ZUM STERBEN INS KRANKHAUS: HOFFNUNG, WO KEINE HOFFNUNG IST.

Die medizinische Versorgung Mugus ist katastrophal. Es gibt in der Distrikthauptstadt „Gamgadhi“ zwar durchaus ein Krankenhaus, doch dieses muss insgesamt die 55.000 Menschen der gesamten Region versorgen. Dabei erscheint es von außen betrachtet noch als ein imposanter Bau, doch sobald man das Innere betritt, erfolgt umgehend Ernüchterung: Das jährliche Budget für Medikamente ist immer sehr schnell aufgebraucht, kommt ein Patient zur falschen Zeit, ist keine Medizin für ihn vorhanden. Ein richtiger Arzt ist meistens erst gar nicht anwesend. Niemand, der studiert hat, möchte in dieser harschen und abgelegenen Gegend leben, erst recht ohne dabei wirksam arbeiten zu können.

 Ist jemand lebensgefährlich erkrankt und kann der Schamane (örtliche Heiler) ihm auch nicht mehr helfen, tragen die Angehörigen den Kranken mehrere Tagesmärsche auf ihrem Rücken über die Berge zu dem Krankenhaus – zum Teil über hohe verschneite Pässe von bis zu 4.000 Metern. Eine ungeheure Strapaze für alle Beteiligten. Dort müssen sie dann feststellen, dass weder Arzt noch Medikamente vorhanden sind. Eine bittere Wahrheit: Denn die Kranken oder Verletzten sind dann zum Tode verurteilt, ohne jegliche Hoffnung auf Hilfe.

Deswegen versuchen sich die Menschen oft, so gut es geht, selbst zu helfen: Quälen die Bergbewohner zum Beispiel Zahnschmerzen, gießen sie sich in Eigenbehandlung als letztes Hilfsmittel giftige Batteriesäure über die schmerzende Stelle. Bei komplizierten Frakturen, die nicht heilen, führen sie oft eigenständig Amputationen durch. Geschwüre und Metastasen werden mit glühenden Nägeln aufgestochen. Bei drastischen Bauchschmerzen wird die Bauchdecke mit heißem Eisen verbrannt. Verzweiflungstaten, die bestenfalls an das Mittelalter erinnern, doch in Mugu traurige Realität sind. 

 

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