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24.02.2016

Mein Gespräch mit Shantimaya aus Bhaduwar

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Namaste, liebe Freunde von Back to Life,

Bhaduwar ist ein kleines Dorf in den Bergen Nuwakots, ungefähr 80 Familien leben dort. Sie sind Tamangs, eine ethnische Minderheit buddhistischer Herkunft, die ca. 5% der nepalesischen Bevölkerung ausmachen.

Am Dorfeingang befand sich eine Schule, die das große Beben im April 2015 nicht überstanden hat und die Back to Life nun wieder aufbauen wird.

 

Ich habe mehrere Tage mit meinem Team in Bhaduwar verbracht, um die Menschen und ihre Not besser kennenzulernen zu können, da sie mich durch ihre Schicksalsstärke sehr beeindruckt haben. Trotz der überall sichtbaren Tragödie vermögen sie ihren Alltag positiv anzugehen und begegnen ihrem harten Dasein mit einem Lachen im Gesicht – schier unglaublich.

Besonders berührt hat mich Shantimaya Tamang, eine Mutter Anfang 30, mit der ich leicht ins Gespräch kam. Obwohl wir beide aus völlig verschiedenen Welten stammen, ergab sich gleich eine Verbindung – von Frau zu Frau, von Mutter zu Mutter. Also fragte ich Shantimaya schließlich nach dem verheerendem Tag des Bebens. Ich konnte sehen, dass sie wohl alles verloren hat, da von ihrem Haus rein gar nichts mehr übrig war. Nur noch der Holzrahmen der ehemaligen Eingangstür ragte aus der Ruine, ein groteskes Bild. Wir setzten uns auf die Trümmersteine und sie begann zu erzählen:

„An diesem Morgen war ich unterwegs zu einem Nachbardorf als das erste Beben die Berge und uns alle schüttelte. Ich warf mich auf den Boden, um mich herum fiel alles zusammen und die gesamte Welt war nur noch aus Staub. Mein erster Gedanke galt meinen beiden Kindern, meiner 6-jährigen Tochter und meinem 4-jährigem Sohn, die ich im Dorf zurückgelassen hatte. Ich wollte ja nur ein paar Stunden weg sein. Also rannte ich voller Panik, so schnell ich konnte, auf den Bergpfaden zurück. Steinlawinen brachen von den Bergen und verschütteten alles, doch in dem Moment war mir das egal. 

 

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Als ich auf die Anhöhe des Hügels kam, von dem aus unser Dorf sichtbar ist, ging ich vor Entsetzen in die Knie: Es war fast nichts mehr übrig, die meisten Häuser existierten nicht mehr, auch unseres nicht. Diesen Schrecken und die Angst um meine Kinder kann ich nicht in Worte fassen. Doch ich brauchte Gewissheit, also stand ich wieder auf und eilte zitternd nach hause. Allen Göttern sei Dank – meinen Kindern war nichts passiert – sie kauerten zusammen mit den Nachbarn im Maisfeld, von Staub und Schutt umgeben. Erleichtert schloss ich sie in die Arme. 50 von 80 Häusern waren nur noch Ruinen. Doch Hauptsache, die Kinder hatten überlebt!

Direkt neben unserem Haus befand sich unser Viehstall. Dort hatten wir unsere Wasserbüffel-Kuh angebunden, neben dem Haus unser größter Besitz. Sie gab uns kostbare Milch, die uns Geld brachte. Zudem erwartete sie Nachwuchs und wir planten, diesen zu verkaufen. Der Stall war über ihr zusammengebrochen, doch ich hörte an ihrem Schmerzensgebrüll, dass sie noch lebte. Es dauerte Stunden, bis ich sie aus den Trümmern ausgegraben hatte. Doch sie war zu schwer verletzt und nach zwei qualvollen Tagen starb sie schließlich. Damit hatten wir dann alles bis auf unser Leben verloren.“

Die ersten Tage und Nächte verbrachten die Dorfbewohner im Freien, dann machten sich alle, auch Shantimaya, daran, aus übriggebliebenen Wellblechdächern kleine Notunterkünfte zu errichten, ähnlich einer viel zu engen Konservenbüchse. Immerhin schützt sie das bis heute – zwar nicht vor der nächtlichen Kälte, doch zumindest vor dem Wind in den Bergen.

Diesen Menschen gilt mein ganzer Respekt. Bitte helft uns dabei, hier unsere „Hilfe zur Selbsthilfe“ anzubieten.

Alles Liebe, Eure Tara Stella

Unser Spendenkonto für Nepal:
IBAN: DE 94 500 800 000 729999002
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