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28.04.2017

Unsere Kampagne gegen Kinderehen – Chitwans Kinder protestieren.

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Es ist ein Problem mit weitreichenden Konsequenzen ­– noch immer werden in Nepal Minderjährige verheiratet. Die landesweiten Zahlen sprechen dabei für sich: 37 % aller Mädchen heiraten bereits, bevor sie 18 Jahre alt werden. Schockierende 10% sind nicht mal 15, wenn ihre Eltern die Hochzeit für sie arrangieren. Unwissenheit über die weitreichenden Konsequenzen und nicht hinterfragte Traditionen sind die Ursache für diesen Missstand. Dabei sieht die gesetzliche Regelung sogar ein Mindestalter von 20 Jahren vor. Doch gerade in abgelegenen Gebieten Nepals sind die Menschen auf sich allein gestellt sowie fast gar nicht von offizieller Seite kontrolliert oder gefördert. Mangelhafte Bildung führt an solchen Orten dazu, dass in Asien das Land Nepal – nach Bangladesh und Indien – bei der Anzahl der Kinderehen mittlerweile an dritter Stelle steht (Quelle: Unicef).

In unserem Projektgebiet in Chitwan sticht die Bevölkerungsgruppe der Chepang dabei noch einmal besonders heraus: 56% der Mädchen heiraten noch vor dem 16. Lebensjahr, 18% der Frauen erleiden dabei Fehlgeburten. Wenig überraschend, wenn man bedenkt, dass Geburten zuhause stattfinden, ohne medizinische Aufsicht oder besondere Hygiene. Es ist nicht leicht, gegen die „Normalität“ der vorherrschenden Umstände anzukämpfen. Die jungen Mädchen folgen dem Vorbild ihrer Eltern, die meist selbst in jungen Jahren eine Familie gründeten. Weit verbreiteter Glaube ist, dass ein Ehemann ein Mädchen besser versorgen kann, als die eigene Familie. Heiraten, um genug zu essen zu haben – ein klares Indiz für bittere Armut. Aus diesem Teufelskreis auszubrechen, kann nur mit Hilfe von fortlaufenden Bildungsmaßnahmen gelingen. Denn ein Mädchen, das seit ihrer Teenagerzeit Kinder großziehen muss, wird niemals die Chance haben, eine bessere Arbeit zu finden, als schlecht bezahlte Feld- und Handarbeiten. So kann man in Chitwan auf 40-jährige Frauen treffen, die ihrem Körper bereits bis zu 18 Geburten zumuten mussten.

Back to Life unterstützt benachteiligte Mädchen besonders armer Familien und ermöglicht ihnen neben dem anfänglichen Kindergartenbesuch auch die weitere Schulausbildung. In manchen Schulen bieten wir auch ein Schulessen an, als zusätzlichen Anreiz für die Eltern, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Neben dem normalen Unterricht klären wir die Kinder aber auch mit Kampagnen über die Risiken von Kinderehen auf. So neulich in Thakaltar: Insgesamt ca. 500 kleine und große Bewohner des Dorfes waren Teil unserer Aktion. Zuerst wurden die Lehrer an der Schule von uns geschult, die Kinder im Unterricht auf die Problematik aufmerksam zu machen. Die Kinder fertigten daraufhin Schilder an, um in einem „Protestmarsch“ die Erwachsenen des Dorfes zu erreichen. Im Gemeinschaftshaus fand schließlich eine große Veranstaltung statt, bei der den Dorfbewohnern ein Aufklärungsfilm gezeigt und anschließend diskutiert wurde.

Die Reaktionen waren mehr als vielversprechend: Eine Großmutter meinte anschließend: „Ich dachte bisher, es wäre normal als Kind verheiratet zu werden. Als es mir passierte war ich ungefähr 10 Jahre alt...“ Viele der Eltern brachen in Tränen aus, als sie erkannten, welche negativen Auswirkungen die bestehende Tradition für ihre Kinder hat und versprachen, dieser fortan nicht mehr zu folgen. Unsere Aufklärungskampagnen werden wir in regelmäßigen Abständen fortsetzen.

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