HÖCHSTE NOT: HEALTH CAMPS FÜR DIE ERDBEBENOPFER NUWAKOTS

Um möglichst viele erkrankte Erdbebenopfer noch vor der Winterzeit medizinisch zu versorgen, waren unsere Mitarbeiter – zusammen mit dem bereits durch viele gemeinsame Heath Camps erprobten Ärzte-Team – im Dezember 2015 in den zerstörten Ortschaften von Nuwakot vor Ort: 9 Tage lang zogen wir durch die nepalesische Region und kammen zu den völlig verarmten und verzweifelten Menschen, um sie zu behandeln. Im Gepäck hatten wir dringend nötige Medizin, um direkt helfen zu können. Bei besonders schlimmen Fällen kümmerten wir uns auch um die Überführung in ein Krankenhaus, zur weiteren Behandlung der Patienten. Nuwakot in Nepal ist eine bergige Region nördlich von Katmandu, die schwer von den Erdbeben im Mai des Jahres getroffen wurden. Ca. 1000 Menschen kamen damals tragisch ums Leben, über 1300 Verletzte waren zu beklagen. Bis zu 30.000 Häuser wurden komplett zerstört. Staatliche Hilfe beim Wiederaufbau und medizinische Unterstützung blieben bis heute größtenteils aus. Die schlimmen Folgen: Viele Verletzungen blieben unbehandelt und durch die kalte Jahreszeit wurden die Bewohner zunehmend krank. Durch ihre notdürftigen und nur mangelhaft beheizbaren Unterkünfte pfiff der Wind und starke Erkältungen waren noch das Harmloseste, was diesen vom Leid geprüften Menschen wiederfahren konnte.

Die rechtzeitige Beschaffung der Medikamente war eine echte Herausforderung. Die Wirtschaftskrise zwingt Nepal immer weiter zu Boden – Indien hat bis heute das Handelsembargo gegen Nepal, das u.a. die Einfuhr von Treibstoffen verhindert, nicht aufgehoben. Entsprechend schwierig und kostenaufwendig waren die Organisation und der Transport der Medizin. Unsere erste Station war die Schule von Mandredhunga, wo wir unser Health Camp aufbauten. Alleine dort konnten wir 199 Menschen behandeln, davon die Hälfte Kinder. Dann ging es weiter hoch im Gebirge: Die Naya Nepal Schule sowie die Dakshinkali Schule waren unsere nächsten Zwischenstationen. Auch hier konnten wir 222 erkrankten Bewohnern helfen. Am 3. Tag schließlich erreichten wir das Dorf Mulabari, wo erneut 217 Kinder und Erwachsene auf ihre Behandlung warteten. Der zuständige Gesundheitsbeauftragte der Regierung besuchte unser Health Camp gleich am ersten Tag und dankte Back to Life dafür, noch rechtzeitig vor dem Winter zu helfen. In unser Gästebuch schrieb er: „Ich bin über die freie Verteilung von hochwertiger Medizin beeindruckt und auch darüber, wie gut das Health Camp von Back to Life organisiert ist.“

Die meisten Erkrankungen waren Grippe und Fieber, Atemwegserkrankungen, Augen- und Ohr-Infektionen, Vitaminmangel, Haut-, Magen- und Darmkrankheiten, aber auch Lungenentzündungen und Unterernährung kammen immer wieder vor. Doch auch noch schwerere Fälle stachen aus der Flut der jahreszeitlich bedingten Erkrankungen hervor: Manche waren späte Folgen mangelhafter Versorgung nach den Erdbeben, andere auf Grund der Armut der Bewohner schlichtweg bisher noch gar nicht von einem Arzt diagnostizierte Probleme. Die 71-jährige Radha Kumari Rai, die wir wegen einer schweren Lungenentzündung behandelten, erzählte über die Zustände bei sich zuhause und dankte uns unter Tränen: „Wir haben zur Zeit kein Haus mehr und leben in einem Unterstand ohne schützende Mauern. In den langen Nächten ist es furchtbar kalt und wir haben nicht genug Anziehsachen, um uns zu wärmen. Zudem ist es nicht möglich, die ganze Nacht Feuer zu machen. Unglaublich, Euer Mut hierher zukommen und uns zu helfen, ist außergewöhnlich. Ich wünsche Euch ein langes Leben!“

Ein besonders schwerer Fall war der 9 Jahre alte Junge Bikesh Rai. Unsere Ärzte stellten bei ihm einen angeborenen Herzfehler inklusive Kammerscheidewanddefekt fest. Es war sehr schnell klar, dass wir hier nicht sehr viel für ihn tun konnten – er benötigte eine genaue Untersuchung des Herzens in einer entsprechend spezialisierten Herzklinik in Kathmandu. Die Mutter des Jungen war verzweifelt und weinte bitterlich. Sie wusste bis zu diesem Moment überhaupt nicht, warum es ihrem Kind so schlecht erging. Nun wurde ihr die ganze Tragweite der Diagnose bewusst. Sie hätte niemals genug Geld für Transport, Untersuchungen, eventuelle Operationen und Medikamente aufbringen können. Ein schleichendes Todesurteil für den Jungen. Doch sie fasste wieder Zuversicht, als wir ihr versicherten, dass wir uns um den Transport sowie die Kosten der Untersuchung kümmern werden. Auch wird einer unserer Mitarbeiter Bikesh begleiten und sich um ihn kümmern. Sollte eine Operation nötig werden, werden wir natürlich alles versuchen, auch dies zu ermöglichen.

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