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18.11.2016

Kampf gegen den Knochenkrebs – Ajits Weg zurück ins Leben

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Schon seit fünf Jahren arbeitet Umar als Köchin in unseren Kinderheimen. Sie leistet stets gute Arbeit und bleibt dabei immer äußerst bescheiden. Mit ihrer Anstellung bei uns ist sie diejenige in der Familie, die ein regelmäßiges Einkommen nachhause bringt. Ihr Ehemann verkauft zwar auch mit einem Trolley ab und zu Gemüse in der Stadt, fällt aber leider immer wieder seiner Alkoholsucht zum Opfer. Eine extreme Belastung für die ganze Familie.

Als wäre dies jedoch nicht schon genug der Bürde, ereilte 2012 ihren damals 17-jährigen Sohn Ajit ein weiteres Unglück: Bei einem Spaziergang im Park hatte er sich gebückt, dabei brach er sich plötzlich seinen Oberschenkel-Knochen. Er wurde sofort ins Krankenhaus gebracht, wo ihm bald die schreckliche Wahrheit offenbart wurde: Knochenkrebs. Die Diagnose war ein schlimmer Schock für den Jungen und den Rest der Familie. Die lebensnotwenige Operation – bei der krebsinfizierte Knochenstruktur entfernt und durch Stahl ersetzt wird – sowie die anschließende Chemotherapien bedurften den Verkauf sämtlichen Familienbesitzes, um die Arztkosten auch nur annähernd bezahlen zu können. Darunter auch der Eheschmuck, die letzte finanzielle Absicherung. Ein paar mitfühlende Verwandte versuchten, ebenso Unterstützung zu geben, der Vater blieb keine Hilfe. 1,5 Jahre später waren schließlich sämtliche Rücklagen aufgebraucht und keiner wusste, wie man die weiteren Therapien bezahlen sollte.

Einst hatte Ajit davon geträumt, Boxer zu werden – nun war er ans Krankenbett gefesselt und vegetierte förmlich dahin. Immer häufiger kamen ihm Selbstmordgedanken. Seine Mutter wandte sich schließlich in ihrer Verzweiflung an den Leiter unserer Kinderheime, ihm war bis zu diesem Zeitpunkt das Ausmaß der Tragödie gar nicht bekannt. Zur großen Erleichterung Umars versprach unser Team sofort, Ajit zu unterstützen. Seit 2014 übernimmt Back to Life sämtliche Behandlungskosten, mittlerweile hat er seine dritte und hoffentlich letzte Chemotherapie erhalten. Die bisherigen Ergebnisse sind vielversprechend, der Krebs ist scheinbar nahezu besiegt.

In den letzten zwei Jahren schöpfte Ajit wieder Lebensmut und quälte sich täglich, um, trotz vieler Rückschläge, zumindest auf Krücken wieder laufen zu können. Und eines Tages, seine Mutter kam gerade nachhause, begrüßte er sie tatsächlich mit seinen ersten Schritten ohne Krücken. Umar konnte es kaum fassen. Noch immer übt er jeden Tag jeweils 1,5 Stunden morgens und abends das Gehen. Auch das Schreiben, was ihm jahrelang auch kaum mehr gelang, konnte er sich zurück erkämpfen. Nun lernt er voller Hoffnung, um seinen Abschluss per Fernstudium in der 12. Klasse am Amar Jyoti Intercollege zu machen. Auch dafür haben wir die Gebühren übernommen.

Auf die Frage bei einem kürzlich stattgefunden Treffen, ob er denn glaube, dass die Götter ihm geholfen haben, schaut Ajit seine Mutter an, steht von seinem Stuhl auf und antwortet: „Ich habe nie an Götter geglaubt, meine Göttin ist hier.“ Umar kann ihre Freudentränen nicht länger zurückhalten. Ajit fährt fort: „Ich danke Back to Life von ganzem Herzen – ohne die Unterstützung, hätte ich das nie geschafft: Heute kann ich wieder gehen!“. Dann nimmt Ajit die Hand seiner Mutter.

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