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25.03.2017

Nähen für die Familie: Reshma versucht, der Armut zu entkommen.

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Im letzten Jahr führten wir in drei unserer non-formalen Slumschulen zusätzliche „Kompetenz-Center” ein. Um die handwerklichen Fähigkeiten junger Menschen punktuell zu fördern und ihnen so am Arbeitsmarkt weitaus bessere Chancen zu ermöglichen, bieten wir dort u.a. spezielle Nähkurse für Mädchen und Frauen an. Die 25-jährige Reshma aus dem Slum Shailputri nimmt diese Möglichkeit dankbar wahr, denn bisher gab es in ihrem Leben keine Gelegenheit, sich in irgendeiner Art und Weise fortzubilden.

Auch die soziale Struktur ihres Slums, in dem Hindus und Muslime in ca. 10 Familien gemeinsam wohnen und arbeiten, hat solche Ambitionen bisher nicht sonderlich unterstützt: Frauen sind bisher von lukrativen Arbeiten eher ausgeschlossen und kontinuierlich Diskriminierungen sowie dem unvorhersehbaren Zorn der von Alkoholismus gezeichneten Männerwelt in den Slums ausgesetzt. Ein Frau darf in der Regel nicht selbst entscheiden, was sie aus ihrem Leben machen will. Im Rahmen der Finanzkrise in Indien hat sich die wirtschaftliche Situation der Menschen in den Slums noch einmal dramatisch verschärft. Die untersten Schichten der Gesellschaft haben schon per Definition keinen finanziellen Puffer, um diesen Umständen in irgendeiner Weise entgegenzuwirken. Die 10-köpfige Familie von Reshma hat bis heute kein Geld, um ihr einen Schulbesuch oder eine Ausbildung zu ermöglichen. Ihr ältester Bruder ist mit seiner Arbeitskraft nun dafür verantwortlich, die gesamte Großfamilie zu ernähren. Sowohl ihr Vater als auch ihr Ehemann, mit dem sie bereits als Kind verheiratet worden war, sind bereits verstorben. Das Schicksal hat es nicht wirklich gut mit ihr gemeint.

Doch Analphabetin Reshma, selbst Mutter einer fünf-jährigen Tocher, besucht regelmäßig die Erwachsenengruppe unserer NFE-Center. Dort lernte sie sowohl mehr über ihre Rechte als Frau und Bürgerin, als auch über die Zusammenhänge und Risiken der wirtschaftlichen Situation innerhalb der Slumgemeinschaft. Schließlich erfuhr Reshma auf diese Weise auch von unseren Nähkursen. Sofort bat sie, daran teilnehmen zu dürfen. Von nun an will sie zum Einkommen ihrer Familie einen Beitrag leisten – schon allein, um ihrer Tochter einmal eine Schulausbildung ermöglichen zu können. Denn sie
soll es einmal besser haben. Doch auch an andere Frauen denkt Reshma: „Irgendwann einmal würde ich gerne ein Training-Center für Frauen eröffnen und so auch ihnen neue Möglichkeiten eröffnen. Aber im Moment bin ich erstmal sehr dankbar, selbst die Chance erhalten zu haben, Nähen zu lernen.“

 

 

 

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