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21.05.2016

Familienplanung im Hochgebirge: Aufklärung im Geburtshaus Kalai

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Es ist bereits ihr achtes Kind, dabei ist Sulachina Nepali gerade mal 32 Jahre alt. Was in westlichen Hemisphären durchaus für Erstaunen sorgt, ist im westnepalesischen Destrikt Mugu völlige Normalität: Großfamilien findet man in allen Bergdörfern dieses besonders armen Teils von Nepal. Der Grund dafür ist vor allem Unwissenheit. Darüber, wie man eine Familie plant und wie man sich vor ungewollten Schwangerschaften schützen kann.

Das Neugeborene und die Mutter erfreuen sich bester Gesundheit, alles ist gut gegangen – der Junge kam mit 2,5 Kilo auf die Welt. Sulachinas vierter Sohn wird sich zukünftig den wenigen Platz in einem der kleinen Häuschen in Kalai mit seinen sieben Geschwistern teilen müssen. Doch in jedem Fall war sein Start ins Leben schon jetzt von wesentlich weniger Risiko begleitet, als der seiner Brüder und Schwestern, die allesamt noch im Kuhstall geboren wurden – unter denkbar schlimmsten hygienischen Bedingungen.

Unser 4. Geburtshaus wurde erst vor gut einem Jahr in Kalai eröffnet. Sulachinas Entbindung ist nun die 30. vor Ort, die von unseren geschulten Hebammen und Krankenschwestern unter kontrollierten hygienischen Bedingungen erfolgreich durchgeführt wurde. Neben der eigentlichen Geburtshilfe ­– sowie der parallelen Versorgung von Schwangeren und jungen Müttern – ist jedoch auch die Aufklärung ein wichtiger Aspekt unserer Arbeit: Viele der Bewohner sind ungebildet. Lesen haben sie nie gelernt. Verhütungsmittel sind oft unbekannt und nur schwer zu bekommen.

Deshalb führen wir gezielte Aufklärungsprogramme durch und informieren über die Risiken und Konsequenzen unkontrollierter Geburten: Von der extremen gesundheitlichen Belastung für die Mütter, über die Unmöglichkeit allen Kindern den Schulbesuch und somit eine echte Zukunft finanziell zu ermöglichen bis zur Not, eine Großfamilie bei überaus mangelhaften Ernteerträgen im Hochgebirge überhaupt ernähren zu können. Unsere Programme finden in Absprache mit der Gesundheitsbehörde von Mugu statt, die die Bewohner nun auch mit Verhütungsmitteln versorgt. Die Möglichkeit zur Entscheidung, zukünftig nicht mehr unkontrolliert schwanger werden zu müssen, ist eine Chance für die Frauen. Ein Chance aus der Armut herauszufinden und einen Schritt in Richtung Freiheit zu gehen.

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