WER LAUFEN KANN, IST ERWACHSEN: KINDERARBEIT IN MUGU

Die wenigsten Kinder dürfen eine Schule besuchen. Denn schon von Klein auf müssen sie hart arbeiten, um zum Überleben der Familie beizutragen. Das bedeutet täglich: auf Feldern zu arbeiten, Vieh hüten, Lasten schleppen, Kleinkinder der Familie versorgen sowie Wäsche und Blechgeschirr an der Wasserstelle waschen. Allein aufgrund ihrer Armut können viele Familien schlichtweg nicht auf diese Arbeitskraft verzichten – geschweige denn, sich die Anschaffung von Schulmaterialien und Schuluniformen oder Schuhen leisten.

Die wenigen Kinder, die tatsächlich in eine der schlecht ausgestatteten Schulen gehen dürfen, besuchen diese durchschnittlich nur sechs Monate im Jahr. Ein Großteil bricht letztlich die Schule vor dem Ende der achten Klasse ab. So haben die Jugendlichen keinerlei Perspektive - und für die Region ergibt sich nicht die geringste Chance auf Weiterentwicklung.

Wie viel Kind darf ein Kind sein?

Die zehnjährige Muga lebt mit ihrer Mutter und zwei älteren Schwestern in dem kleinen Dorf Ruwa, einen Tagesmarsch von der Provinzhauptstadt Gamgadhi entfernt. Auch hier gibt es keine medizinische Grundversorgung: Mugas Vater hatte keine Chance, als er vor Jahren an Tuberkulose erkrankte.

Der Kampf um das Überleben bestimmt den Tag Mugas und ihrer Familie. An regelmäßige Besuche der nur 10 min. entfernten Schule ist nicht zu den- ken. Wenn Muga vor Tagesanbruch aufsteht, sind ihre Mutter und Schwestern bereits unterwegs, um Arbeit zu suchen. Muga muss als Erstes Wasser vom Dorfbrunnen in mehreren Touren nach Hause schleppen. Anschließend putzt sie, sammelt Feuer- holz, bereitet für alle eine Mahlzeit zu und wäscht das Blechgeschirr ab. Nur wenn alles bis 10 Uhr erledigen ist, darf sie noch zur Schule gehen.

„Die Schule macht mir großen Spaß. Dies ist der einzige Ort, wo ich auch Zeit zum Spielen und Ausruhen habe, bevor ich wieder arbeiten muss. Aber wenn meine Mutter Arbeit für uns findet, wie Holzbalken vom vier Stunden entfernten Nachbarberg zu tragen, gehen wir tagelang nicht zur Schule.“

Das könnte Sie auch interessieren: