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25.03.2013

Rettung in letzter Sekunde – Vergiftung von mehr als 100 Schulkindern verhindert

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Unsere Kinderrechteprojekte in den Slums von Benares und den umliegenden Dörfern haben in den letzten Jahren vielfältige Erfolge erzielt. Doch besonders freut es uns, dass wir immer deutlicher die Umsetzung unseres Konzeptes der „Hilfe zur Selbsthilfe“ beobachten können. Zur Veranschaulichung dieser Entwicklung möchten wir Ihnen diesmal eine Initiative des Dorfes Bankat vorstellen, die durch die konsequente Umsetzung der „Selbsthilfegruppen“ das Leben von mehr als 100 Kindern rettete.

Bankat ist ein kleines Dorf, das acht Kilometer außerhalb von Benares liegt. Der Großteil der Dorfbewohner zählt zu der Kaste der Unberührbaren, die Lebensumstände sind entsprechend ärmlich. Die meisten männlichen Dorfbewohner versuchen, als Tagelöhner oder einfache Feldarbeiter ihren Lebensunterhalt zu sichern. Die Frauen kümmern sich um den Haushalt. Staatliche Hilfen und Unterstützungen versickern meist, bevor sie zu den wahrlich Bedürftigen gelangen Die meisten Bewohner des Dorfes leben unter der Armutsgrenze und führten ein Leben ohne Hoffnung und Perspektive.


Nach der Etablierung der Kinder- und Erwachsenenforen sowie weiterführenden Schulungen zu den Themen der Kinderrechte, staatlichen Hilfeleistungen, Gesundheit- und Hygiene oder den regelmäßigen Treffen mit Regierungsmitarbeitern und Lehrern (‚Government Community Interface’ und ‚Teacher Community Interface’) entwickelten die Dorfbewohner zunehmend mehr Selbstbewusstsein sowie  Eigeninitiative, um ihre Probleme selbst zu identifizieren und zu lösen.

Devendre während des BAM-Treffens – Samish mit der Kindergruppe Bankats


Ein wichtiger Schritt dazu war die Bildung eines kleinen Teams, das die Schulen und Tagesstätten regelmäßig aufsucht, um sich über den Schulalltag zu informieren, die Anwesenheit sowohl der Schüler als auch die der Lehrer zu kontrollieren sowie die Einhaltung des „Midday-Meal“-Programms.


Das „Midday Meal Scheme“ ist ein staatliches Hilfsprogramm, das vorsieht, dass jedes Schulkind pro Tag eine warme Mahlzeit erhält. Die Schulen bekommen dafür  regelmäßige Budgets, die die Ausgaben des Mittagessens decken sollen. Leider fällt die Qualität des Essen häufig der Gier der Verwaltung oder des Küchenpersonals zum Opfer und die Mittel fließen leider oft direkt in die Taschen der Angestellten. Regelmäßig erkranken Schulkinder an schlechter Essensqualität als Ergebnis von billigem unsauberem Reis oder faulem Gemüse.

Essensausgabe des „Midday-Meals“ in der Schule

Glücklicherweise besuchten am 12. November 2012 erneut zwei Mütter, Mitglieder der BAM-Gruppe (Bal Adhikar Manch), die Dorfschule. In der Küche fiel ihnen ein sehr fauliger Geruch auf. Sie veranlassten sofort, dass die Essensverteilung gestoppt wurde. Die beiden Mütter schickten ein paar Kinder nach Bankat, um weitere Mitglieder der BAM-Gruppe zu rufen, die ebenfalls die Qualität des Essens testen sollten. Schnell kam eine große Gruppe von Dorfbewohnern zusammen, die die Schulleitung aufforderte, das Essen selbst zu probieren. Der Schuldirektor versuchte noch, den Vorfall herunterzuspielen, musste jedoch nach einer ersten Kostprobe das Essen prompt ausspucken. Gemeinsam machten sich die Bam-Mitglieder mit der Schulleitung auf, die Ursachen für die verdorbenen Nahrungsmittel herauszufinden und entdeckten dabei, dass bei der Lagerung Rattengift ins Essen gelangte. Sämtliche Lebensmittel wurden sofort vor aller Augen entsorgt. Die Mitglieder unserer Erwachsenengruppe hielten jedoch eine kleine Probe des Mittagessens zurück, die sie mit Hilfe unserer Sozialarbeiter ins nächste Labor schickten. Das Ergebnis der Untersuchung war schockierend: Die Dosis an Rattengift in der Nahrung war so hoch, dass sie für kleine Kinder zum Tod hätte führen können. Daraufhin bestellten die Eltern der Schüler den ‚Pradhan’, den höchsten Regierungsbeamten auf Bezirksebene, in die Schule, eine vollständige Aufklärung fordernd. Die Verantwortlichen mussten noch am selben Tag ihre Jobs kündigen und für alle anderen Angestellten war es ein deutliches Signal, ihre Verantwortung gegenüber den Schülern ernst zu nehmen.