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17.11.2017

Tödlicher Ruß – wie über 2.300 rauchfreie Öfen Leben retten

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Dichter schwarzer Rauch hängt unter der Zimmerdecke. Die Augen tränen ohne Pause. In dem bereits von Ruß schwarz verfärbten, einzigen Wohnraum der Familie sorgt das heftige Flackern des offenen Feuers für ein gespenstiges Schattenspiel an den Wänden. Fenster gibt es keine, der Rauch kann nicht entweichen. Alle paar Minuten muss jemand husten, es kratzt unaufhörlich im Hals, aber hinaus in die eisige Kälte geht trotzdem niemand freiwillig. Leben im Inneren eines Kamins, der keinen Luftabzug hat – der Winter in Mugu kann auf viele Weisen töten.

Es sind wahrlich keine schönen Erinnerungen an das alte Leben, die Ramkali hat, bevor ihr erklärt wurde, warum ihre Familie ständig krank war. So wie die Nachbarn gegenüber und so, wie die ihre Verwandten im nächsten Dorf. Sicher, in der abgelegenen Bergregion wächst wenig, was für eine ausgewogene Ernährung und körperliches Wohlbefinden sorgen könnte – Mangelerscheinungen sind allgegenwärtig. Aber damit war nicht diese Vielzahl an Krankheiten zu erklären, die die Bevölkerung des Dorfes Gamtha immer wieder heimsuchte, über 70 in ihrer Zahl, darunter chronische Atemwegserkrankungen, Kopfschmerzen, Augen- und Magenprobleme oder jener hässliche und juckende Hautausschlag. Da Ramkali als Mutter verantwortlich ist, für ihre Familie zu kochen und somit damals noch mehr als andere dem Rauch täglich ausgesetzt wurde, geriet die Zubereitung eines jeden Mahls zu einer körperlichen Peinigung. Dies geschah aber nicht nur wegen des unerträglichen Rauchs, sondern auch auf Grund immer weiterer mühsamer Wege in die Berge, um überhaupt noch genügend vom kläglichen Feuerholz zu finden. Manche Familien benötigten bis zu 40 kg Holz am Tag zum Kochen, zum Heizen und auch als Lichtquelle am Abend. Da ihr Mann auf den Feldern arbeitet, musste sie jeden Tag viele Stunden darauf verwenden, ausreichend viel Holz zu finden und dieses mühsam nachhause zu schleppen. Oft war diese Menge nicht alleine zu bewältigen und ihre Kinder mussten mit anpacken. Für einen Schulbesuch blieb dann wenig bis gar keine Zeit.

Als Back to Life das Dorf Gamtha schließlich mit rauchfreien Öfen ausstattete, änderte sich alles für Ramkali und ihre Familie: Durch das mit dem Ofen verbundene Abzugsrohr wird nun der tödliche Rauch endlich aus dem Haus geleitet. All die Krankheiten und Reizungen bleiben aus, aber auch der Wohnraum ist nun ohne den ständigen Ruß in der Luft deutlich sauberer. Doch die neue Feuerstelle dient auch dem Ressourcenschutz, denn es werden jetzt bis zu 60% weniger Holz benötigt, als noch zuvor täglich von der Familie verbraucht wurde. Das schont vor allem die wenigen Wälder, aber, als nicht unwichtiger Nebeneffekt, spart Ramkali dadurch auch sehr viel Zeit und Arbeitskraft ein. Denn heute muss sie viel weniger Holz herbeiholen und benötigt auch längst nicht mehr die Unterstützung ihrer Kinder dafür. Diese könne dafür nun regelmäßig zur Schule gehen.

Die Zahl der weltweiten Toten durch Luftverschmutzung in Haushalten – vor allem durch das Inhalieren des Rauchs fossiler Brennstoffe in Ländern der dritten Welt – liegt laut der WHO bei unglaublichen 4.3 Millionen. Es ist also kein lokales Problem gegen das Back to Life hier ankämpft, sondern ein globales. Dieses Jahr haben wir erneut 520 rauchfreie Öfen nach Mugu transportiert und installiert. Insgesamt steigt somit die Anzahl auf 2305 Haushalte in Mugu, die nun unter deutlich besseren Bedingungen kochen, heizen und leben können. Das sind mittlerweile ca. 28% der gesamten Bevölkerung der Region.

Die verarmten Menschen Mugus sind nicht dumm, sie sind schlichtweg ungebildet und wissen deshalb einfach nicht, welche Konsequenzen es haben kann, sich dem Rauch und anderen unhygienischen Bedingungen auszusetzen. Die extrem hohe Kindersterblichkeitsrate in Mugu ist auch mit diesem Umstand verknüpft. Die Bewohner erdulden die oft schweren Folgen und sehen diese als gegeben an. Aufklärung schafft natürlich Bewusstsein, aber davon ab könnte sich die Bevölkerung niemals den Kauf und die Lieferung solcher Öfen leisten, die tagelang per Flugzeug oder Lastwagen hinein nach Mugu transportiert werden, um dann erneut 1-2 Tage per Esel – oder wenn die Wege zu schlecht sind – auf dem eigenen Rücken ins Dorf getragen werden.

Unsere Mitarbeiter installieren anschließend die für uns in Nepalgunj konstruierten Öfen und geben eine detaillierte Anleitungen, wie diese zu benutzen sind. Dabei wird u.a. eine isolierende Lehmschicht in die Zwischenwand des Stahlkonstrukts gefüllt, so kann die Wärme länger gehalten werden. Mit dem neuen Ofen ist es endlich auch möglich, alle verschiedenen Bestandteile des Essens wie Reis und Gemüse auf drei Feueröffnungen gleichzeitig zu kochen – zuvor am offenen Feuer war das nur nacheinander möglich, wodurch Frauen wie Ramkali umso länger im Rauch saßen. „Es war damals wirklich unerträglich, ständig brannten mir die Augen. Auch meine Lunge war gereizt. Ich wusste nicht, dass es auch anders geht. Verglichen mit früher habe ich heute das Gefühl, geradezu im Luxus zu leben und es ist auch so schön, dass das Haus nun viel sauberer bleibt.“

Beeindruckend auch, dass unsere Öfen neben weniger Holzverbrauch und signifikanter Rauchreduzierung auch dafür sorgen, dass der Treibhauseffekt nun nur noch im geringeren Maße angeheizt wird: Manche Experten sprechen von bis zu 2,5 Tonnen CO2, die jährlich pro Ofen vermieden werden können. Aber nicht zuletzt erhöht diese Maßnahme auch die Sicherheit in den Häusern: Denn oft verbrennen sich Kinder und Erwachsene an offenen Feuern, die zudem auch immer wieder die Ursache für dramatische Brände sind. Nach Aussagen vieler Familien in unserem Gebiet sind unsere rauchfreien Öfen eine der begehrtesten und effektivsten Projektmaßnahmen.

 

 

 

 

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