Nepal braucht man im Krankenhaus stets einen Angehörigen an der Seite, der sich für den Patienten ums Essen, Aufstehen, Toilette etc. kümmert. Amma beschloss, selbst mit Khushi mitzukommen und die Verantwortung für die Geschwister dem ältesten Sohn zu übertragen. Sie bat, Chutki, ihre Kleinste, mitnehmen zu dürfen, was wir ihr erlaubten.


Khushis Reise nach Kathmandu

Als wir dann nach allen Verabschiedungen Richtung Flugpiste aufbrachen, sah ich, wie mulmig Amma zumute war. Ich versuchte, ihr Mut zu machen und wir liefen los. Es war eine aufregende Reise nach Kathmandu. Erst nahmen wir das gefährliche Kleinflugzeug, Amma und die Kinder blickten erstaunt auf ihre Berge aus der Vogelperspektive, Khushi hatte Angst (ich ehrlich gesagt auch), sie ließ den ganzen Flug über meine Hand nicht los. Dann fuhren wir circa 5-6 Stunden mit einem Kleinbus nach Nepalganj. Während der Fahrt musste sich die kleine Familie reihum übergeben, das Autofahren war völlig neu für sie. Als wir in den letzten Flieger stiegen, war es bereits dunkel und wir kamen nachts in Kathmandu an, es war gerade kein Stromausfall und die Lichter der Stadt strahlten. Khushi kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Ich nahm sie mit zu mir nach Hause, da ich ihnen die Fremde eines Hotelzimmers nicht zumuten wollte. Es wurde recht lustig, da sie in Mugu ganz anders leben und z. B. Wasserhähne oder westliche Toiletten in der Wohnung nicht kennen. Als ich sie bat, sich vor dem Krankenhaus zu duschen, wuschen sie mit dem Waschpulver gleich alles, sich selbst, die Haare, die Kleidung, mitten im Badezimmer sitzend mit Eimer und Karaffe. Bereits am 02. November 2010 fuhren wir ins Krankenhaus, das circa eine Dreiviertelstunde außerhalb von Kathmandu im Grünen liegt. Dieses Krankenhaus wurde von der deutschen Interplast gegründet und bietet exzellente medizinische Hilfe. Oft sind deutsche Chirurgen anwesend, die hier ihre Ferien spenden, um Notleidende zu operieren. Nachdem er Khushi untersucht hatte, gab uns der Chirurg eine Prognose und sagte, sie müsse sich erst einmal auf 3 größere Operationen einstellen. Den ersten Operationstermin setzte er gleich für den nächsten Tag, dem 03. November, an. Amma und ich verbrachten die Zeit während der Operation gemeinsam, innerlich waren wir beide sehr aufgeregt, doch in Asien zeigt man Ruhe nach außen in solchen Momenten. So saßen wir meist schweigend beieinander.

Dann wurden wir zu Khushi in den Aufwachraum gerufen. Wir standen um ihr Bett und versuchten, sie zu beruhigen, wenn sie stöhnte oder versuchte sich aufzubäumen, immer noch unter den Auswirkungen der Narkose. Amma war zutiefst geschockt, als sie ihre Kleine im Halbschlaf weinen und aufschreien hörte. Sie sagte immer wieder hilflos zu Khushi, sie solle doch ruhig sein und fragte mich schließlich, ob Khushi nun immer so bleiben würde… Ich versuchte, ihr die Wirkung einer Narkose zu erklären und dass Khushi etwas später wieder völlig normal sein würde. Erleichtert nahm Amma diese Information auf. Nach ein paar Stunden konnten wir Khushi in ihr Zimmer rollen. Amma telefonierte dann nach Mugu und teilte dem gesamten Dorf mit, dass die erste OP gut verlaufen sei. Ich sprach mit dem Chirurgen und er sagte, er hätte mit dem Schwierigsten, ihrem Hals angefangen und die OP sei erfolgreich gewesen. Um die Verwachsungen am Hals zu lösen, hätte es Hautverpflanzungen bedurft, die Haut wurde von Khushis Bein entnommen. Khushi erholte sich sehr schnell. Ich schenkte ihr einen Teddybär, den sie von da ab nie wieder losließ. Mit einer Halskrause bedeckt, stand sie sogar für die Mahlzeiten wieder auf und begann, mit den anderen Kindern in der Grünfläche des Krankenhauses zu spielen. Sie sah nun schon ganz verändert aus. Da die Verwachsungen an ihrem Hals gelöst wurden, konnte sie nun den Mund wieder schließen. Sie blickte sich stets im Spiegel an und war ganz stolz auf ihre Veränderung. Auch ihre Stimme wurde dadurch lauter und deutlicher vernehmbar, sie war selbstbewusster geworden.

In den kommenden Wochen integrierten sich Amma und ihre Töchter immer mehr, machten Bekanntschaften, blieben aber stets die Exoten, weil sie aus dem abgelegenen Mugu kamen. Ich besuchte Khushi regelmäßig und führte über ihren Krankenhausaufenthalt auch Tagebuch, welches sowohl auf unserer Homepage als auch auf unserer Facebook-Seite zu lesen ist. Jedes Mal brachte ich ihnen Früchte, Säfte, Kekse... mit, eben all die Sachen, die sie im Krankenhaus nicht erhielten. Für die Mahlzeiten, die von uns bezahlt wurden, wurde durch die Kantine gesorgt. Auch die beiden nächsten größeren Eingriffe, welche am 15.12.2010 und am 05.01.2011 stattfanden (an den Schultern, einer Achsel und den Armen, erneut mit Transplantationen), verliefen komplikationslos. Neben den Operationen hatte Khushi auch noch die Verbandswechsel zu überstehen. Jeweils direkt nach den Operationen und Hauttransplantationen konnten die Verbände aufgrund der Schmerzen nur unter Narkose gewechselt werden. Khushi war so tapfer. Nie beschwerte sie sich oder klagte. Sie war so froh, endlich Hilfe zu bekommen. Auch Amma konnte man ansehen, dass sich viele Sorgen ihres Herzens lösten, sie sah plötzlich 10 Jahre jünger aus, hatte stets ein Lachen im Gesicht.

Am 24. Januar 2011 wurde Khushi dann aus dem Krankenhaus entlassen. Sie sollte 2 Monate später zur Nachuntersuchung erscheinen, währenddessen ihre physiotherapeutischen Übungen weitermachen und die operierten Stellen bedecken und eincremen.Wir brachten die kleine Familie in einem Hotel unter, da ich unbedingt wollte, dass alle sowohl zum Zahnarzt als auch Amma zum Frauenarzt zur Untersuchung gehen. Zwischendurch zeigten wir Khushi Kathmandu und gingen mit ihr sogar in den FunPark, dort konnte sie Karussell fahren, sie liebte diesen Ausflug. Amma sprach mich an, dass sie unbedingt wünsche, dass Khushi hier in Kathmandu bliebe, für weitere Operationen und für eine gute Schulausbildung. Ich war komplett geschockt, denn das hatte ich nicht erwartet, waren doch alle so glücklich, bald nach Mugu zurückzukehren. Es brach mir fast das Herz, mir vorzustellen, als Mutter mein Kind wegzugeben, damit es eine Chance und eine Ausbildung erhalten könne. Aus Armut, aus purer Not! Nach einer Woche starteten sie dann ihre Rückreise nach Mugu. Wir umarmten uns noch einmal fest zum Abschied und verabredeten, dass wir Khushi nach 1,5 Monaten in Mugu abholen würden. Meine Teammitglieder berichteten mir von Khushis glücklicher Rückkehr. Die Dorfbewohner staunten über ihr schönes Gesicht und ihr neugewonnenes Lächeln, es war für alle sehr aufregend. Khushi spielte sogleich fröhlich mit ihren Freundinnen, sie hatte ja auch Unglaubliches quasi von einem anderen Planeten -aus dem fernen Kathmandu- zu berichten.

Kushis neues Zuhause

In der Zwischenzeit fanden wir für Khushi ein schönes Kinderheim mit einer angeschlossenen Schule, in der sie eine gute Ausbildung genießen wird, gefördert wird und kindgerecht untergebracht ist. Also meldeten wir die Kleine für die erste Klasse an. Als sie dann im März wieder in Kathmandu ankam, freute ich mich sehr, sie wiederzusehen, ist sie mir doch ungemein ans Herz gewachsen. Sie ist ein intelligentes Mädchen und fand sich schnell zurecht. In ihrem Zimmer im Kinderheim war sie direkt zum leader geworden. Khushi besucht die Schule mit viel Freude und ist sowohl bei den Lehrern als auch bei ihren Mitschülern sehr beliebt. Besonders ihre Leistungen in Mathematik und Englisch sind nach Aussage ihrer Lehrer herausragend, weil Khushi sehr engagiert ist. Später, so sagte sie, wolle sie einmal Lehrerin werden und dann die Kinder in ihrem Heimatdorf unterrichten und sich um ihre Familie kümmern. Mit ihrer Mutter in Mugu steht Khushi trotz großer räumlicher Entfernung in regelmäßgem Kontakt. Ungefähr ein Mal im Monat ruft Amma ihre kleine Tochter in Kathmandu an. Das Telefonieren von Mugu aus ist sehr schwierig und immer noch eine ‘große Sache’. Natürlich besitzt Amma kein eigenes Telefon, doch es ist schön, dass sie sich ab und zu hören bzw. austauschen können.  

Während eines unserer regelmäßigen Projektbesuche in Mugu trafen unsere beiden Projektmanager Dikendra und Achyut Khushis Mutter. Sie wollte genau wissen, wie es ihrer Kleinen gehe. Als ihr von dem guten Heilungsverlauf und ihren schulischen Leistungen berichtet wurde, dass ihre Tochter bereits flüssig lesen und schreiben könne, war sie voller Stolz und hatte Tränen in den Augen. Sie ist sehr glücklich darüber, dass ihre Tochter die Möglichkeit hat, nicht nur eine gute medizinische Behandlung, sondern auch eine fundierte schulische Ausbildung zu bekommen.


Weitere OP im Dez 2011 und Besuch von Amma

Während einer routinemäßigen Untersuchung im Oktober kündigten ihre Ärzte an, sie binnen der nächsten drei Monate erneut am Kinn zu operieren, um ihr überschüssiges Narbengewebe zu entfernen. Im Dezember 2011 war es dann soweit. Da in Nepal ein Patient im Krankenhaus immer einen Angehörigen an seiner Seite für die Pflege und die Einnahme der Mahlzeiten benötigt, hatten wir uns entschlossen, Khushis Mutter anreisen zu lassen. Amma kam den weiten Weg aus Mugu, um bei Khushi zu sein. Die Freude der Kleinen sowie der Mutter, sich nach vielen Monaten wieder zu sehen, war groß. Glücklich zeigte Khushi ihrer Mutter das Kinderheim und stellte ihr auch gleich ihre besten Freunde vor.

Amma war sehr beeindruckt von der Entwicklung ihrer Tochter sowie der Zuwendung, die sie offensichtlich im Kinderheim erfährt und durch die sie aufblüht. Natürlich wollte Amma auch Khushis Schule sehen und drückte dort sogar für eine halbe Stunde neben Khushi die Schulbank und ließ sich ganz ausführlich alle Hefte und Schulunterlagen zeigen. Auch wenn sie selbst nicht lesen und schreiben kann, so ist sie umso stolzer, dass ihre Tochter dies nun erlernt hat und so gute schulische Fortschritte macht. Als Khushi ins Krankenhaus eingeliefert wurde, begrüßten sie die Ärzte und Krankenschwestern sehr herzlich und freuten sich, ihre kleine ‘Lieblingspatientin’ wieder bei sich zu haben. Es gab ein großes ‘Hallo’. Überrascht zeigten sich alle über Khushis neues Aussehen, denn sie hatte sich vor wenigen Tagen zu einem bubihaften Kurzhaarschnitt entschlossen, weil sie das so modern und schick findet. Hieran merkt man, dass sie in der Großstadt Kathmandu angekommen ist. Ich persönlich finde zwar die langen Haare schöner, doch die wachsen ja wieder.

Die Operation fand am Montag, dem 5.12.2011, statt und verlief erfolgreich. Der Chirurg entfernte überschüssiges Narbengewebe am Hals und transplantierte wieder Haut von Khushis Bein. Erneut zeigte sich Khushi sehr tapfer, klaglos und dankbar für die schrittweise Verbesserung ihres Aussehens und der Wiederherstellung ihrer Bewegungsfreiheit. Ihre Mutter wartete draußen im Garten des Krankenhauses, sichtlich nervös. Sie betete die ganze Zeit während der Operation und sagte, die zwei Stunden seien ihr vorgekommen wie zwei volle Jahre. Erleichtert saß sie danach am Bett ihrer Tochter im Aufwachraum und bereits nach einer Stunde erlangte Khushi wieder das Bewusstsein. Amma wich ihrer Tochter in den nächsten Tagen nicht von der Seite und kümmerte sich rührend um die Kleine.   Amma sagte immer wieder voller Dankbarkeit und mit Tränen in den Augen: „Ihr habt Khushi ein neues Leben gegeben!“ Ihren Geburtstag, am 7. Dezember 2011, musste Khushi noch im Krankenhaus verbringen, dennoch feierte sie ihn freudig und war glücklich, dass ihre Mutter bei ihr war. Auch aus ihrem Kinderheim kamen viele Geburtstagsgrüße per Telefon und unser Team besuchte sie selbstverständlich und überraschte sie mit einem Geburtstagsgeschenk.  Auch im darauffolgendem Jahr entwickelte sich Kushi einfach großartig.  Auf ihre Leistungen in der Schule ist sie ausgesprochen stolz und dies mit gutem Grund. Nicht nur in den Hauptfächern Nepali, Englisch und Mathematik, sondern auch in ihren Nebenfächern Sozialkunde, Naturwissenschaften und IT erreichte sie in den Tests jeweils die volle Punktzahl. Mit viel Freude lernte Kushi den Umgang mit dem PC und kann es kaum erwarten, bald selbst Emails schreiben zu können. Für ein Mädchen aus den Bergen Mugus ist dies mehr als erstaunlich. Aber auch ihre Englischkenntnisse sind beeindruckend. Bei meinem letzten Besuch war ich sehr erstaunt, dass sie sich mit mir nicht wie sonst auf Hindi/Nepali, sondern auf Englisch unterhielt. Sie macht wirklich stets große Fortschritte und trägt dabei immer ein Lächeln auf den Lippen. Zwar denkt sie oft an ihre Familie in Mugu, besonders an ihre Mutter, aber Heimweh, so sagt sie, habe sie nicht. Sie freut sich, dass sie die Möglichkeit hat, jeden Tag in die Schule zu gehen und mit ihren vielen neuen Freunden zu spielen.

Amma in Not

Als unsere Projektleiter Ende Juni im Rahmen einer Projektreise unter anderem auch bei Amma vorbeischauten, waren diese geschockt, Khushis Mutter in einem sehr schlechten und kritischen Zustand vorzufinden. Sie war sehr krank und außerordentlich schwach. Ihr ganzer Körper schmerzte. Die Lage war ernst. Wir entschieden, sie umgehend in eine Klinik zu bringen. Dort stellte man extrem hohes Fieber fest. Schlechte Ernährung und mehr als 15 Stunden harte Arbeit täglich hatten Amma restlos erschöpft und geschwächt. Sofort bekam sie die nötige medizinische Versorgung und Vitamine. Glücklicherweise war sie nach einer Woche wieder weitgehend gesundet. Sie war unglaublich erleichtert und dankbar. Amma gestand uns, dass sie große Angst hatte, Khushi nie wieder zu sehen. Daher beschlossen wir, bald ein weiteres Treffen der beiden zu organisieren.

Khushi besucht ihr Heimatdorf

Im Dezember 2012 feierte Khushi ihren achten Geburtstag mit ihren Schulfreunden. Ihre Mutter konnte ihr dieses Mal leider nur telefonisch gratulieren, doch nur wenige Wochen zuvor nahmen wir Khushi im Zuge einer Projektreise mit nach Mugu, so konnte sie einige Tage mit ihrer Familie und ihren Freunden verbringen. Alle waren sehr glücklich, Khushi wiederzusehen. „Sie sah so entstellt und bedauernswert aus vor einigen Jahren und jetzt ist sie ein hübsches Mädchen und so groß geworden“, sagte einer der Dorfbewohner. Ihre Freunde waren alle sehr begeistert von Khushis Geschichten aus dem fernen Kathmandu. Wie gefesselt hingen sie an ihren Lippen, als sie von Flugzeugen, Bussen und Tempeln, den Geräuschen und Gerüchen der Großstadt erzählte. Viele der Kinder in Mugu haben noch nie ein Auto oder gar ein Fahrrad mit eigenen Augen gesehen und trauten daher ihren Ohren nicht, was Khushi in Kathmandu alles erlebte. Leider verging die Zeit in Mugu für Khushi viel zu schnell, sie war ständig mit einem Lachen im Gesicht in ihrem Heimatdorf unterwegs, wieder in ihre traditionelle Mugukleidung mit Schal gehüllt, mühelos eintauchend in ihre Vergangenheit. Aber es war Khushi selbst, die darauf drängte, pünktlich zu Schulbeginn wieder in Kathmandu zu sein. „Der Besuch zu Hause scheint Khushi nochmals motiviert zu haben“, sagte ihr Lehrer einige Wochen später. Die ohnehin schon sehr gute Schülerin hat ihre Leistung weiterhin verbessern können.

Im April 2014 hat Khushi nach großartigen Leistungen in der Schule die zweite Klasse bestanden und daraufhin nach Rücksprache mit ihren Lehrern, sogar noch eine Klassenstufe übersprungen. Sie geht nun - ihrem Alter entsprechend -  in die vierte Klasse und ist sehr glücklich darüber. Gesundheitlich geht es ihr ebenfalls sehr gut. Da Khushi stetig wächst müssen die vernarbten Stellen ihrer Haut regelmäßig untersucht werden, denn bis sie ausgewachsen werden zwangsläufig immer wieder kleinere Operationen notwendig sein, um die vernarbten Stellen dem Wachstum ihres Körpers anzupassen. In jedem Fall ist Khushi auf einem sehr guten Weg, glücklich und erfreut sich bester Gesundheit. Khushis Name bedeutet ‘glücklich’ und nach vielen Jahren ist das auch wieder wahr. Es ist manchmal ganz einfach, ein Schicksal ins Positive zu verändern.

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