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20.05.2015

Ayurvedisches Healthcamp für Schwangere, stillende Mütter und deren Babys

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Es passiert so viel, dass ich gar nicht hinterherkomme, Ihnen davon zu berichten. In den vergangenen Tagen haben Achyut und Dikendra ein ayurvedisches Healthcamp mit speziellem Fokus auf Schwangere, stillende Mütter und deren Babys organisiert.

Wir haben gehört, dass rund 170.000 stillende Mütter und 126.000 Schwangere von den Beben betroffen sind. Ein Teil dieser Frauen hat durch die Beben alles verloren, sie hausen seit über 3 Wochen unter Plastikplanen, es gibt kein Haus mehr, in das sie zurückkehren könnten. Viele haben keine regelmäßigen Mahlzeiten zu sich nehmen können. Laut Schätzungen gibt es 75.000 mangelernährte Kleinkinder in den Erdbebengebieten.

Dikendra und Achyut mussten nicht weit gehen, um diese zu finden. Die dritte Königsstadt des Kathmandutals, Bhaktapur, wurde bereits am 25. April durch das erste Beben in eine Geröllhalde verwandelt. Obwohl die alte traditionsreiche Stadt (UNESCO Weltkulturerbe), berühmt für ihr Kunsthandwerk, ihre Pagoden und Tempel, schnell internationale Hilfe erfuhr, sitzen heute immer noch viele Schicksalsgeschlagene in den umliegenden Dörfern unter notdürftig aufgespannten Planen und wissen nicht weiter.

 


Frauen, die ihre Kinder nicht mehr stillen können, weil ihnen die Milch versiegt ist. Kleinkinder, die Hunger haben und sich nach einer einfachen Mahlzeit sehnen. Schwangere, die unzählige Male unter Todesangst das neue Leben in ihnen schützten.

Uns wurde auch von Frauen berichtet, die unter freiem Himmel oder hinter Plastikplanen gebären mussten. Das erinnert uns sofort an die Kuhstallgeburten in der Bergregion Mugu, die wir durch unsere Geburtshäuser zur Vergangenheit werden lassen. Nie hätte ich gedacht, dass solche Zeiten im Kathmandutal anbrechen könnten.

Für diesen Hilfseinsatz haben wir ein Team aus ayurvedischen Ärzten des ,Ayurvedic Hospitals in Bhaktapur’, unter der Leitung von Prakash Gywali, gebildet. Unsere Projektleiter Achyut und Dikendra besorgten nach einer vorher erarbeiteten Liste kistenweise ayurvedische Säfte, Pasten, Tonics und nahrungsergänzende Mittel sowie Babybrei für die Babys der Mütter, die nicht stillen können.


Diese natürlichen Mittel dienen zur Stärkung und zur Überbrückung der Härtezeit unter Zeltplanen. Außerdem fürchten wir um die Schwangeren, deren Ungeborenen vielleicht durch die Beben Schaden davon getragen haben könnten. Insbesondere, wenn die werdende Mutter sich in voller Panik in Sicherheit bringen musste, könnten unbemerkte innere Verletzungen entstanden sein. Das Healthcamp gibt den ayurvedischen Medizinern die Chance, mit den betroffenen Frauen zu sprechen und ihnen Hilfe anzubieten für die bevorstehenden Geburten. Es ist wichtig, dass sie wissen, wohin sie sich wenden können und dass Geburten nach einem solchen Trauma oft keine ‚normalen Geburten’ sind.

Dikendra berichtete mir, dass unser Team früh am Morgen des 18. Mai die ayurvedische Medizin in einen gemieteten Transporter packte und die Mediziner nach Lamatol (hinter Bhaktapur) und die umliegenden Dörfer Pipalbot und Telkot begleitete.

Das Team hat dieses Mal kein festes Camp installiert, sondern ist von Zeltsiedlung zu Zeltsiedlung gegangen, hat die Kisten auf den Boden gestellt und hat dort die Frauen, Kinder und die Alten zusammengerufen. Wie immer stand neben der medizinischen Hilfe die Weitergabe überlebenswichtiger Informationen an erster Stelle: Händewaschen, Trinkwasser, Toiletten... zur Verhinderung von Durchfall und Seuchen.



Die 7 ayurvedischen Mediziner und unser Team gaben als Überbrückungshilfe den Müttern von Babys auch Babybrei aus. Das haben wir bisher nie unterstützt, doch die Notlage erfordert diese zwischenzeitliche Maßnahme, bis die Mütter wieder stillen können oder ein Lebensalltag mit Kochgelegenheit geschaffen ist, so dass sie selbst Brei aus Getreide oder Reisflocken kochen können.

Sanumaya Tamang, eine junge Mutter, war überglücklich über die Unterstützung und sagte freudestrahlend: „Jai hos tapain ko Back to Life ko!“
Das bedeutet: Lang lebe Back to Life! Sie fügt hinzu: „Heute wird mein Kind Essen im Bauch haben. Dann wird es vielleicht schlafen. Seit einer Woche habe ich keine Milch mehr.“

Kinder wie Mütter erhielten ayurvedische Mittel zur Stärkung und Zufuhr von Nährstoffen und Vitaminen auf natürliche Art. Ebenso haben wir spezielle Präparate an die Alten ausgeteilt, die unter den Bedingungen am Wegesrand sehr leiden. Sie sind den Strapazen, die nun fast schon einen Monat andauern, körperlich nicht gewappnet.


Mit dieser Hilfsaktion konnten wir an einem Tag 300 Familien direkt erreichen. Ein weiterer Tropfen in diesem Ozean, aber eine direkt fühlbare Hilfe für diese Mütter und Babys.