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31.08.2018

Großer Schritt in ein neues Leben: Die Abschlussklasse von Thakaltar

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Es ist ein besonderer Anlass, denn dies passiert zum ersten Mal, seit wir mit unseren Projekten in Nepal aktiv sind: Von Back to Life gezielt geförderte, nun fast erwachsene Mädchen haben den Abschluss der 9. Klasse (Secondary education examination) erfolgreich hinter sich gebracht. In Kürze werden sie den Unterricht bis zur 12. Klasse an weiter entfernten Schulen fortsetzen, um das nepalesische Abitur anzustreben. 

Stella kam deshalb extra nach Thakaltar, um allen Absolventen – Jungen wie Mädchen – zu gratulieren, eine Urkunde für ihre erbrachten Leistungen zu überreichen und sich ausgiebig mit ihnen über ihre Zukunftspläne zu unterhalten. Es ist deutlich zu merken, dass sich diese Generation junger Nepalesinnen selbstbewusst auf den Weg gemacht hat, um Bildungschancen zu nutzen und das Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Nepal ist im Umbruch – diese jungen Frauen werden ihren Teil dazu beitragen, das Land zu modernisieren und Verantwortung zu übernehmen. Ihre Eltern, in der Regel der armen Tamang-Kaste entstammend, haben meist kaum oder gar keine Schulausbildung genossen, das gilt besonders für die Frauen. 

Insofern sind diese Mädchen geradezu Pioniere, die nicht mehr alternativlos die Pfade der Älteren beschreiten müssen, sondern sich ihren eigenen Weg bahnen. 

Viele Stunden verbrachte Stella mit den Teenagern und sprach mit ihnen über das Nepal von heute und ihre persönlichen Träume. Viele wollen Lehrer werden und das Geschenk der Bildung an die nächste Generation weitergeben, andere sehen sich als Krankenschwester oder Arzt, einer will lieber der nächste Christiano Ronaldo werden. Auf die Frage, wie sie sich die Zukunft des Landes vorstellen, gab es vielfältige Antworten: „Ich glaube, dass sich das Land entwickeln und es sogar Eisenbahnlinien geben wird. Früher führten nicht mal Straßen zu uns, nun werden Waren bis ins Dorf transportiert.“ „Wegen der herausfordernden Topografie ist der Bau von Straßen sehr aufwendig, aber alles hängt von diesem Ausbau ab.“ „Früher musste mein Vater stundenlang in ein anderes Dorf laufen, nur um Salz kaufen zu können – heute gibt es Geschäfte in Thakaltar. Eines Tages wird es eine richtige Stadt sein.“ 

Was sie sich wünschen würden, wenn ein Engel ihnen einen Wunsch ermöglichen würde? „Ich wünsche mir ein schönes Haus, das richtig ausgestattet ist.“ „Bitte einen Zauber, der es mir ermöglicht, von jedem Studienfach 100% des Wissens im Gehirn abzuspeichern!“ „Ich fände es toll, wenn es einen Service gäbe, der Einkäufe nachhause bringt.“ „Zum Mond fliegen wäre mein Traum.“ „Ich würde gerne in einen Menschen – halb Mann, halb Frau – verwandelt werden, um beide Seiten des Lebens kennenzulernen.“ 

Der Wechsel in eine neue Schule ist auch ein neuer Lebensabschnitt. Denn die zukünftigen Schulen sind zu weit entfernt, um in Thakaltar wohnen zu bleiben. Die Teenager müssen einfache Unterkünfte anmieten, wenn es nicht möglich sein sollte, bei Verwandten unterzukommen. Der Schulweg wäre sonst nicht mehr zu bewältigen, gleichwohl manche von ihnen gewohnt sind, an die 2 Stunden bis zur Schule zu laufen. 

Absolventin Sanjita hat von ihrem Paten Küchenequipment gesponsert bekommen und kann sich nun in ihrem neuen Domizil einrichten. Sie ist neugierig auf die neue Schule, hat aber auch Respekt vor diesem Schritt in die Selbstständigkeit. Denn ihr Leben fand bisher ausschließlich im Familienverbund statt. Nun kann sie ihre Eltern nur an Wochenenden oder in den Ferien besuchen. Back to Life wird die Mädchen auch an der neuen Schule nach Bedarf weiter unterstützen. 

Die Schule von Thakaltar hatte vor ein paar Monaten ein neues Schulgebäude durch Back to Life erhalten – dadurch ist es nun endlich möglich, Unterricht bis zur 10. Klasse anzubieten. Die folgenden Jahrgänge haben zukünftig ein Jahr mehr Zeit, bis sie zu anderen weiterführenden Schulen aufbrechen müssen. Um diese überaus positive Entwicklung weiterhin zu unterstützen, haben wir uns entschlossen, nun noch ein weiteres Gebäude auf dem Schulgelände durch einen Neubau zu ersetzen. Vielleicht ist sogar irgendwann die Basis gelegt, dass Unterricht bis zur 12. Klasse angeboten werden kann. Das wäre eine kleine Revolution für diese abgelegene Gegend in Chitwan. 

 

 

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