Aktuelles

09.07.2015

Schulmaterial für die Kinder der Mandredhunga-Grundschule im Distrikt Nuwakot

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Die Zerstörung und schwere Beschädigung von mehr als 30.000 Klassenzimmern durch die schweren Erdbeben in Nepal raubten etwa einer Million Schulkindern jegliche Hoffnung, ihre Schulausbildung fortzusetzen. Doch nur über einen qualifizierten Berufsabschluss gelingt es, dem drohenden Schicksal der Kinderarbeit zu entfliehen und den Kreislauf der Armut zu durchbrechen. Deshalb legen wir von Back to Life unseren Fokus bei der Wiederaufbauhilfe auf die Schulen.

Unsere Projektleiter sind im ständigen Austausch zu lokalen Regierungsstellen und anderen Organisationen, um Schulen ausfindig zu machen, deren Gebäude durch die Beben zerstört wurden und die bisher weder Hilfe empfangen, noch in Aussicht haben.

So erfuhren Dikendra und Achyut in der letzten Woche von der Mandredhunga Grundschule im Distrikt Nuwakot, etwa 75 Kilometer nordwestlich von Kathmandu. Das Dorf mit seinen etwa 200 Haushalten wird hauptsächlich von der ethnischen Minderheit der Rai bevölkert, die ähnlich wie die Tamang und Chepang in Chitwan, durch einfache Landwirtschaft und Hilfsarbeiten zu überleben sucht.

Sofort riefen sie den Schulleiter, Mr. Arjun Aryal, an, um sich genauer über die aktuelle Lage vor Ort zu informieren:

„Alle drei Gebäude unserer Grundschule sind komplett oder teilweise zerstört worden, so dass wir keinen, der ursprünglich 10 Klassenräume mehr benutzen können. Mit etwas Hilfe der Dorfbewohner konnten wir als Übergangslösung zumindest zwei improvisierte Klassenzimmer aus Strohmatten und Zeltplanen einrichten, damit der Unterricht nicht zu lange ausfallen muss.

 Bisher kommen auch alle Kinder täglich zur Schule. Da aber alle Häuser im Dorf zerstört sind, konzentrieren sich die Eltern der Kinder zunächst darauf, einen Unterschlupf für ihre Familien zu finden und ihre Häuser und Hütten wieder aufzubauen. Die meisten Familien haben kein Geld für die nötigen Schulmaterialien, wie Stifte, Hefte, Bücher, etc. Auch die Schule hat nach den Erdbeben keine Lehrmaterialien mehr. Ich befürchte, dass viele Kinder bald nicht mehr kommen werden, wenn wir keinen richtigen Unterricht anbieten können.“, beschrieb er Dikendra die tragische Situation.

Zwei der drei Schulgebäude der Mandredhunga Grundschule liegen am Boden (oben). Das dritte ist schwer beschädigt (unten) und durch die nepalesischen Behören mit einem roten Punkt gekennzeichnet: Betreten verboten!


Von da an ging alles sehr schnell. Am nächsten Tag machte sich unser Mitarbeiter Balkrishna in Mandredhunga selbst ein Bild von der Lage und bestätigte die dramatischen Schilderungen des Schulleiters. Gemeinsam erarbeiteten sie eine Liste mit den am dringendsten benötigten Dingen für die derzeit 102 Schüler der Grundschule.

Auf dieser Basis beauftragte Dikendra unser Personal in Chitwan Materialien wie Stifte, Hefte, Bücher usw., die wir dort noch für die von uns unterstützten Schulen auf Lager hatten, zusammenzupacken und Richtung Mandredhunga zu schicken. In Kathmandu besorgten wir zeitgleich weitere Schul- und Lehrmaterialien sowie Spielsachen, z.B. Fussbälle, Volleybälle, Springseile, etc. und verpackten alles in Transportboxen.

Zwei Tage später brach unser Team mit dem gesamten Material nach Mandredhunga auf. Dort bot sich unseren Mitarbeitern ein erschütternder Anblick. Viele Hütten und Häuser des Dorfes waren zerstört. Zwei der drei Schulgebäude lagen komplett am Boden. Eines war wegen Einsturzgefahr gesperrt. Unsere Mitarbeiter wunderten sich, wie 102 Kinder in den zwei kleinen Zeltklassenräumen unterrichtet werden konnten.


„Wir haben die 102 SchülerInnen in drei Gruppen eingeteilt.“, erklärte der Schulleiter. „Während zwei Gruppen in den beiden Zelten eine Stunde lang unterrichtet werden, spielen die Kinder der dritten Gruppe draußen. Auch deshalb benötigen wir neben Lehr- und Lernmaterialien unbedingt auch Spielsachen, um die Kinder, die gerade keinen Unterricht haben, zu beschäftigen.“

 


Die Kinder konnten es kaum erwarten, ihre neuen Schulmaterialien überreicht zu bekommen. Jeder wollte der erste sein, vermutlich auch aus Angst, am Ende leer auszugehen. „Ihr bekommt heute alle eure Schulsachen. Wir haben genug dabei. Den Rest lassen wir bei eurem Direktor,“ beruhigte sie Dikendra, bevor unser Team die Hefte, Stifte, Radiergummis, Spitzer und vieles mehr verteilte. Dem Schulleiter übergaben sie zusätzliches Material für die kommenden sechs Monate.
 


Auch bei der Verteilung der Spielsachen waren die Kinder begeistert und begannen sofort ausgelassen damit zu spielen. „Das ist das erste Mal, dass wir mit einem richtigen Fussball spielen“, sagte einer der Jungen. „Bisher haben wir immer möglichst viele alte Socken zusammengeknäult und als Ball verwendet.“

 


Am Ende des Tages gab es noch ein längeres Gespräch zwischen unseren Projektleitern, dem Direktor der Schule und dem Lehrpersonal. Bisher konnte die Schulleitung, trotz mehrerer Anfragen, keine Hilfe von staatlicher Seite oder von anderen Organisationen bekommen. Alle wiesen daraufhin, dass dringend ein Schulgebäude mit 6 Räumen benötigt würde, um langfristig wieder qualifizierten Unterricht bis zur 5. Klasse anbieten zu können.

Deshalb sind unsere Mitarbeiter vor Ort derzeit mit den Planungen für ein neues Schulgebäude beschäftigt . Wir werden Sie natürlich in den kommenden Wochen über das weitere Vorgehen informieren.

Bitte helfen Sie beim Wiederaufbau mit! Mit Ihrer Unterstützung möchten wir möglichst viele Schulen bald wieder eröffnen und den Kindern Nepals die Hoffnung auf ein freies, selbstbestimmtes Leben zurückgeben.

 

 

Mit einer Projektpatenschaft Nepal, egal zu welchem Betrag, können Sie langfristig, regelmäßig und direkt helfen.
Vielen Dank!