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16.03.2019

Unsere Spargruppen-Trainings: Wenn Theorie praktisch Erfolg hat

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In all unseren Projektdörfern haben die Bewohner erhebliche Probleme den täglichen Unterhalt für ihre Familien zu bestreiten. Ohne nennenswerte Schul- und Ausbildung bleibt meist nur die einfache Feld- oder Lohnarbeit. Viele der nepalesischen Männer wandern nach Indien, Saudi-Arabien oder Malaysia ab, in der Hoffnung dort besser bezahlte Arbeit zu finden. Oft werden sie dabei wie moderne Arbeitssklaven behandelt, noch öfter sehen sie ihre Familien für mehrere Jahre gar nicht oder kaum. Das Ansparen kleinerer Kapitalbeträge für Investitionen für die eigene Karriere, vielleicht für ein eigenes Geschäft oder auch nur für die Ausbildung der Kinder ist in der Regel völlig undenkbar. Alles was verdient wird, frisst die Grundversorgung direkt wieder auf. Und oft ist nicht einmal diese gesichert.

Mittlerweile unzeitgemäße Konzepte der Entwicklungszusammenarbeit haben dafür gesorgt, dass über viele Jahrzehnte Lebensmittel in arme Regionen der Welt transportiert wurden, um Hungersnöte zu lindern und lokale Bevölkerungen zu unterstützen. Diese Hilfe konnte sicherlich kurzfristig viele Menschenleben retten – oft hat sie aber auch die betroffenen Menschen in langfristige Abhängigkeiten gezwungen. Denn wenn solche Systeme erst einmal zur Normalität zementiert worden sind und keine neuen Entwicklungsanreize geschaffen werden, dann wird Not zum Dauerzustand. Back to Life verschreibt sich seit jeher dem Konzept, Bedürftige dabei zu unterstützen, sich selbst zu helfen. Das kann unter Umständen manchmal etwas länger dauern, bis fruchtbare Ergebnisse vorliegen. Aber die Entwicklungen sind letztlich deutlich nachhaltiger und effektiver. Zudem fördern sie auch das für jede Zukunfsplanung so überaus wichtige Selbstwertgefühl sowie die Motivation der Menschen, da auf diese Weise jedwede Abhängigkeiten von vornherein vermieden werden.

In unserem Projektgebiet in Chitwan arbeiten wir schon sehr lange mit unseren sogenannten „Spargruppen-Trainings“ und dem damit verbundenen Mikrokredit-Konzept. Die Idee ist denkbar einfach: Aus jedem teilnehmenden Haushalt eines Dorfes wird ein Abgesandter in die Spargruppe des Dorfes entsandt, fast immer sind es die Mütter oder Großmütter. Hier wird monatlich ein von der Gemeinschaft festgelegter kleiner Betrag an Rupees in die Gemeinschaftskasse einbezahlt. Nach einem Zeitraum von 1-2 Jahren können die Mitglieder einen Kredit für Investitionen beantragen, den sie in einem festgelegten Ratenplan mit einem geringen Zinssatz wieder an die Gruppenkasse zurückzahlen. Um den Kredit zu erhalten, müssen die Mitglieder einen einfachen „Business-Plan“ vorbereiten, der die übrigen Mitglieder von der Wichtigkeit und der garantierten Zurückzahlung des Kredits überzeugt. Auf diese Weise konnten sich schon viele Einwohner, der von uns betreuten Dörfer, eine bessere Existenz aufbauen und vor allem Frauen motiviert werden, den Weg in die finanzielle Unabhängigkeit zu gehen.

Hier sind ein paar erfolgreiche Beispiele für echte „Frauen-Power“ aus jüngerer Zeit:

2013 trat Gyanimayaim Dorf Ranibas der Spargruppe bei. Nach ca. einem Jahr des Ansparens gelang es ihr mit Hilfe der Gruppe, die Aufzucht von Ziegen zu starten. Heute besitzt sie bereits 20 Tiere, die sie auf einer kleinen Farm hütet. Gerade überzeugte sie ihre Spargruppe, ihr einen neuen Kredit über knapp 200€ zu gewähren, damit sie in 4 weitere Jungtiere investieren kann. „Ich werde 18 Monate brauchen, das Geld zurückzuzahlen, aber dann ca. 100€ Gewinn machen!“

Sukmaya aus Dhamili trat der örtlichen Spargruppe bereits 2011 bei, half sie sogar mit aufzubauen. Da sie selbst nicht lesen und schreiben kann, half ihr zu Beginn ihr Ehemann bei der Durchführung der Treffen. Mit Hilfe eines Kredits der Gruppe gelang es ihr, einen kleinen Lebensmittelladen im Dorf zu eröffnen, der seitdem erfolgreich läuft. Nun plant sie ihren Laden in der Fläche etwas zu vergrößern und lieh sich dafür etwas über 300€. „Nach nur 6 Monaten werde ich bereits ca. 65€ Gewinn gemacht haben,“ erzählt sie stolz.

In Thakaltar konnte Phoolmaya nach der Unterstützung durch die Spargruppe ihres Dorfes eine kleine Hühnerzucht eröffnen. Sie ist heute sehr froh, diesen Schritt gewagt zu haben. Auch sie lieh sich nun erneut Kapital in Höhe von ca. 240€, um mit 6 Jungtieren zusätzlich eine Ziegenzucht zu beginnen. „Mein Ziel ist in 12 Monaten ca. 100€ Gewinn zu machen. Es ist toll, dass ich jetzt etwas zum Familieneinkommen beitragen kann!“ 

 

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