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25.05.2018

Für die Zukunft der nächsten Generation: Unser neues Schulgebäude in Gamtha

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„Wenn es schneite oder regnete, mussten wir ganze Klassen nach Hause schicken. Auch wurde oft der Unterricht bereits vorzeitig beendet, wenn der Himmel begann, sich plötzlich grau zuzuziehen.“ Mr. Shahi, Schulleiter von Gamtha, erinnert sich stirnrunzelt an die absurde Situation, die bis vor kurzem noch trauriger Alltag in seinem Dorf war. Alte heruntergekommene Gebäude, teilweise einsturzgefährdet, führten bisher dazu, dass die Schule viel zu wenige Klassenräume für die Schüler zur Verfügung hatte. Es blieb den Lehrern nichts anders übrig, als manche Klassen im Freien zu unterrichten. So lange das Wetter eben mitspielte...

Doch auch in den Klassenräumen bot sich ein mehr als trostloses Bild: Tische und Bänke für die Schüler konnte die Schule sich nicht leisten. Die Kinder hockten, wie so oft in Mugu, auf dem steinigen und staubigen Boden der viel zu kleinen Räume – die Lehrer hatten nicht mal eine Tafel zur Verfügung. Keine akzeptablen Voraussetzungen für auch nur annähernd sinnvollen Unterricht. Mit dem neuen, durch unsere großzügigen Unterstützer, der Firma Schaeffler Automotive Aftermarket sowie Herrn Henning Gebhardt und Freunden, ermöglichten Schulgebäude inklusive angemessener Einrichtung ändert sich alles für die Gemeinde. Am 11. Mai konnten nach über einem Jahr Vorbereitung und Bau endlich die offiziellen Eröffnungsfeierlichkeiten stattfinden.

Mit dem neuen Gebäude stieg auch gleich die Schülerzahl an: Insgesamt 240 Kinder besuchen nun schon die kleine Lehranstalt, Tendenz steigend. Dass mittlerweile echte Hoffnung auf eine bessere Zukunft als das klägliche Dasein ihrer Eltern in den Schülern keimt, ist bereits deutlich spürbar geworden. Ihre Familien –  oft zu bedürftig, um Schuluniformen und Utensilien für den Unterricht zu bezahlen oder die Arbeitskraft der Kinder überhaupt zu entbehren – konnten ihrem Nachwuchs bis vor kurzem keine verlockendere Aussicht bieten, als das übliche Schicksal, einfacher Lohn- oder Feldarbeiter zu werden. Dies galt vor allem für den Anteil der bitterarmen Dalit-Kaste unter der Dorfbevölkerung. Doch bei einer Befragung der Schüler kamen nun überraschende Wünsche zum Vorschein: Lehrer, Hebamme, Armee-Offizier, Arzt oder Ingenieur – Berufsbilder, die bisher unvorstellbar waren, erscheinen den Kindern plötzlich greifbar. Mit dem neuen Gebäude wurde somit bereits ein erster wichtiger Meilenstein erreicht: Selbstvertrauen, das eigene Schicksal ändern zu können.

Mr. Bhiyal, einer der Eltern und Mitglied des Baukomitees, meint dazu: „Wir waren ungebildet, deshalb hatten wir einen steinigen Lebensweg. Unsere Kinder soll nicht das gleiche Schicksal ereilen. Es war herausfordernd, neben der Bestellung unserer eigenen Felder, noch genug Kraft und Zeit zu erübrigen, um die Schule zusammen mit Back to Life zu bauen. Steine, Sand und Holz mussten mühselig per Hand herangeschafft werden – teilweise über die Distanz von einem ganzen Tag Fußmarsch. Oft mussten wir dazu im Wald übernachten, um am nächsten Tag noch mehr Holz zu schlagen. Aber wir alle wollten es schaffen, denn jedes Kind sollte das Recht auf Bildung haben!“

Es dauerte mehr als ein Jahr das Gebäude zu vollenden, denn viele helfende Hände mussten sich während der wichtigen Pflanz- und Erntezeit auch um die eigene Landwirtschaft kümmern. Verzögerungen, die einfach nicht zu vermeiden sind – anders könnten die Menschen nicht für ihren Lebensunterhalt sorgen. Andere wichtige Materialien wie Zement und Stahlträger für die Dachkonstruktion und Wände mussten aus der Tiefebene, von der Stadt Nepalgunj aus, auf LKWs herantransportiert werden. Die rudimentären Steinpfade, die in jahrelanger Arbeit in die Berge Mugus gehauen wurden, ermöglichen nun einen Transport näher an manche Dörfer heran. Doch nach zwei Tagen riskanter Fahrt auf unbefestigten Wegen, mussten die letzten Kilometer des Transports letztlich doch noch auf den Schultern der Dorfgemeinschaft erfolgen.

Es ist mittlerweile das 10. Schulgebäude von Back to Life in Mugu. Wir freuen uns sehr, dass wir helfen konnten, den Kindern eine lernfreundliche Umgebung zu ermöglichen und danken noch einmal herzlich unseren Unterstützern. Nun bleibt nur noch zu hoffen, dass möglichst viele Schüler ihre Chancen nutzen werden. Wir drücken fest die Daumen!

 

 

 

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