Aktuelles

13.10.2011

Erdbebengebiet Kathmandu

Liebe Freunde von Back to Life,

mit der Armut Nepals, dem einfachen Leben und den täglichen Stromausfällen, die in der Trockenzeit bei 14-18 Stunden gipfeln können, komme ich gut zurecht, doch die größte Angst in meinem Herzen ist die Gefahr des drohenden Erdbebens -‚the big one’ genannt.

Da ich mit meinem Sohn seit Jahren im Erdbebengebiet Kathmandu lebe, gilt meine große Sorge ihm. Falls mir etwas zustoßen sollte, so ist das meine Wahl des Schicksals gewesen, doch kann ich dasselbe behaupten, falls er zum Opfer würde? Wir lieben Nepal, die Menschen hier, die Natur und die Demut, die Bescheidenheit und Liebenswürdigkeit dieses Landes und der Nepalis, doch der Druck, dass etwas passieren wird, ist immer präsent. Die Frage ist nämlich nicht ob, sondern wann. Und wenn ‚the big one’ geschieht (8-9 Richterskala ist angekündigt seit Jahren), dann bleibt von Kathmandu wahrscheinlich nicht viel übrig –aus verschiedenen Gründen, durch schlechte Bausubstanz, wegen dem unkontrollierten Wachstum der Stadt, jede freie Fläche wird wild bebaut.

Jahrelang habe ich meinem Sohn täglich eine Trillerpfeife um den Hals gehängt, damit er wenigstens auf sich aufmerksam machen könnte, falls er verschüttet würde, bis er sich wehrte, weil ihm das zu ‚peinlich’ ist.

Wir haben stets neben dem Bett Taschenlampen, Wasserfilter, Motorradhelme sowie einen Notrucksack mit Trockennahrung, Verbandsmaterial und Schuhen (wg. der Glasscherben) liegen, sofort griffbereit für den Notfall.

Wo immer wir leben oder uns aufhalten, schauen wir zuerst nach möglichen Fluchtwegen und ‚sicheren’ Orten. Meistens werden die Menschen bei Erdbeben durch fallende Objekte erschlagen, es ist schwer, in dieser zugebauten Stadt mit ihren engen Gassen freie Plätze zu finden. Wie oft habe ich bereits meinem Sohn eingeschärft, im Falle des Bebens sich selbst sofort in Sicherheit zu bringen und nicht nach mir eigenständig zu suchen falls wir getrennt voneinander wären in dem Moment. Bei jeder Mail der deutschen Botschaft oder der Schule, die Erdbebenrichtlinien beschreibt oder warnt, wird mir schlecht vor Angst.

Die Sorge um ein Erdbeben im Kathmandutal lässt mich nie los und beeinflusst unseren Alltag. Allein im vergangenen Jahr wurden 17 Erdstöße durch Seismographen gemessen und wenn immer Erdbeben in den Nachbarländern sind, bricht meine Angst hervor. Genau wie jetzt vergangenen Sonntag. Kathmandu ist verschont geblieben, es hat nur gewackelt, doch wie lange noch?

Gäbe es andernorts in Nepal internationale Schulen, dann hätten wir Kathmandu nicht zum Lebensmittelpunkt gewählt. Doch auch für unser Büro ist eine Anwesenheit in der Hauptstadt zwingend notwendig, weil hier sämtliche bürokratischen Dinge für unsere Projekte zu regeln sind und die Ministerien für  Soziales, Frauen und Familie, Umwelt, Bildung und Finanzen ihren Sitz haben.

Oft spreche ich mit Nepalifreunden über meine Sorgen. Sie sehen das alles völlig schicksalsergeben. Das könnte ich auch wenn ich alleine wäre, denn ich habe stets mein Schicksal angenommen. Doch hier spreche ich nicht als Projektleiterin sondern als Mutter.

Falls Ihr Interesse an dem Thema habt, dann googelt doch einfach mal oder schaut Euch die Links an, die wir in der letzten Meldung zu diesem Thema in der Rubrik ‚Aktuelles’ hier auf unserer Website veröffentlicht haben.

Alles Liebe und Gute, Eure Tara-Stella