BITTERE ARMUT VERNICHTET AUCH TRADITIONEN.

Mugu blickt auf eine lange Geschichte zurück: Einst lag es auf dem ehemaligen Pilgerweg von Indien zum heiligen Mount Kailash in Tibet. Zahlreiche Pilger brachten damals Handelswaren mit, viele Händler waren zwischen Tibet, Nepal und Indien unterwegs. In Mugu hergestellte Wolle, Papier und andere traditionelle Handarbeiten wurden verkauft oder getauscht.

Doch als schließlich die Grenze zu Tibet geschlossen wurde, kamen sowohl der Handel also auch der kulturelle Austausch völlig zum Stillstand. Mugu geriet mehr und mehr in Vergessenheit und verlor seinen Anschluss an den Rest von Nepal, Indien und Tibet. Es wurde zum Randgebiet, in das sich kaum noch jemand verirrte. Dies hatte zur Folge, dass auch aktuelle Informationen nur noch schwer oder gar nicht mehr nach Mugu gelangten.

Einige der althergebrachten Handarbeitsberufe sind bereits ausgestorben. Traditionelle Muster, Gravuren oder Dekorationen sowie Schmuck finden sich kaum mehr, die bittere Armut verhindert, dass Ressourcen für so etwas genutzt werden können und vernichtet somit einen Teil der kulturellen Identität.

Und die Spirale der Armut dreht sich weiter: Um überhaupt noch genug Geld zum Ernähren der Familie zu verdienen, gehen viele Männer mit ihren älteren Söhnen schließlich nach Indien. Dort werden sie als „Lohnsklaven“ über Monate hinweg ausgebeutet: Als Lastenträger an Bahnhöfen oder als Arbeiter im Straßenbau arbeiten sie für Hungerlöhne, werden schlecht behandelt und gesellschaftlich missachtet. Doch vielen Menschen Mugus erscheint dies als einziger Ausweg aus der Hoffnungslosigkeit.

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