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25.11.2018

Intensive Förderung: Aufbau von Genossenschaften in Mugu

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Jarma aus Gamtha hat für das Gespräch mit uns eigentlich gar keine Zeit. Doch das ist überhaupt keine Enttäuschung, sondern ein erfreuliches Ergebnis unserer Arbeit. Denn er ist mittlerweile mit seinem Job so erfolgreich, dass einfach immer etwas zu tun ist. Jarma ist überaus dankbar für die Unterstützung von Back to Life: „Es fing alles mit zwei Ferkeln an. Dafür lieh ich mir damals 20.000 Rupees (ca. 155 €) aus der von Back to Life initiierten Spargruppe des Dorfes – nachdem ich einen einfachen Businessplan vorgelegt hatte. In unserem Distrikt hat sonst niemand Schweinezucht betrieben. Ich lief ganze zwei Tage bis nach Jumla und habe sie gekauft. Heute habe ich eine Schweinezucht mit insgesamt 41 Tieren. Als ich mit der Aufzucht anfing, war das mehr als gewagt, denn niemand hier hielt Schweine. Aber ich bemerkte, dass immer mehr Menschen aus anderen Teilen Nepals sowie auch Touristen durch Mugu kamen und verließ mich auf mein Bauchgefühl. Heute ist die Nachfrage nach Schweinefleisch enorm und ich kann gar nicht alle Anfragen bedienen. Wenn man das Schwein gut pflegt, liefert es am Ende bis zu 90 kg Fleisch. Wenn ich es auf dem Markt in Rara verkaufe, bekomme ich dafür 400 Rupees pro Kilo (ca. 3,10 €). Ich konnte mittlerweile schon 150.000 Rupees zurücklegen (ca.1.160 €).“
 
Jarma und seine Familie ist für Mugu-Verhältnisse fast schon in der Mittelschicht angekommen. Er kann seine 4 Kinder alle zur Schule schicken, sein Haus ist sauber und gut ausgestattet. Alle in der Familie tragen wertige Kleidung. Es geht ihnen gut. Der Erfolg motiviert ihn, er will erneut investieren: Land ankaufen wäre nun ein Meilenstein, damit könnte er seine Schweinefarm deutlich erweitern. Doch nicht nur er allein profitiert von der Genossenschaft. 4 Dorfbewohner konnten bereits kleine Geschäfte eröffnen, 4 betreiben intensiven Handel mit Kräutern, die sie lokal günstig ankaufen und mit Gewinn im entfernten Nepalgunj verkaufen, 5 weitere verkaufen im größeren Stil Waren aus Mugu auf den Märkten von Kathmandu, Nepalgunj und Surkhet, andere haben in Obstgärten investiert, um Äpfel für den Verkauf zu züchten.
 
Die heutigen offiziell registrierten Genossenschaften sind aus den Spargruppen von Back to Life hervorgegangen, die eingerichtet wurden, um den Menschen eine Basis für einen kleinen wirtschaftlichen Aufschwung zu geben. Zuerst konnte es nicht mehr als ein Zubrot sein, heute ist es eine feste Säule ihres Einkommens. 20 bis 30 Mitglieder dieser Spargruppen setzen sich aus je einem Abgesandten pro Haushalt zusammen. Monatlich wird ein gemeinsam festgelegter Betrag auf das Gemeinschaftskonto eingezahlt. Nach einer Weile des Ansparens können Mitglieder einen Kredit für Investitionen beantragen, den sie wiederum nach festgelegten Raten zurückzahlen müssen. Im Prinzip gründet ein Dorf seine eigene Mikrobank. Das Startguthaben kam aus dem geringen finanziellen Eigenanteil, den die Dorfbewohner für die Bereitstellung von energieeffizienten Öfen und Solaranlagen durch Back to Life zahlen mussten. Wir behielten diese Anteile aber nicht, sondern führten diese den Spargruppen als Startkapital zu. Heute arbeiten wir mit 13 Genossenschaften in Mugu zusammen und stehen beratend zur Seite, auch mit Trainings: Wie zum Beispiel an 6 Tagen im vergangenen Juni, als wir für Teilnehmer aus allen Genossenschaften die Themen Geschäftsführung und Buchhaltung vertieften. Aber auch für Themen wie u.a. Investment, Entwicklung kleiner Geschäftsmodelle und die Vernetzung mit Finanzinstituten haben wir schon Trainings veranstaltet. Es ist schön zu sehen, welche Früchte unsere Bemühungen heute tragen. Hilfe zur Selbsthilfe, wie sie anschaulicher kaum sein kann.
 
 
Bilder (c) 2018 BTL
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